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Metamorphosen des Körpers

Torsi in Holz: Mattej Frank hat elf Holzfiguren aus Leisten geschaffen.
Torsi in Holz: Mattej Frank hat elf Holzfiguren aus Leisten geschaffen. © Foto: Johann Müller
Doris Steinkraus / 30.08.2016, 06:27 Uhr
Trebnitz (MOZ) Zum zweiten Mal hat die in Hamburg ansässige Gustav Seitz Stiftung im Zusammenwirken mit Schloss Trebnitz ein Bildhauerpleinair durchgeführt. Am Sonntag präsentierten die sechs Teilnehmer ihre Arbeiten.

Elf lebensgroße Figuren aus Holz stimmen die Besucher am Weg zur Alten Schmiede ein.Mattej Frank hat sie aus Holzleisten geformt. Der junge Bildhauer aus Breslau hat sich für eine besondere Form des Weglassens entschieden. In der zweiten Auflage des Seitz-Pleinairs stand der Torso im Vordergrund. Jene Kunstform, die davon lebt, nur Teile des menschlichen Körpers zu zeigen. Durch Franks Menschen kann man hindurchschauen, sie scheinen gleich und sind doch verschieden. Je nach Lichtfall bewegen sich die Holz-Figuren, werfen Schatten, so wie auch der davor stehende Betrachter.

Der Torso steht für Unfertigkeit, verlangt nach eigener Interpretation. "Das eine Fragment muss die ganze Aussagekraft des Kunstwerkes tragen", macht die Kuratorin Berenika Partum bei der Präsentation in der Alten Schmiede deutlich. Gustav Seitz, der zwischen Ost und West wandelnde renommierte Bildhauer mit solch bekannten Werken wie dem Käthe-Kollwitz-Denkmal in Berlin - hat diese Kunstform meisterlich beherrscht. Im Pleinair sei es darum gegangen, deutlich zu machen, wie sich Sichten, Haltungen und Interpretationen seit Seitz verändert haben, erläutert die Kuratorin. Ungewöhnlich und beeindruckend ist der Metall-Torso von Mateusz Sikora. Er strahlt Bewegung und Kraft aus, die man bei diesem Material kaum vermutet.

"Wir haben eine gute Wahl getroffen", sieht es Landrat Gernot Schmidt. Er war einer der Jurymitglieder, die entscheiden mussten, wer von den mehr als 70 Bewerbern eingeladen wird. Er freue sich vor allem über den Hintergrund des Pleinairs. In Trebnitz soll im alten Waschhaus ein Gustav-Seitz-Zentrum entstehen. Der Verein hat für die Sanierung Fördermittel erhalten. Noch wird das Gebäude kaum wahrgenommen. Vier Garagenbauten aus DDR-Zeiten verdecken es. Jetzt werden sie abgerissen, wird der Blick frei auf den Klinkerbau. Im Vorgriff auf den geplanten Umzug des gesamten Nachlasses von Gustav Seitz von Hamburg ins Oderland war vor zwei Jahren das erste Pleinair veranstaltet und der Gustav-Seitz-Preis verliehen worden. Gleichzeitig wurde in der Remise ein Ausstellungsraum mit Arbeiten des Bildhauers eingerichtet. "Mit dieser Ausrichtung schafft Trebnitz einen neuen kulturellen Leuchtturm über den Landkreis hinaus", würdigt Schmidt.

Bernd Schälicke, Vorsitzender der Seitz-Stiftung sieht das kulturhistorische Erbe im Verein Schloss Trebnitz in guten Händen. Schon jetzt würde über die Ausstellung und das Pleinair der Auftrag der Stiftung hervorragend umgesetzt. Die Kunst steht nicht für sich. Die jungen Teilnehmer der Projekte des Schlosses beschäftigen sich mit den Kunstwerken. Beim Pleinair schauten mehrere Gruppen den Künstlern über die Schulter. Und erlebten die Methamorphosen der menschlichen Körper in den Werken. Den Gustav-Seitz-Preis 2016 überreicht Schälicke an Ralf Ehmann aus Tübingen.

Bis zum 11. September können alle Arbeiten sowie die das Pleinair ergänzende Ausstellung mit Torso-Arbeiten von Seitz vor Ort besichtigt werden.

Pleinair-Teilnehmer: Malgozata Kopczynka, Mattej Frank, Mateusz Sikora (alle aus Polen), Christin Müller, Rainer Kulka, Ralf Ehmann (Preisträger)

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