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Computerspiele im Unterricht

Andreas Hedrich (r.) von der Universität Hamburg vermittelt den Teilnehmern des zweiten Barnimer Medientages das kreative Potenzial von Computerspielen im Unterricht.
Andreas Hedrich (r.) von der Universität Hamburg vermittelt den Teilnehmern des zweiten Barnimer Medientages das kreative Potenzial von Computerspielen im Unterricht. © Foto: Andreas Gora
Anna Fastabend / 02.09.2016, 08:00 Uhr
Eberswalde (MOZ) Der digitale Wandel macht auch vor dem Klassenzimmer nicht halt. Ab dem Lehrjahr 2017/18 sind alle Schulen des Landes verpflichtet, ihr eigenes Medienkonzept zu erstellen. Beim 2. Barnimer Medientag bilden sich mehr als 100 Lehrer zum Umgang mit der digitalen Welt weiter.

Sie bewegen die gestreckten Arme vor und zurück. Dann tun sie so, als wären sie Marionetten der Augsburger Puppenkiste. Die mehr als 100 Lehrer von Barnimer Grundschulen, Oberschulen und Gymnasien machen im Medienzentrum bereitwillig mit, was ein überlebensgroßer animierter Frosch auf der Leinwand vormacht.

Der Fitness-Frosch ist die Geschäftsidee einer Berliner Firma, die Bewegungsübungen für Bildungseinrichtungen und Firmen vermarktet. Ihr Gründer, Thomas Reformat, hält eines der Impulsreferate am Donnerstag.

Beim 2. Medientag der Barnimer Bildungsinitiative soll das fortgesetzt werden, was 2012 begonnen worden ist, erklärt Landrat Bodo Ihrke (SPD). Vor vier Jahren war das Medienzentrum in Finow eröffnet und zuvor die Schulen mit 789 Interaktiven Whiteboards ausgestattet worden. Der Landkreis bietet seinen Schulen eine Lernplattform mit kostenlosem Unterrichtsmaterial und eine Organisationsplattform zur digitalen Kommunikation an.

"Bei der Fortbildung geht es darum, wie digitale Medien im Unterricht eingesetzt werden können und wo ihre Grenzen liegen", fasst Ihrke zusammen. Dies sollen die Teilnehmer durch vier Impulsreferate und sieben Workshops zu Themen wie freie Lernmaterialien im Internet und Computerspiele im Unterricht erfahren.

Über die rechtlichen Grenzen spricht Rechtsanwältin Anna Rehfeldt aus Berlin. Von ihr hören die Lehrer, was sie alles nicht dürfen, wenn sie digitale Medien in der Schule nutzen. "Privat ist fast alles erlaubt, öffentlich deutlich weniger", sagt sie zum Thema Urheber- und Nutzungsrechte. Als öffentlich gelte bereits ein kursübergreifender Einsatz.

Ein weiteres rechtliches Detail: "Jeder Lehrer darf während des Schuljahres nur 20 Seiten eines Lehrbuchs pro Klasse einscannen." Auch bei der digitalen Verwendung von gemalten oder gezeichneten Bildern sei Vorsicht geboten. "Die Schüler sind die Urheber. Sind sie minderjährig, müssen die Eltern zustimmen", sagt Rechtsanwältin Rehfeldt.

An den verpflichtenden Einsatz der digitalen Medien ab dem Lehrjahr 2017/18 erinnert Medienpädagoge Julian Kulasza aus Berlin. "Wie Sie wissen, müssen Sie das Basiscurriculum Medienbildung umsetzen und an Ihren Schulen ein eigenes Konzept aufstellen."

Online-Werkzeuge wie die Lernplattform Barnim oder andere böten mehr Kreativität in der Lehre, verspricht er. "Die Voraussetzung ist aber, dass Sie die Medienwelt ihrer Schüler kennen." Diese würden zum Beispiel bei einer Frage längst die Videoplattform Youtube aufrufen. "Dort zeigen Tutorials, wie ein Fahrrad repariert oder ein Kuchen gebacken wird."

Dass zu viel Zeit mit dem Smartphone oder am Computer schädlich sei, betont Vinzent Schimming. Laut dem Strausberger Suchtberater gibt es in Deutschland etwa eine Million Onlinesüchtige, die in Extremfällen nur noch in der Parallelwelt Internet unterwegs sind. Deshalb plädiert er dafür, dass Medienkompetenz über das technische Knowhow hinaus vor allem die Hinterfragung der Nutzung ist. "Schüler müssen den selbstbestimmten Umgang erst lernen." Er empfiehlt, dass Jugendliche ab 14 Jahren maximal anderthalb Stunden im Internet surfen und ein Computer erst ab zwölf Jahre im Zimmer steht.

Damit spricht er einigen Lehrern aus dem Herzen. Als während eines Vortrags berichtet wird, dass Schüler und Lehrer mittlerweile auch schon über den Nachrichtendienst WhatsApp verbunden sind, kommt Widerspruch aus dem Publikum."Ich möchte darauf aufmerksam machen, dass die ständige Erreichbarkeit viel Stress für alle Beteiligten bedeutet", sagt eine Teilnehmerin.

Deutschlehrerin Beate Berghahn von der Freien Gesamtschule Finow findet, dass bei der digitalen Überflutung die alten Medien wie Bücher und Karten nicht vergessen werden dürfen. "Ich kenne Neuntklässler, die nicht wissen, wie sie im Wörterbuch nachschlagen, weil sie das Alphabet nicht mehr können." Das findet sie bedenklich.

Doch auch positive Stimmen sind zu hören. Der Geografielehrer Daniel Dost vom Paulus Praetorius Gymnasium in Bernau empfindet vieles als Bereicherung. So nutzt er beispielsweise gerne den digitalen Kartenanbieter Google Earth, der den Erdkundeunterricht anschaulicher mache. Und Englischlehrerin Sylvia Sturm vom Gymnasium Finow blendet über ihre interaktive Tafel schon mal das Musikvideo zu "Ich war noch niemals in New York" ein. "Das fetzt doch viel mehr", sagt sie.

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