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Der Schalk, die Diven und der Entertainer

Ein Glas Sekt zum Abschluss: Erst nach vier Zugaben war der unterhaltsame Konzertabend zu Ende.
Ein Glas Sekt zum Abschluss: Erst nach vier Zugaben war der unterhaltsame Konzertabend zu Ende. © Foto: Eva Eismann
Eva Eismann / 05.09.2016, 07:00 Uhr
Velten (HGA) Ihr Glas Sekt zum Abschluss haben sich die Sänger am Samstagabend beim zweiten Open-Air-Konzert des Rotaryclubs Hennigsdorf-Oranienburg verdient. Vor der farbig erstrahlenden Kulisse der Ofenfabrik haben sie dem Publikum drei Stunden lang beste musikalische Unterhaltung auf hohem Niveau geboten.

Schon beim dritten Stück klatschen die ersten Zuhörer mit. Fröhlich, lebendig und voll Energie setzt das Orchester den Weibermarsch aus Franz Lehárs Operette "Die lustige Witwe" um, und das Kopfwippen von Dirigent Ronny Heinrich ist ansteckend. Lehár ist in dem abwechslungsreichen Programm überhaupt stark vertreten: Als wollte sie das Heben eines Vorhangs begleiten, eröffnet die Fanfare seines Walzers "Gold und Silber" den Abend. Sopran Birgit Pehnert tänzelt zu "Hör ich Cymbalklänge" aus der Operette "Zigeunerliebe" über die Bühne, betont den finalen Gesangsschnörkel mit einem wie ein Ausrufezeichen in die Luft gestreckten Arm. Und zu "Niemand liebt dich so wie ich" und "Lippen schweigen" umflirtet Peter Renz sie mit Schalk in den Augen und einem wunderbar spielerischen Handkuss.

Der Berliner Kammersänger erschafft über mehrere Stücke hinweg die Figur eines unverbesserlichen Charmeurs, der die Augen von den schönen Frauen nicht lassen kann ("Ganz ohne Weiber geht die Chose nicht" aus "Die Csárdásfürstin", "Komm mit nach Varasdin!" aus "Gräfin Mariza", beide von Emmerich Kálmán). Nie nimmt er sich dabei jedoch so ernst, dass seine gesungenen Schmeicheleien unsympathisch wirken würden. Und seine gutmütige Art befreit auch ein Loblied auf die junge Liebe von jedem Ansatz von Kitsch.

Renz' rollende Rs und die rote Bauchbinde im zweiten Teil des Abends scheinen fast gezielt darauf abgestimmt, vom "Frühling im Mondschein im Prater in Wien" (Robert Stolz) zu singen.

Den leidenschaftlichen Südländer verkörpert dagegen Eric Fennell, der voll Inbrunst die klassische Turandot-Tenor-Arie oder "O sole mio" auf Italienisch zelebriert, dann für Agustín Laras "Granada" zum Spanischen wechselt. Aber auch deutsche Texte beherrscht der US-Amerikaner, wie er in Robert Stolz' Duett "Wenn die kleinen Veilchen blühen" aus dem gleichnamigen Singspiel beweist.

Divenhaft spielt Birgit Pehnert mit ihrer Stola, während sie als Elisabeth aus dem gleichnamigen Musical verkündet: "Ich gehör' nur mir". Besonders in den höheren Lagen scheint sie sich wohlzufühlen und bleibt bei aller Stimmmodulation gut verständlich.

Wie wenig sie dagegen selbst zu Hochmut neigt, beweist die Sängerin beim letzten regulären Stück: Zum Trinklied  "Libiamo" aus Guiseppe Verdis Oper "La Traviata" haben sich die Solisten je mit einem Glas Sekt ausstaffiert. Pehnert drückt ihres kurzerhand ihrem Nebenmann in die Hand, um dem langen Fennell noch während des Singens sein Mikrofon auf die richtige Höhe zu schrauben.

Das ganze Stück gestaltet sich erfrischend spontan, als Ronny Heinrich seine Musiker alleine weiterspielen lässt und erst mit der angebrochenen Sektflasche auf die Bühne zurückkehrt. Er ist es auch, der während des ganzen Abends die stärksten Reaktionen aus dem Publikum herauslockt: Zu Dmitri Schostakowitschs Walzer Nr. 2 aus der Suite für Varieté-Orchester bewegen sich die ersten Köpfe. Die "gesangliche Unterstützung", die er sich zum Lied der Capri-Fischer gewünscht hat, bleibt zwar zunächst ein Raunen, flaut nach einem starken "Bella, bella, bella Marie" schnell wieder ab. Aber schon seine Ankündigung eines Glenn-Miller-Medleys wird mit einem erfreuten Raunen bedacht. Und zu "Die kleine Kneipe" schunkeln knapp 500 Zuhörer mit und stimmen in den Refrain ein. "Sag ich doch!", freut sich der Maestro. Unter vier Zugaben lässt er das begeisterte Publikum nicht nach Hause gehen und kündigt schon jetzt eine Wiederholung an. "Ich glaube, Sie geben mir Recht: Das muss eine Tradition werden." Dafür ist auch Rotary-Präsident Sven Birk offen. Dank der Eintrittsgelder habe der Club seine Spendengelder für die Jugendarbeit vor Ort verdoppeln können. Zwei Schecks über je 1 000 Euro wurden vor dem Konzert an den Feuerwehr-Förderverein Florian und den SC Oberhavel Velten überreicht. Birk verspricht: "Wir haben fest vor, das fortzusetzen."

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