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Lavendelblüten auf der Tanzfläche

Robert Iwanetz / 09.08.2016, 19:45 Uhr - Aktualisiert 20.09.2016, 16:00
Jakobshagen (iw) Es summt in der Lindenstraße in Jakobshagen. Bienen, Hummeln und Bremsen laben sich an malvenfarbenen Sommerfliederblüten, die überall auf dem Hof wachsen. Dazwischen fliegen unzählige Tagpfauenaugen, Zitronenfalter und auch Taubenschwänzchen mit gerollten Saugrüsseln, die aussehen wie kleine Kolibris. "Wir haben hier extrem seltene Arten von Schmetterlingen", sagt Conchita Soares. "Manche sind sogar vom Aussterben bedroht." Der Name für den Vierseitenhof in der Uckermark, der rund anderthalb Stunden nördlich von Berlin liegt, war daher schnell gefunden: "Schmetterlingsgarten".

Brandenburg traut sich wieder. In einer Serie stellen wir Ihnen besondere Orte vor, wo die Hochzeit zum Erlebnis wird. Der „Schmetterlingsgarten“ befindet sich im uckermärkischen Jakobshagen bei Templin.
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Heiraten in Jakobshagen

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Conchita Soares lebt seit acht Jahren in Jakobshagen. Eigentlich arbeitet sie als Regisseurin. Sie drehte schon Musikvideos für Lou Reed, Silbermond und Revolverheld. Im Herbst soll die Produktion für ihren ersten Kinofilm starten. Doch in den vergangenen zwei Jahren hat sich der Hof mit dem großen Garten und den alten Obstbäumen zu einem zweiten wirtschaftlichen Standbein für sie entwickelt, das nie geplant war: als Ort für Hochzeiten.

Alles fing damit an, dass die 44-Jährige eine Hochzeit für eine Freundin ausstattete. Daraus entstanden bald die nächsten Anfragen. 2015 waren es dann schon acht Hochzeiten. Soares nahm sich eine Auszeit vom Filmgeschäft. Dieses Jahr heiraten 22 Paare von Mai bis September in Jakobshagen. Auch 2017 ist sie eigentlich schon ausgebucht. "Ich kann immer noch nicht fassen, wie das eingeschlagen ist", sagt sie. "Ohne meine Assistentin Thi Nguyen würde ich es gar nicht mehr schaffen."

Vor allem Paare aus Berlin kämen, die die gleiche Vorliebe für altmodische Dinge teilen wie sie. "Vintage", wie das englische Adjektiv für altehrwürdig, heißt der Stil, in dem der ganze Hof gestaltet ist, der früher einmal Dorfgaststätte war. Conchita Soares hat dort fast alles selbst gemacht: "Ich kaufe gar keine neuen Sachen, sondern arbeite altes wieder auf."

Im Mittelpunkt steht eine alte Scheune von 1924, mit großen Toren, die Tanz- und Speisesaal zugleich ist und Platz für bis zu 100 Gäste bietet. Drinnen hat sie selbst gestrichen, die Wände mit Holzstapeln dekoriert und kleine Lavendelblüten auf die Tanzfläche gemalt. "Auf einer Hochzeit muss einfach jedes Detail stimmen", findet Soares.

Über den Hof sind weiße Wimpelketten gespannt, die ihre Mutter genäht hat, mit der sie einst aus Portugal nach Deutschland kam. Als Blumenvasen fungieren alte Milchkübel. Selbst das Geschirr ist handbemaltes Porzellan, zusammengesucht aus vielen Flohmarktbesuchen und nicht für den Geschirrspüler geeignet. "Alleine für den Abwasch brauchen wir deshalb drei Mitarbeiter rund um die Uhr", erzählt Soares und muss lachen. Doch ohne würde der intimen Stimmung einer Hochzeit im "Schmetterlingsgarten" etwas fehlen, findet sie.

Der Gedanke für Nachhaltigkeit zieht sich durch alle Facetten auf dem Vierseitenhof. Das Fleisch, zubereitet von Carsten Suhr, dem das Grundstück gehört und der als Wildhändler arbeitet, kommt beispielsweise nicht aus der Massentierhaltung, sondern von Rehen aus den umliegenden Wäldern. Ebenso möchte Conchita Soares nicht, dass ihre Gäste Luftballons steigen lassen, die anschließend die umliegenden Naturschutzgebiete verschmutzen. Ansonsten erfüllt sie ihren Brautpaaren jedoch fast jeden Wunsch.

So baute sie für eine Hochzeitsgesellschaft schon eine Whiskey-Lounge aus Heuballen. Und für alle Paare, die sich außerhalb von Kirche und Standesamt noch frei auf dem Hof trauen möchten, gestaltet Soares einen individuellen "Schmetterlingstempel", mit Wildblumen und im Wind wehenden Seidenbändern. Meistens wird dann schon der Einmarsch der Braut zum romantischen Großereignis. Denn an sonnigen Tagen lassen sich oft mehrere Schmetterlinge auf dem weißen Kleid nieder. "Das ist eigentlich unglaublich kitschig", sagt sie. "Aber doch immer wieder wunderschön."

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