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Trotz des gestiegenen Jahresumsatzes in der Pferdebranche ist es mühsam, von einem Reiterhof zu leben

Viel Arbeit statt Gewinn

Glück vor Reichtum: Marita Fabian und ihre Familie haben sich mit dem eigenen Reiterhof vor 13 Jahren einen Traum erfüllt. Das große Geld verdienen sie damit allerdings nicht.
Glück vor Reichtum: Marita Fabian und ihre Familie haben sich mit dem eigenen Reiterhof vor 13 Jahren einen Traum erfüllt. Das große Geld verdienen sie damit allerdings nicht. © Foto: Fabian Bretzke
Anna Fastabend / 18.08.2016, 07:15 Uhr
Werbellin (MOZ) Mit dem Reitsport wird in Brandenburg mittlerweile viel Geld verdient. Die Pferdebranche erwirtschaftet laut des Verbandes Pro Agro einen Jahresumsatz von rund 200 Millionen Euro. Dennoch ist das Pferdegeschäft hart. Reich kann man nicht werden, doch vielleicht glücklich.

Marita Fabian und ihre Familie haben sich 2003 einen Traum erfüllt. Sie sind aus der hektischen Großstadt Berlin in die ländliche Idylle gezogen. Genauer gesagt in das 300 Seelen-Dorf Werbellin inmitten der Wald- und Seenlandschaft Schorfheide. Dort haben sie einen ehemaligen LPG-Hof mitsamt vieler Hektar Land gekauft und eigenhändig in den Reiterhof Werbellin umgewandelt. Seitdem ist viel passiert.

"Wir haben mit Reitsport angefangen, mittlerweile fahren wir mehrgleisig", berichtet Marita Fabian, ehemalige Grundschullehrerin, schlank, mit grünen Augen und blonden Haaren. So bietet die Familie Veranstaltungen wie einen Mittelaltermarkt, Pensionszimmer und eine Metstube an, in der es am Wochenende Honigwein und Lángos gibt. Denn "von einem Reiterhof allein kann man nicht leben", hat die 50-Jährige erfahren müssen. "Höchstens reich an Arbeit." Sie glaubt, dass nur der Geld verdient, der einen Hof in der Nähe der Hauptstadt besitzt und damit mehr Publikumsverkehr hat. Oder wer auf Massenabfertigung zu überteuerten Preisen setzt.

Statt ihr Angebot rund ums Pferd auszubauen, hat Familie Fabian sich daher vielmehr auf das für sie Wesentliche reduziert, berichtet die Reithofbesitzerin. "Seit diesem Jahr haben wir ausschließlich Angebote für Menschen, die bereits reiten können." Diese sind dazu eingeladen, mit ihren eigenen Pferden auf dem Hof Urlaub zu machen oder können mit den Pferden der Fabians mehrstündige Ausritte durch die Schorfheide unternehmen, mit einem erfahrenen Wanderführer an ihrer Seite.

Denn die Schorfheide hat viel zu bieten, was das stressgeplagte Reiterherz so begehrt: Natur, Abgeschiedenheit, Erholung. "Wir können uns acht Stunden lang durch den Wald bewegen, ohne auf jemanden zu treffen." In Brandenburg dürfen Reiter nämlich - anders als in vielen anderen Bundesländern - all jene zweispurigen Wege nutzen, die auch von Forstfahrzeugen befahren werden. Und obwohl brandenburgweit der Umsatz im Reitsportbereich steigt, hat Marita Fabian eine andere Erfahrung machen müssen. Vor allem im Kinder- und Jugendbereich. "Seit diesem Jahr bieten wir keinen Reitunterricht für Kinder und keine Reiterferien mehr an", berichtet sie. Dies hat vor allem einen Grund: Um wirklich qualifizierten Unterricht zu geben, könne sie sich nur auf einen oder höchstens zwei Schüler konzentrieren, erklärt sie. Diese Form des Unterrichts würde sich aber wirtschaftlich nicht rechnen. Und überteuerte Preise nehmen, wolle sie nicht.

Hinzu kommt, dass sich das Verhalten der Kinder über die Jahre geändert habe. "Heutzutage lässt die Begeisterung für Pferde und Reiten oft schon nach wenigen Minuten nach", hat sie beobachtet. Zum einen müsste Kindern alle paar Minuten etwas Neues angeboten werden, sonst würde ihnen schnell langweilig. Zum anderen wüssten viele nicht mehr, mit wie viel Arbeit der Reitsport verbunden ist. Wenn sie dann mitbekommen, dass das Pferd nicht gestriegelt und gesattelt vor ihnen stehe, verlieren sie die Lust. So habe sie schon des Öfteren - auch von Erwachsenen - gehört: "Ich putze doch nicht selbst." Dabei lerne man das Pferd nur dann richtig kennen, wenn man sich mit ihm beschäftigt, sagt sie.

Wen ihrer Gäste sie auf welches ihrer Pferde setzt, weiß Marita Fabian im Übrigen ganz genau. Sie habe eine gute Menschenkenntnis und könne einschätzen, wer vom Temperament und der Erfahrung her zusammenpasst, sagt sie.

Ihre Pferde leben das ganze Jahr über draußen in der Herde. Geritten werden sie im Westernstil mit langen Zügeln und langem Hals. "Wir legen viel Wert darauf, den Tieren ihre natürliche Lebensform zu lassen. Deshalb werden sie auch fast nie krank", erklärt Marita Fabian. "Im Gelände geben wir ihnen nur einmal ein Kommando und dann halten sie ihr Tempo, anstatt sie ständig zu treiben." Schließlich sollen sich Pferd und Reiter bei ihr wohlfühlen.

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Mond Goth 19.08.2016 - 17:48:54

Wahrheit

Man sollte nach Forschen vor Mann was veröffentlicht !

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