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Brandenburger Firma präsentiert verkehrstechnische Erfindung auf Eberswalder Betriebshof

Der dritte Draht macht's

Neues für den Obus: Manfred Deutzer und Sohn Frederic Deutzer zeigen BBG-Chef Frank Wruck ihre Erfindung (v. l.).
Neues für den Obus: Manfred Deutzer und Sohn Frederic Deutzer zeigen BBG-Chef Frank Wruck ihre Erfindung (v. l.). © Foto: Fabian Bretzke
Anna Fastabend / 23.08.2016, 21:00 Uhr
Eberswalde (MOZ) Der Verkehr soll umweltfreundlicher und preiswerter werden. Daran experimentieren nicht nur Konzerne. Auch die mittelständische Firma Deutzer forscht an Elektromobilität. Sie will das Fahren von Obussen revolutionieren. Ihre Innovation präsentiert sie in Eberswalde.

Wenn die pure Leidenschaft ein Garant für Erfolg ist, dann wird es Manfred Deutzer aus Zeuthen in jedem Fall schaffen. Ein Chemiker, der nach der Wende der Arbeitslosigkeit ein Schnippchen schlug, wie er bei dem Termin auf dem Betriebshof der Barnimer Busgesellschaft (BBG) berichtet. Stattdessen machte er sich 1993 selbstständig. Heute bietet die Firma Deutzer aus Dahme-Spreewald vor allem Messdienstleistungen für den öffentlichen Nahverkehr an.

Und zwar für die Oberleitung von Straßenbahnen und Obussen sowie die Stromschienen von U-Bahnen. Dabei prüfen der Senior, sein Sohn Frederic Deutzer und die Mitarbeiter mit verschiedenen Messtechniken, wie sehr die Infrastruktur durch den täglichen Gebrauch in Mitleidenschaft gezogen worden ist, und anderes. Da weltweit kaum Firmen derartige Dienstleistungen im Programm haben, reisen Deutzers Facharbeiter rund um die Welt. So messen sie in Australien, den USA und Afrika. Aber auch in Eberswalde überprüfen sie regelmäßig den Verschleiß des Fahrdrahts für den Obus der BBG.

Und nun hat sich die Brandenburger Firma die Waldstadt als Präsentationsort ihrer neuesten Erfindungen ausgewählt. Genauer gesagt den Betriebshof der BBG an der Heegermühler Straße. Einem von drei Standorten in Eberswalde, von dem aus das Oberleitungsnetz mit Strom versorgt wird. Manfred Deutzer will seinem Publikum dort die Entwicklung eines speziellen Stromabnehmers vorführen, der Verbindung zwischen Obus und Oberleitung. Zur nächsten Fachmesse für Verkehrstechnik, der Innotrans 2016. Von Deutzers Messestand 310 in der Halle 23B in Berlin geht es am 21. und 22. September jeweils um 12.30 Uhr nach Eberswalde.

Unter den Erfindungen, die "ich mir natürlich habe patentieren lassen", berichtet Manfred Deutzer, sei ein v-förmigen Stromabnehmer, der sich über einen dritten Draht automatisch mit der Oberleitung verbinden soll. Die Entwicklung dieses Produktes wird durch das Brandenburgische Wirtschaftsministerium und den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung gefördert.

Um zu verstehen, wozu ein modifizierter Stromabnehmer gut ist, muss man deren technischen Ist-Zustand kennen. Der Geschäftsführer der BBG, Frank Wruck, schildert diesen in Bezug auf die Eberswalder Obus-Flotte: "Momentan müssen die Fahrer anhalten und den Bus mithilfe eines Trichters mit der Oberleitung verbinden." Eine wie von Deutzer vorgesehene automatische Eindrahtung während des Fahrens sei natürlich eine Verbesserung, meint der BBG-Chef. Dann könne in den für den Verschleiß prädestinierten Kurven einfach kurz ausgedrahtet und auf die kostenintensive Kurvenkonstruktion verzichtet werden, berichtet der Erfinder.

Firma Deutzer hat große Pläne. Sie will durch das automatische Eindrahten nicht nur den gesamten öffentlichen Nahverkehr an die Oberleitung bringen, sondern auch mit Batterien ausgestattete Müllautos und Postwagen, die beim Fahren über das Stromnetz geladen werden und auf leitungsfreien Strecken im Batteriebetrieb laufen. Eine schöne Zukunftsaussicht. In Eberswalde fährt erst ein Obus mit Batterie. Der Rest mit einem Dieselaggregat.

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