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Mädchen auf der Überholspur

Viel positive Energie: 26 Mädchen aus der ganzen Welt stärken bei dem speziellen Sommercamp ihr Selbstbewusstsein und lernen erfolgreiche Geschäftsfrauen kennen.
Viel positive Energie: 26 Mädchen aus der ganzen Welt stärken bei dem speziellen Sommercamp ihr Selbstbewusstsein und lernen erfolgreiche Geschäftsfrauen kennen. © Foto: Andreas Gora
Anna Fastabend / 07.08.2016, 20:00 Uhr - Aktualisiert 08.08.2016, 15:11
Eberswalde (MOZ) Den Organisatorinnen des "Girls Gearing Up Summer Camps" geht es um die Persönlichkeitsentwicklung von Mädchen aus aller Welt. Seit Sonnabend sind die 26 Teilnehmerinnen im Wald-Solar-Heim in Eberswalde zu Gast. Sie lernen, selbstbewusster zu werden, und treffen auf weibliche Führungskräfte.

So manch einer wird die 26 Mädchen wohl beneiden, die momentan sechs Tage lang an einem Sommercamp der besonderen Art teilnehmen. Wo sonst kann man auf einen Schlag Freundschaften mit Jugendlichen aus England, Frankreich, Ghana, Indien, Kroatien, Schweden und Syrien schließen und gleichzeitig Englisch trainieren. Das Kennenlernen und Vernetzen für den späteren Lebensweg findet beim "Girls Gearing Up Summer Camp" im geschützten Raum, auf dem Gelände des Wald-Solar-Heims, und unter Aufsicht von fünf Betreuerinnen statt.

Es geht ums eigene Selbstbewusstsein und um den Mut, auch mal zu sagen, wo es lang geht. Das sollen die Mädchen zwischen zwölf und 18 Jahren auf spielerische Art und Weise und mit Hilfe von weiblichen Mentorinnen lernen. Und später - so der große und idealistische Wunsch der Organisatorinnen Courtney Adams und Tina Limbird - machen ihre Schützlinge die Welt dann mit eigenen sozialen, wissenschaftlichen oder wirtschaftlichen Projekten ein wenig besser und gerechter. Zumindest was Frauen in Führungspositionen angeht. So besetzen in Norwegen mit rund 35 Prozent zwar mehr Frauen Spitzenposten in Unternehmen als anderswo, berichtet Courtney Adams. "Das ist uns aber nicht genug. Wir geben nicht auf, bis die Hälfte dieser Jobs von Frauen ausgeführt wird."

Doch am ersten Tag des Sommercamps, dessen Titel so viel bedeutet, wie einen Gang rauf zu schalten, lernen sich die Mädchen erst einmal kennen. Damit aus den 26 Fremden schnell Vertraute werden, beschleunigen die Betreuerinnen dies mit Gruppen bildenden Übungen. So stellen sich zunächst die Partner eines Zweierteams gegenseitig vor. Es folgt ein Spiel, bei dem Mädchen in Fünfergruppen allesamt auf einem Blatt Papier stehen müssen, ohne den Boden zu berühren. Die Stimmung ist prächtig. Die Mädchen sprudeln nur so über vor positiver Energie.

Eine von ihnen ist Leandra aus Bonn. Die 14-Jährige hat schon einmal an dem seit 2013 existierenden Sommercamp teilgenommen. Ihr gefiel es so gut, dass sie dieses Jahr wieder dabei ist. "Die Stimmung ist super, die Teamarbeit macht Spaß und die Unterstützung durch die anderen ist hilfreich." Sie sei durch das Camp anderen Leuten gegenüber offener geworden, sagt Leandra. Ein wichtiger Schritt für sie war die Talentshow, die immer am letzten Tag des Treffens stattfindet. "Erst wusste ich nicht, was ich vorstellen soll." Dann fiel ihr ein, dass sie die Kreiszahl Pi auswendig kann. "Als Leandra die Zahlenkombination aufsagte, brachen die anderen Mädchen in Jubel aus", erinnert sich Tina Limbird. Bei einer solchen Begabung wundert es nicht, dass das Mädchen später Physikprofessorin werden will.

Auch ein syrisches Mädchen, das mit ihrer Familie erst vor Kurzem nach Deutschland geflohen ist, macht mit. Für sie sei es eine große Überwindung, ein paar Tage ohne ihre Mutter zu verbringen, berichtet die 16-Jährige. Sie freut sich über die Chance, bei dem Workshop ihr Selbstbewusstsein zu stärken. "Ich möchte später Ärztin werden", erklärt sie.

Das einmal im Jahr stattfindende Ferienlager sei im Übrigen für alle Mädchen gemacht, egal wie ihr finanzieller Hintergrund ist, betont Courtney Adams. "Zwar kommen wir langsam an die Grenzen unserer Kapazität, doch bisher mussten wir noch niemanden abweisen." Wenn ein Mädchen teilnehmen will, würden die Organisatoren nach Sponsoren suchen. In diesem Jahr hätten sie unter anderem die Hochschule Macromedia und die Deutsche Bahn als Unterstützer gewinnen können. Letztere hätte ihnen Bahntickets zur Verfügung gestellt.

Mit diesen unternehmen sie an zwei Tagen Exkursionen nach Berlin, um dort weibliche Führungskräfte zu treffen. "Das Tolle ist, dass sie den Mädchen nicht nur ihre Erfolgsgeschichten erzählen, sondern auch ehrlich über die Hindernisse auf ihrem Weg berichten", sagt Organisatorin Adams. Das würde den Mädchen ungemein helfen. So hätten die Teilnehmerinnen der vergangenen Camps erfolgreiche Frauen von der Textilunternehmerin bis zur Raumfahrtingenieurin kennengelernt.

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