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Biogasanlage soll Wärme liefern

DSTEINKRAUSN / 16.05.2008, 08:00 Uhr
Seelow(MOZ) Seit drei Jahren wird das Thema "Einsatz erneuerbarer Energien in Seelow" diskutiert. Eine Arbeitsgruppe lotete Möglichkeiten aus. Es scheiterte an der Bereitstellung von Rohstoffen. Hintergrund bilden die hohen Wärmepreise in der Stadt, die noch aus den Verträgen mit der Eudo resultieren. Die wurde mittlerweile von der EWE übernommen. Ein gemeinsames Konzept ging nicht auf. Am Mittwochabend präsentierte die KTG Biogas AG als Teil der KTG Agrar Unternehmensgruppe ein völlig neues Konzept. 2009 könnte Seelow eine Biogasanlage haben, die für 600 Haushalte Wärme liefert.

Es hörte sich sehr professionell, wirtschaftlich durchdacht, ausgereift und umsetzbar an, was Roman Motzko, Vorstand der KTG Biogas AG, den Mitgliedern des Bauausschusses da erläuterte. Das Unternehmen sei im November 2007 an die Stadt herangetreten, so Bauamtsleiter Jörg Krüger. Die Tatsache, dass die Gesellschaft über eigene Flächen in der Region verfügt und damit selbst die Rohstoffbelieferung für eine Biogasanlage absichern würde, sei entscheidend für weiterführende Gespräche mit dem Unternehmen gewesen.

Motzko machte mit der Firmenpräsentation deutlich, dass man es mit einem offensichtlich starken wirtschaftlichen Partner zu tun hat. Als erstes Landwirtschaftsunternehmen ist es seit Oktober 2007 an der Frankfurter Börse dotiert. Und es hat Erfahrungen mit dem Bau von Biogasanlagen. In der Region gibt es schon einige davon. Knackpunkt bisher: Gut 40 Prozent der erzeugten Energie geht verloren, weil die bei der Stromerzeugung entstehende Wärme in die Luft gejagt wird. Heute würde man Biogasanlagen nur so bauen, dass Strom und Wärme genutzt werden, machte Motzko klar. "Alles andere wäre wirtschaftlich nicht tragfähig."

In Seelow könnte nach Aussage des Unternehmens im Bereich von Seelow Loos eine Anlage mit einer Leistung von 2,8 KW entstehen und damit etwa 40 000 Quadratmeter Wohn- und Gewerbe- flächen beheizt werden. Der Strom geht ins öffentliche Netz. Es ist keine eigene Stromversorgung für Seelow vorgesehen, machte der Firmenvertreter auf eine entsprechende Anfrage aus der Runde deutlich. Es gehe einzig um die Wärme. Die soll über eine Gasleitung bis zum Sender transportiert und von dort aus an die Abnehmer geleitet werden.

Etwa 9,5 Millionen Euro schätzt man für den Bau der Anlage. Hinzu kämen 400 000 Euro für den Bau des neuen Wärme-netzes. Die Verträge für die Nutzung der alten Eudo-Netze laufen bald aus. An einer weiteren Nutzung sei die Stadt nicht interessiert, fügte Jörg Krüger ein. Er verwies darauf, dass es zum jetzt neuen Konzept Absprachen mit der Seelower Wohnungsbaugesellschaft gebe, die ebenfalls schon von sich aus aktiv ist. "Wir wollen einen deutlichen besseren Preis für Wärme, von dem auch die Bürger profitieren", machte Krüger deutlich. Den will die KTG bieten. "Das ist für uns mit der günstigste Weg", so Ausschussvorsitzender Jörg Schröder. Der Stadt blieben finanzielle Verbindlichkeiten erspart. Sie schließt langfristige Verträge. "Das Management liegt beim Unternehmen, ebenso das geschäftliche Risiko", so Schröder. Auf Bürgernachfrage versicherte Stefan Frerichs, ebenfalls Vorstand der KTG Biogas AG, dass nicht vorgesehen sei, die gesamte Produktion an den drei Standorten für die Verbrennung einzusetzen. Das funktioniere schon wegen der Fruchtfolge nicht. Auf etwa 1200 bis 1500 ha würden Rohstoffe für die Anlage angebaut. Enthalten sei darin ein Puffer, weil die Produktion unter freiem Himmel immer mit einem Risiko behaftet ist. Auch unter dem Aspekt steigender Preise für Agrarprodukte sehe er keine Gefahr, dass die Produkte nicht kommen. "Es sind ja unsere eigenen Unternehmen, die anbauen und liefern", so Frerichs. Die Beschickung des Riesensilos mit etwa 40 000 Tonnen würde während der Ernte erfolgen, wo ohnehin die Erntetransporte unterwegs sind. Da die Anlage an der Seelower Umgehungsstraße gebaut werden soll, würde der Verkehr nicht durch die Stadt rollen.

Insgesamt gab es im Bauausschuss durchweg Wohlwollen für das Projekt. Jetzt soll es an die Details gehen. Im Juni sind Gespräche mit der Sewoba geplant. Ein Aufstellungsbeschluss durch die Stadtverordnetenversammlung müsste folgen, dem sich die Beteiligung aller Träger und ein Antrags nach Bundesimmissionsschutzverordnung anschließt. Im besten Fall könnte Anfang 2009 der Baustart sein und die Anlage im Sommer 2009 bereits fertig sein, erläuterte Roman Motzko.

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