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Der Torso als Sinnbild des Unvollendeten

Nähern sich Gustav Seitz und dem Thema Torso: Mateusz Sikora, Malgorzata Kopczynska, Mattej Frank, Christin Müller, Rainer Kulka und Ralf Ehmann (v.l.), die Teilnehmer des Pleinairs
Nähern sich Gustav Seitz und dem Thema Torso: Mateusz Sikora, Malgorzata Kopczynska, Mattej Frank, Christin Müller, Rainer Kulka und Ralf Ehmann (v.l.), die Teilnehmer des Pleinairs © Foto: Doris Steinkraus
Doris Steinkraus / 17.08.2016, 18:08 Uhr
Trebnitz (MOZ) Im und am Schloss Trebnitz hat ein zweiwöchiges Bildhauerpleinair begonnen. Die Gustav Seitz Stiftung vergibt zum Abschluss einen mit 5000 Euro dotierten Preis. Damit soll die von Seitz meisterhaft beherrschte figürliche Arbeit ins Blickfeld gerückt und gewürdigt werden.

Einfach traumhaft sei es hier, schwärmt Ralf Ehmann. Der 49-Jährige aus der Nähe von Tübingen ist in Süddeutschland ein erfolgreicher Bildhauer. Er hatte im Internet vom Pleinair erfahren und sich beworben, so wie 70 andere Künstler aus ganz Deutschland. Sechs erhielten eine Einladung auf Schloss Trebnitz. Ehmann brachte sogar seinen 600-kg-Kalksandstein selbst mit. Aus dem formt er jetzt einen Torso. Die Umrisse sind bereits erkennbar. Die Tradition der figürlichen Arbeit werde nur noch wenig gepflegt, sagt Ehmann. Seitz gehöre zu seiner eigenen Künstlergeschichte. So wie er auch die Arbeiten des Allangsower Bildhauers und einstigen Meisterschülers von Seitz, Werner Stötzer, kennt und bewundert. "Stötzer ist für mich einer der größten deutschen Steinbildhauer", sagt er über den 2010 verstorbenen Künstler.

Vor zwei Jahren stand die menschliche Figur als Ganzes im Mittelpunkt des Gustav-Seitz-Pleinairs, in diesem Jahr ist es der Torso. "Er steht für unvollendet, unfertig", erklärt Kuratorin Berenika Partum zur Eröffnung. "Der Torso soll unsere Phantasie fördern, Vorstellungen provozieren, wie der Körper vollständig aussehen könnte."

Ein Aspekt, der Künstler seit Jahrzehnten zum Schaffen anregt. Erst vor 140 Jahren wurde der erste eigenständige Torso der Kunstgeschichte von Auguste Rodin geschaffen. Genau 50 Jahre danach musste Gustav Seitz in der Kunsthochschule dieses Werk als studentische Übung verkleinert kopieren. Die nach dem Modell gegossene Bronze ist mit weiteren Werken im Rahmen des Pleinairs in der Alten Schmiede am Schloss zu sehen. Dazu gehört auch eine kleine Variante des letzten großen Werkes von Gustav Seitz - "Geschlagener Catcher" aus dem Jahr 1967.

In dem bis zum 28. August laufenden Pleinair sollen die drei Künstler aus Polen und die drei Teilnehmer aus Deutschland eine zeitgenössische Haltung zum Thema "Torso" aufzeigen. Die Ergebnisse werden am 28. August pra¨sentiert. Eine der bildhauerischen Arbeiten ehrt der Vorstand der Gustav Seitz Stiftung mit einem Preis.

Das Thema Torso fasziniere sie seit jeher, sagt Christin Müller aus Halle. "Ich mache fast nichts anderes", erklärt die 42-Jährige. Um so mehr sei sie dankbar für dieses Treffen im Oderland, das auch viel Raum lasse für Begegnungen und den Austausch. Christin Müller fertigt Figuren aus Terrakotta-Elementen. "Keramik bringt den Charakter der Zerbrechlichkeit besonders zum Ausdruck", ist sie überzeugt. Mattej Frank hat sich für Holz entschieden. Der 27 Jährige war vor zwei Jahren einer der besten Absolventen der Breslauer Kunsthochschule. Über die Akademie erfuhr er auch vom Pleinair. Er freut sich, hier Künstlerkollegen zu begegnen, die bereits Schaffenserfahrungen haben. Jeder arbeitet zwar an einem anderen Ort im und am Schloss, doch man schaut sich gegenseitig über die Schulter, nutzt die Abende für Gespräche, beschäftigt sich mit dem Werk von Seitz. Interessierte können den Künstlern über die Schulter schauen und die kleine Seitz-Ausstellung mit Torsos ansehen.

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