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Babyboom bei der Feuerwehr

Die Freiwillige Feuerwehr der Clara-Zetkin-Siedlung könnte eine Spielgruppe aufmachen, so viele Kinder haben die Brandschützer mittlerweile bekommen.
Die Freiwillige Feuerwehr der Clara-Zetkin-Siedlung könnte eine Spielgruppe aufmachen, so viele Kinder haben die Brandschützer mittlerweile bekommen. © Foto: Andreas Gora
Anna Fastabend / 01.09.2016, 08:00 Uhr
Eberswalde (MOZ) Die Freiwillige Feuerwehr der Clara-Zetkin-Siedlung gibt ihr Bestes, dass die Feuerwehr nicht ausstirbt. Innerhalb kurzer Zeit wurden vier Babys geboren. Doch auch über neue jugendliche und erwachsene Mitstreiter freut sich das Team. Im Land fehlt es an Einsatzkräften.

Vor dem Haus der Freiwilligen Feuerwehr parken mehr Kinderwagen als Feuerwehrautos. Auf dem Gelände geht es zu wie auf einem Pausenhof. Etliche Mädchen und Jungen wuseln herum. Auf den Armen der Mütter und Väter sitzen die Säuglinge. "Wir kümmern uns selbst um den Nachwuchs", sagt Ronny Weiß (38) zum Babyboom der jüngsten Zeit unter den Feuerwehrleuten der Clara-Zetkin-Siedlung. "Es war nicht viel los", sagt Anja Schemel (30) und grinst. "Wir hatten Langeweile."

So viele Kinder sind bei der niedrigen Geburtenrate ein ungewohnter Anblick. Die Einsatzkräfte der Clara-Zetkin-Siedlung widersetzen sich dem Trend. "Unsere vier Jüngsten sind alle unter einem halben Jahr", berichtet Anja Schemel. Dazu zwei Einjährige und die älteren Geschwister. Auf 16 Brandschützer kommen 28 Kinder, davon 15 Mädchen und 13 Jungen.

Darunter ist auch der neunjährige Tim, der Sohn von Ronny und Silvana Weiß, die beide in der Freiwilligen Feuerwehr aktiv sind. Die Leidenschaft für das Hobby haben sie an ihren Sohn weitergegeben. Auch Tim übt bereits fleißig das Ausrollen von Schläuchen und das Feuerlöschen. Bisher ist er das einzige Kind in der Clara-Zetkin-Siedlung, das in der Jugendfeuerwehr aktiv ist.

Wenn es nach der vierjährigen Larissa, der Tochter von Anja Schemel ginge, würde sich das sofort ändern. "Sie findet alles toll, was ihr Papa macht", sagt die Mutter. Klar. Das, was Feuerwehrmänner wie Papa Jens Gora erleben, klingt für Kinderohren aufregend.

Vielleicht besteht auch deshalb bei der Jugend kein Nachwuchsproblem. "Wir können uns nicht beklagen", berichtet Werner-Siegwart Schippel, der Präsident des Landesfeuerwehrverbandes Brandenburg. Seit mehreren Jahren bliebe die Mitgliederzahl ungefähr gleich, bei rund 12 000 Jugendlichen. Dabei sei die Teilnehmerquote im ländlichen Raum nicht schlechter als in den dicht besiedelten Gebieten. "Auf dem Land werden Traditionen verstärkt gepflegt", vermutet er und berichtet von Familien, in denen schon Vater und Großvater dabei waren.

Doch wie passt dieses positive Bild mit dem Nachwuchsmangel im Erwachsenenbereich zusammen? Die Zahlen, die Präsident Schippel präsentiert, sind besorgniserregend: So gab es in Brandenburg um die Jahrtausendwende noch 48 000 aktive Kräfte in der Berufsfeuerwehr und bei den Freiwilligen Feuerwehren. 2016 sind es etwa 8700 Einsatzkräfte weniger. "In den nächsten Jahren rechnen wir mit einer weiteren Verringerung von rund 5000 Leuten."

So muss der Nachwuchs geworben, gehegt und gepflegt werden. Denn viele der Einsatzkräfte in der Berufsfeuerwehr machen ihre ersten Erfahrungen bei der Freiwilligen Feuerwehr. Und die ist in Deutschland bei Waldbränden oder Autounfällen nicht wegzudenken. "In Brandenburg werden die Einsätze zu 96 Prozent von Ehrenamtlichen abgedeckt", berichtet der Präsident des Landesfeuerwehrverbandes.

Doch nicht alle Jugendlichen schaffen den Schritt in die Erwachsenenabteilung, berichtet Schippel. Warum dies so ist, danach "sind wir noch auf der Suche". Ein Grund aber sei offensichtlich. Bei vielen jungen Menschen komme der Bruch mit der Ausbildung oder dem Studium. An den Schulabgängern aber sollten die Ortswehren dranbleiben. "Wir müssen den Kontakt halten. Viele kommen später in ihre Heimat zurück", sagt der Präsident des Landesfeuerwehrverbandes.

Die vier Säuglinge in der Clara-Zetkin-Siedlung könnten übrigens rein theoretisch schon richtige Mitglieder in der Freiwilligen Feuerwehr sein. Im Brand- und Katastrophenschutzgesetz des Landes gibt es keine Altersbeschränkung, weiß Schippel. Dennoch ist die Praxis eine andere, erklärt Feuerwehrmann Ronny Weiß. "Bei uns geht es erst mit acht Jahren richtig los." Ab 16 Jahre dürfen Jugendliche dann in den Erwachsenenbereich wechseln und auf richtige Einsätze mitfahren.

Dass es Spaß macht, bei der Feuerwehr zu sein, berichten alle Beteiligten. "Dort lernt man soziale Kompetenzen und Verantwortung zu übernehmen" sagt Schippel. Die Tätigkeit sei abwechslungsreich und technisch hochinteressant. "Wir freuen uns über jeden, der bei uns einsteigen möchte", betont Ronny Weiß von der Eberswalder Freiwilligen Feuerwehr.

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