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Ehemaliger Pfarrer Hans-Dieter Winkler erhält Bundesverdienstorden im Paul-Wunderlich-Haus

Wegbereiter der Demokratie

Erfreut: Der ehemalige Pfarrer Hans-Dieter-Winkler (l.) erhält den Bundesverdienstorden. Landrat Bodo Ihrke übergibt die Auszeichnung stellvertretend für den Bundespräsidenten.
Erfreut: Der ehemalige Pfarrer Hans-Dieter-Winkler (l.) erhält den Bundesverdienstorden. Landrat Bodo Ihrke übergibt die Auszeichnung stellvertretend für den Bundespräsidenten. © Foto: Andreas Gora
Anna Fastabend / 28.08.2016, 20:25 Uhr
Eberswalde (MOZ) Für sein lebenslanges demokratisches Engagement ist der Pfarrer im Ruhestand Hans-Dieter Winkler mit dem Bundesverdienstorden ausgezeichnet worden. Landrat Bodo Ihrke übergibt die Auszeichnung im Beisein geladener Gäste. Stellvertretend für den Bundespräsidenten.

Als ihm am Sonnabend der Bundesverdienstorden angesteckt wird, ist Hans-Dieter Winkler gerührt. Landrat Bodo Ihrke gratuliert, Fotoapparate blitzen, Familienmitglieder und Wegbegleiter spenden Applaus. Dann tritt der 81-Jährige ans Rednerpult und hält im Saal des Paul-Wunderlich-Hauses in wenigen, klaren Sätzen eine bewegende Rede.

Doch zuvor sprechen andere über das Lebenswerk des Kirchenmannes, der sich bis heute für gelebte Demokratie, ein friedliches Miteinander und soziale Gerechtigkeit einsetzt. Von 1977 bis 1997 als Pfarrer der Evangelischen Zachäus-Gemeinde in Berlin-Prenzlauer Berg, nach der Pensionierung in Chorin.

Ihrke erinnert an Winklers Aktivitäten vor der Wende. Seinem Einsatz sei es zu verdanken, dass sich die Menschen, die damals auf legalem Weg die DDR verlassen wollen, im Gemeindehaus treffen und bei der Auseinandersetzung mit den Behörden unterstützen können.

Nach dem Mauerfall bleibt Winkler aktiv. "Durch Ihre mutige Form der Berufsausübung haben Sie dazu beigetragen, dass aus der friedlichen Revolution 1989 ein friedlicher Umbruch wurde", hebt Landrat Ihrke hervor. So gründet Winkler zunächst den "Runden Tisch Prenzlauer Berg" mit und moderiert die Zusammenkünfte der verschiedenen Parteien. Die Treffen sollen demokratische Strukturen an der Basis etablieren. Der Runde Tisch verschafft damals allen Interessensgruppen zu örtlich relevanten Themen Gehör und hat direkte Auswirkungen auf die Bezirkspolitik.

Ein Thema, das besonders für Zündstoff sorgt, sind die rund 60 besetzten Häuser im Bezirk. Während der chaotischen Zustände des politischen Umbruchs sind Hausbesetzer in die verlassenen Gebäude gezogen. Winkler, dessen Grundsatz es ist, "leer stehende Häuser sollen lieber genutzt werden, als zu verfallen", holt die Streitparteien an den "Runden Tisch Instandbesetzung". Unter seiner Leitung handeln dort sieben Jahre lang Politiker, Hausbesetzer und Eigentümer Kompromisse aus. Die reichen von der Unterzeichnung eines Mietvertrags bis zum friedlichen Auszug.

Winkler ist dabei, als einmal das Prokuristenbüro der Wohnungsbaugesellschaft besetzt wird, um diesen "zum Dialog zu nötigen", erinnert sich Wegbegleiter Siegfried Zoels. Auch die friedliche Räumung der Kollwitzstraße 89, die dank der Besetzung nicht zum Hotel wird, sei zu großen Teilen sein Verdienst. Zoels, selbst stellvertretender Leiter des Runden Tisches, hat Winkler für die Auszeichnung vorgeschlagen.

Nach seinem Umzug nach Chorin bleibt Winkler gesellschaftlich engagiert. Als Mitorganisator der Wählergruppe Konstruktive Kommunalpolitik "Koko" und als Vorsitzender des Chorin-Vereins zur Ortsgeschichte. "Wir müssen wach bleiben. Wach sein. Genau hinhören, hinsehen und dort helfen, wo es Probleme gibt", betont der Ausgezeichnete. Der Vater von vier Kindern dankt seiner Ehefrau Christa Winkler und allen anderen, die ihn unterstützen.

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