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Millionen Youtube-Stars obdachlos

Vom Glück geküsst: Dieser Katze geht es gut. Sie lebt in einer liebevollen Umgebung, bekommt regelmäßig Futter und hat einen großen Garten, in dem sie herumtollen kann. Viele ihrer Artgenossen nicht.
Vom Glück geküsst: Dieser Katze geht es gut. Sie lebt in einer liebevollen Umgebung, bekommt regelmäßig Futter und hat einen großen Garten, in dem sie herumtollen kann. Viele ihrer Artgenossen nicht. © Foto: MOZ/Thomas Burckhardt
Anna Fastabend / 08.08.2016, 07:00 Uhr - Aktualisiert 08.08.2016, 17:23
Eberswalde (MOZ) Einerseits sind sie die beliebtesten Haustiere der Deutschen. Andererseits werden sie oft einfach vor die Tür gesetzt. Rund zwei Millionen verwilderte Katzen soll es nach Schätzungen des Deutschen Tierschutzbundes in Deutschland geben. An sie erinnert der Weltkatzentag.

Gegen sie kommt bei Youtube keiner an. Die samtpfötigen Wesen mit dem flauschigen Fell, den rosa Näschen und den leuchtenden Augen sind die wahren Stars der Videoplattform. Und auch die sozialen Netzwerke sind überschwemmt von drolligen Katzen: Gähnende Kitten, bei denen einem das Herz aufgeht. Ihre lustigen ausgewachsenen Artgenossen, die sich vor Gurken erschrecken, gegen ihr eigenes Spiegelbild ankämpfen oder sich genüsslich von einem Affen lausen lassen.

Der Weltkatzentag wird 2016 am 8. August begangen.
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Weltkatzentag 2016

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Und doch sind es gerade Katzen, die ihr Dasein oft unter jämmerlichen Umständen fristen. Die von Krankheit und Hunger geplagt und ohne festes Zuhause herumirren. Laut dem Deutschen Tierschutzbund gibt es in der Bundesrepublik schätzungsweise zwei Millionen streunende Katzen. Die Dunkelziffer dürfte jedoch wesentlich höher sein.

Denn: "Die Tiere sind total verängstigt. Tagsüber verstecken sie sich. Nur nachts kommen sie raus und gehen auf Beutezug", erklärt die stellvertretende Vorsitzende des Landestierschutzverbandes Brandenburg Jutta Schütze. Deshalb existieren auch keine gesicherten Zahlen über ihre Existenz für das Bundesland und den Barnim.

Eine, die bei der Entdeckung einer herrenlosen Katze regelmäßig informiert wird, ist Karin Nicodem. Sie betreibt ein Tierheim in Werbellin, das für den Bereich Joachimsthal zuständig ist. Momentan beherbergt sie auch zwei junge Europäische Kurzhaarkatzen, die aufgrund eines besonders rücksichtslosen menschlichen Verhaltens ins Tierheim mussten.

"Ich bin von einem Ehepaar benachrichtigt worden, das - ohne es zu wissen - mit dem Hauskauf auch zwei Katzen übernommen hat." Im Nachhinein habe sich herausgestellt, so Karin Nicodem, dass die Vorbesitzer die Katzen beim Umzug einfach zurückließen, ohne ihre Nachfolger darüber zu informieren. Die wundern sich zunächst, warum die Nachbarskatzen dauernd auf ihrem Grundstück herumlaufen, bis ihnen ein Licht aufgeht. Eine der Katzen ist trächtig. Die Kitten kommen zu Karin Nicodem ins Heim. Ihre Mutter und die andere ältere Katze werden kastriert und dürfen in ihrer gewohnten Umgebung bleiben, berichtet die Tierheimbetreiberin. "Das sind liebe Leute, die Verantwortung für die Vierbeiner übernommen haben."

Die Tiere in ihrer gewohnten Umgebung zu lassen, sei ohnehin das Beste, sind sich die Tierschützerinnen einig. Denn oftmals lassen sich die verwilderten Katzen nicht mehr umsiedeln. Sie freuen sich, dass viele Menschen bereit dazu sind, die Katzen in ihre Obhut zu nehmen. Da es sich bei diesen zumeist um wenig zahme Freigänger handelt, brauchen sie nicht mehr als eine regelmäßige Mahlzeit.

Allerdings müssen Finder zuerst den örtlichen Tierschutzverein, als Träger der Tierheime, informieren, der die Katze einfangen lässt und kastriert. Denn es gilt: Wer die Katze erst füttert, wird selbst zum Halter und muss die zwischen 80 und 120 Euro teure Kastration selbst bezahlen. Sonst übernimmt die Kosten entweder die Kommune oder oftmals der Tierschutzverein. Die Kastration von freilaufenden Katzen wird von Tierschützern dringend empfohlen. Ansonsten steigt die Zahl der verhungernden und von Krankheit dahinsiechenden Katzen weiter an. Und je älter diese bei der Entdeckung sind, desto seltener wird aus ihnen noch eine Schmusekatze.

"Seit Jahren fordern wir das Paderborner Modell", sagt Jutta Schütze vom Landestierschutzverband. Das Modell, das von Luckenwalde, Frankfurt (Oder) und Jüterbog kopiert worden ist, verpflichtet Besitzer zur Kastration und Kennzeichnung ihrer freilaufenden Katzen.

Dass der Großteil der Kosten für streunende Katzen momentan von Kommunen und Tierschutzvereinen getragen wird, sei nicht einzusehen, findet Jutta Schütze. Allein der Tierschutzverein Rathenow habe seit dem 25-jährigen Bestehen 4600 Katzen kastriert, nennt sie als Beispiel. "Das muss aufhören."

"Wer sich eine Katze anschafft, muss einen Plan B haben, falls er ausfällt", betont Tierheimbetreiberin Nicodem. Dafür sei die Beziehung zu den unabhängigen Tieren eine ganz besondere: "Wenn eine Katze dich mag, ist das ein großes Kompliment."

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