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Kleebank setzt auf S-Bahn-Verlängerung

Spandaus Bürgermeister setzt auf die S-Bahn, nicht auf den Regionlaverkehr.
Spandaus Bürgermeister setzt auf die S-Bahn, nicht auf den Regionlaverkehr. © Foto: Rachner
Stephan Achilles / 24.08.2016, 08:31 Uhr
Falkensee/Spandau (MOZ) Der Wachstumsprozess in Spandau und dem Havelland macht neue Verkehrslösungen dringend erforderlich. Spandaus Bürgermeister Helmut Kleebank bezieht dazu am Dienstagnachmittag klar Stellung. Er setzt sich für eine Verlängerung der S-Bahn von Spandau über Falkensee bis nach Nauen ein. "Straßenverkehr und Regionalbahnen sind am Ende. Die S-Bahn ist die einzige Alternative", meint er.

Für eine Erweiterung des Regionalbahnverkehrs sieht Kleebank keine Chance. Selbst wenn ein zusätzliches Gleis für Regionalbahnen gebaut würde, wäre der daraus resultierende Zugverkehr vom Bahnhof Spandau nach Aussage der DB nicht mehr zu verkraften. Die S-Bahnsteige seien dagegen noch nicht ausgelastet. Falls nötig, würde der geplante Rückbau des Gebäudes der aufgegebenen Stadtbücherei zusätzlichen Platz nordwestlich des Bahnhofs schaffen.

Die Gleistrasse ist zumindest bis Falkensee vorhanden und weitgehend frei. Schließlich gab es bis zum Mauerbau 1961 neben den Fernbahngleisen eine S-Bahnstrecke nach Falkensee. Die Finanzierung des Wiederaufbaus der S-Bahnstrecken durch den Bund wurde im Einigungsvertrag von 1990 festgeschrieben. Weil es aber zu keiner Verständigung zwischen Berlin und Brandenburg kam, floss das Geld in andere Projekte. Damals war ein schneller Regionalbahnverkehr vom Umland direkt in die Berliner City die attraktivere Lösung.

Heute jedoch sind die Einwohnerzahlen und damit auch die Anzahl der Pendler ganz erheblich gestiegen. Laut Pendlerbericht Berlin-Brandenburg von 2012 fahren etwa 20.000 Personen täglich zur Arbeit aus dem Havelland nach Berlin. Rund 5.000 machen sich auf den entgegengesetzten Weg zu einer Arbeitsstelle im Umland. Eine Prognose für das Jahr 2030 rechnet mit etwa 32.000 Fahrgastfahrten zwischen Albrechtshof und Spandau.

Schon jetzt sind die vier, stündlich zwischen Falkensee und Spandau verkehrenden Züge im morgendlichen Berufsverkehr hoffnungslos überfüllt. Besonderes Gedrängel herrscht in den Zügen der Linien RB10 und RB14, die als einzige auch an Stationen wie Brieselang, Finkenkrug, Seegefeld und Albrechtshof halten. Einen dichteren RE-Verkehr lehnt die DB jedoch wegen der Auslastung des Spandauer Bahnhofs und der Gleise in die Innenstadt ab. "Für Spandau ist die S-Bahnverlängerung ein wichtiges Thema", betont Helmut Kleebank. Alternativen, wie die Streckenführung entlang der sogenannten Bötzowbahn, über das Falkenhagener Feld in Richtung Johannesstift oder eine Verlängerung nur bis Albrechtshof seien vom Tisch.

Während die erstgenannte Variante eine Anbindung von Brieselang und Nauen sehr erschweren würde, wäre eine "Endstation Albrechthof" mit nicht zu vertretenden Straßenverkehrs- und Parkproblemen verbunden. Aus der Sicht des Spandauer Bürgermeisters gibt es in der Frage der S-Bahnverlängerung nach Falkensee und Nauen eine weitgehende Übereinstimmung in der Berliner Verwaltung. "Ich sehe keine politische Kraft dagegen", meint Kleebank.

Natürlich spielt dabei auch das Berliner Interesse an zwei neuen S-Bahnstationen zwischen den Bahnhöfen Albrechtshof und Berlin-Spandau eine Rolle. Die Chancen für den Anschub des S-Bahn-Projektes seien so gut wie nie zuvor "weil es keine Alternative gibt und auch Berlin jetzt die Notwendigkeit erkannt hat".

Hinsichtlich des Straßenverkehrs sieht Helmut Kleebank durchaus Möglichkeiten für einen Anschluss des Brunsbütteler Damms an die Landesstraße L20. Damit könnte zwischen der B5 und dem Seegefelder Weg eine zusätzliche Straßenverbindung von und nach Berlin geschaffen werden. Bisher endet der Brunsbütteler Damm als vierspurige Sackgasse östlich des Solarparks. Weniger als 700 m fehlen bis zur L20. Eine freigehaltene Schneise durch die Solaranlage würde sogar eine kurzfristige Lösung erlauben. Langfristig wäre die Berliner Stadtgüter GmbH zu einer Kündigung des Vertrags mit dem Solarpark bereit. Das Areal könnte dann in ein Gewerbegebiet mit lukrativen Gewerbesteuereinnahmen für Dallgow umgewandelt werden. Für den Straßenbau wären Wirtschaftsfördermittel aus der Gewerbeförderung einsetzbar, schlägt Kleebaum vor.

In Anbetracht der aktuellen Verkehrsprobleme und der prognostizierten Pendlerzahlen müssen dringend neue Lösungen gefunden werden. Für die unmittelbar bevorstehende Situation, mit erheblichen Verkehrsbehinderungen durch gleichzeitige, langfristige Bauarbeiten an den drei vorhandenen Straßenverbindungen zwischen Falkensee und Spandau dürften sie jedoch alle zu spät kommen.

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