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Brecht gibt Ton an

Mandy Timm / 31.08.2016, 07:05 Uhr
Bad Freienwalde (MOZ) Wer das Horst-Wessel-Lied anstimmt oder abspielt, muss in Deutschland mit einer empfindlichen Strafe rechnen. Das Nazi-Marschlied, das nach dem Tod des SA-Sturmführers zur NSDAP-Parteihymne erkoren wurde, ist verboten, so hat es der Alliierte Kontrollrat bereits 1945 beschlossen. Und so gilt es bis heute.

Nicht verboten ist die wohl bekannteste Parodie auf das Deutschlandlied, die Bertolt Brecht für sein Bühnenstück "Schweyk im Zweiten Weltkrieg" schrieb: der Kälbermarsch. Dieser Kälbermarsch wird am 15. September im Bad Freienwalder Brecht-Gymnasium gesungen, von Schülern und ihrem Dozenten Torsten Riemann. Aber nicht nur dieses Lied wird zu hören sein. An dem Abend, der in der Aula um 19 Uhr beginnt, stimmen die jungen Leute ein in eine Woche, die die Partei die Linke jedes Jahr feiert, nämlich die Friedenswoche. Im Rahmen dieser Friedenswoche gibt es etliche Veranstaltungen in unterschiedlichen Orten in Märkisch-Oderland. "Brecht und andere über Krieg und FRIEDEN", so lautete der Titel, den die Gymnasiasten ihrem Termin gaben, reiht sich da ein.

Geprobt wird für den Abend seit einigen Wochen. Die Schüler waren da noch in der 9. Klasse. Nächste Woche besuchen sie bereits die 10. Klasse. Dass der Sänger, Musiker und Wahl-Bad Freienwalder Torsten Riemann ohne zu zögern zusagte und als künstlerischer Leiter mit den Schülern den Abend erarbeitet, freut einen ganz besonders: Marco Büchel, Schirmherr der Veranstaltung und Linke-Landtagsabgeordneter in Brandenburg. Gefördert wird das Programm von seinem Kreisverband. "Das wird eine tolle Veranstaltung", ist Büchel überzeugt. "Gerade im Hinblick auf die derzeitige politische Weltlage könnte das Thema kaum aktueller sein."

Riemann unterdessen lobte im Vorfeld seine Schüler in den höchsten Tönen. "Sie sind super, spitze, knorke", sagte er. Die Mädchen und Jungen hätten vielmehr Vorschläge eingebracht, als sich am Ende umsetzen ließen. "Sie sind mutig, fröhlich, wach und trauen sich etwas zu. Das gefällt mir." Es wird am 15. September beim musikalisch-literarischen Spektakel deshalb nicht nur um den Dichter Brecht gehen. Krieg und mehr noch Frieden seien die großen Themen des Abends. Auch Lieder von Udo Lindenberg werden die Schüler singen, von Wolf Biermann und eigene Vorschläge, die "wie die Faust aufs Auge passen", kündigt Riemann an.

Ein ganz besonderer Gast wird an dem Abend außerdem erwartet, Schauspieler Werner Riemann, der Vater von Torsten Riemann. Er, inzwischen 82 Jahre, kannte Brecht noch persönlich, gehört seit 1956 zum Berliner Ensemble und führt Gäste noch heute durch die heiligen Hallen, bei zweieinhalbstündigen Führungen.

Christian Wallmann, stellvertretender Leiter des Brecht-Gymnasiums, meinte, die Schule hat das Angebot der Linken gern angenommen. "Vor allem weil wir sonst etliche Brecht-Projekte, -Abende, -Veranstaltungen an der Schule hatten, die zuletzt aber etwas eingeschlafen sind." Dass ein renommierter Künstler wie Riemann neben Lehrerin Gabriele Voß das Vorhaben begleitet, freue ihn besonders. "Weil die Schüler ganz anders motiviert sind, als wenn sie ausschließlich mit Lehrern zusammenarbeiten."

Rund 150 Einladungen hat Joachim Fiedler, Ortsvorsitzender der Bad Freienwalder Linken, mittlerweile verschickt. "Eingeladen ist aber jeder Bad Freienwalder und Oderländer", betont Fiedler.

"...Der Schoß ist fruchtbar noch, aus dem dies kroch!" Brecht und andere über Krieg und FRIEDEN am 15. September, 19 Uhr, Bertold-Brecht-Gymnasium Bad Freienwalde; der Eintritt ist frei

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