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Sonderführung des Domstiftarchivs

Domarchiv erkunden
Domarchiv erkunden © Foto: MZV
Helmut Augustiniak / 09.08.2016, 12:10 Uhr
Brandenburg (MOZ) "Vom Schimmel befreit. Restaurierte Objekte im Domstiftsarchiv" lautete das Thema, das die Mitarbeiter des Archivs für den August interessierten Hobbyhistorikern nahebringen wollten. Diplom-Archivarin Konstanze Borowski referierte dazu vor 18 Besuchern der Veranstaltung in der St. Petri-Kapelle auf der Dominsel in Brandenburg an der Havel. Ein Lichtbildervortrag am Anfang des Referats zeigte Aufnahmen von beschädigten historisch wertvollen Büchern, Akten und Urkunden. Schimmel ist nur eine der großen Gefahren, die die Archivalien zerstören. Auch durch andere Ursachen werden die wertvollen Unikate aus der Vergangenheit der Menschheitsgeschichte zerstört. Dazu gehören physikalisch-chemische Einflüsse, Umwelteinflüsse, einschließlich die Einwirkung von Tieren und die unsachgemäße Lagerung der Objekte. Da die Urkunden mit Tinte geschrieben wurden, die über Jahrhunderte in ihrer Zusammensetzung gleich blieb, erfolgt ihre Zersetzung durch Tintenfraß und später durch Oxidation von Druckfarben. Umwelteinflüsse spielen auch eine große Rolle beim Erhalt von Archivalien. Die Einwirkung von Luftsauerstoff, Feuchtigkeit, Licht, Temperatur, Staub, Ruß, Insekten, Bakterien, Pilzen, Mäusen und Ratten zerstören die Dokumente bis zur Unbrauchbarkeit. Der Alterungsprozeß ist nicht aufzuhalten, aber er kann durch entsprechende Maßnahmen minimiert werden. Das geschieht durch gleichbleibende Temperatur, Einlagerung in entsprechende Behälter, zum Beispiel Archivboxen, damit auch Schutz vor Feuchtigkeit gegeben ist. Kühle Temperaturen von 19° - 20°C und eine Luftfeuchtigkeit von 40% verlangsamen die chemischen Prozesse. Das Einschweißen in Kunststoff ist mit Vorsicht zu genießen, denn die Weichmacher in den Hüllen zersetzen das Papier. Die Sonderführung zeigt an Hand einiger Objekte aus dem Bestand des Domstiftsarchivs verschiedene Schadensbilder und deren Ursachen und stellte die vorgenommenen Restaurierungs- und Konservierungsmaßnahmen vor. Maßnahmen gegen den Verfall historisch wertvoller Archivalien können bei Vorhandensein entsprechender Finanzierungsmittel durchgeführt werden. Die Archive bedeutender Institutionen bekommen diese auch. Aber was geschieht zum Beispiel mit Kirchenbüchern, die auf Dachböden und in Kellern der Pfarrhäuser lagern oder in vergessenen Archiven der Stadt- und Gemeindeverwaltungen schlummern? Die Bürgermeister, Ortsvorsteher und die Verwaltungsangestellten sind mit den täglich anfallenden Arbeiten überlastet. Und hat eine Verwaltung eine Planstelle für einen Archivar, dann nicht für die historisch relevanten Archivalien. Abhilfe schafft hierbei nur der Einsatz interessierte Ehrenamtler, die mit einem Verein im Rücken die Ortsarchive erhalten helfen. Gute Beispiele dafür sind Nauen und Ketzin/Havel.

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