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Arbeiten im Heidenreich

Bernd Heidenreich vor seinem Heidenreich
Bernd Heidenreich vor seinem Heidenreich © Foto: Andreas Gora
Viola Petersson / 07.09.2016, 08:00 Uhr
Eberswalde (MOZ) Leben im Heidenreich - unter diesem Slogan hat Bernd Heidenreich vor einigen Jahren ein mitwachsendes, wandelbares Haus entwickelt. Der Bauingenieur wohnt selbst in solch einem Eigenheim. Und jetzt arbeitet er auch im "Heidenreich".

Mauerstraße 8 in der Eberswalder Altstadt - die neue Anschrift des Ingenieurbüros Heidenreich. Die Firmenadresse ist gewissermaßen seine Visitenkarte in 3D. Werbung in eigener Sache. Vor wenigen Wochen erst hat Bernd Heidenreich das Domizil - mit der markanten Glaspyramide - am Rande des Sanierungsgebiets bezogen. Schon während der Bauphase zog das ungewöhnliche Vorhaben neugierige Blicke auf sich. Und auch jetzt würden immer wieder Passanten anhalten und schauen, bestätigt der Herr des Zukunftshauses.

Im Sommer 2015 hatte Bernd Heidenreich das Grundstück von der Stadt erworben. Um dort seinen neuen Bürositz zu errichten. Nach eigenen Plänen, in dem von ihm entwickelten Haustyp "Leben im Heidenreich". Das Projekt, laut Heidenreich inzwischen in den USA und in Mexiko patentiert, sei so flexibel, dass es verschiedenen Bedürfnissen und Nutzungen angepasst werden kann. Der Prototyp steht in Sandkrug, wo der Bauingenieur seit 2009 mit seiner Familie wohnt. Drei weitere Häuser folgten: ein Wohnhaus in Dobberzin, die Produktionshalle für "Leben im Heidenreich" in Angermünde sowie ein Erweiterungsbau für das Hotel Weiss in Angermünde. Das Bürohaus an der Mauerstraße sei das fünfte Haus dieser Art.

"Die Lage ist einfach top", sagt der Wahl-Barnimer. "Du bist in zwei Minuten am Markt, wo wir bislang saßen. Und trotzdem ist es hier sehr ruhig." Gleichwohl hatte der Standort seine Tücken, war eine Herausforderung. "Der Baugrund ist schwierig." Torf stehe an. Zudem seien die Wasserverhältnisse kompliziert. Deshalb seien für den Neubau eine Pfahlgründung sowie eine wasserundurchlässige Stahlbetonplatte nötig gewesen. "Insgesamt kommen wir mit dem Bau 20 bis 30 Zentimeter höher raus als sonst", erklärt der Fachmann. Einige Restarbeiten stehen zwar noch aus. Doch der Umzug konnte nach nur etwa sechsmonatiger Bauzeit bereits realisiert werden. Die Elemente für das Doppelhaus - neben dem Büro Heidenreich zog auch das Ingenieurbüro Norbert Popper an die Mauerstraße - wurden im Werk Angermünde gefertigt.

Abgeschlossen ist die Entwicklung des Standortes damit aber nicht. Auf dem Grundstück an der Mauer-/Ecke Kreuzstraße will Heidenreich noch ein Stadthaus errichten. "Über zwei Geschosse mit Dachterrasse", kündigt der Unternehmer an. "Das Konzept steht. In den nächsten Wochen werden wir den Bauantrag stellen." Die dortigen Wohnungen sollen vermietet werden. "Dieses Projekt liegt uns sehr am Herzen", betont Heidenreich, der darin eine weitere Variante des "Leben im Heidenreich" sieht.

Ebenso wie in dem geplanten Kita-Neubau im Ökodorf Brodowin, das nach den Entwürfen Heidenreichs entstehen wird. Gerade für soziale Einrichtungen sei das Prinzip des mitwachsenden Hauses ideal, findet der "Erfinder". Die Idee der Dreiecksmodule, aus denen seine Häuser bestehen, ermögliche eine maximale Flexibilität bei sich veränderndem Bedarf. Die Größe könne problemlos und mit relativ geringem Aufwand entsprechend der Kapazität modifiziert werden. "Schlimmstenfalls könnten wir das Haus demontieren, auf einen Tieflader packen und an einen anderen Standort versetzen", sagt Heidenreich. "Denn wir mauern und betonieren nichts." Abgesehen von der Bodenplatte. Insofern sei "Leben im Heidenreich" eben sehr anpassungsfähig und ökologisch. Solarmodule ließen sich gut in die Fassade integrieren, auf dem Dach könne eine Photovoltaik-Anlage installiert werden.

Trotz des Baukasten-Systems, es bliebe ausreichend Raum für eine individuelle Gestaltung, versichert der Ingenieur mit Tüftler-Geist. Fassade geputzt oder verkleidet mit Holz, Atrium unter der Glaskuppel, Fenster, Türen nach Wunsch, nennt der Fachmann als Beispiele. Und er hat schon wieder neue Ideen, spricht von einer Innovation in der Küche.

2015 ging in Angermünde die Produktionshalle, wo die Hauselemente und Wände hergestellt werden, in Betrieb. Mit dem Büro an der Mauerstraße habe er sich nicht nur sein eigenes Reich geschaffen, jedes Reich sei auch ein Experiment und Weiterentwicklung, sagt der Mittfünfziger.

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