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Große Galerie auf Zeit

Viola Petersson / 11.09.2016, 19:20 Uhr
Eberswalde (MOZ) Es ist eine in vielerlei Hinsicht besondere Ausstellung: Mythos Europa. Antoinette zeigt 100 zum Teil großformatige Arbeiten, in denen sie sich mit dem Thema auseinandersetzt. Am Freitagabend war auf dem Energiecampus Vernissage - mit rotem Teppich und großem Bahnhof.

Riesige Ölbilder vor Wänden aus Grobspanplatten, eine auf dem Stier reitende Europa - farbenkräftig vor einem hölzernen Hintergrund, der ein wenig provisorisch anmutet. Ein gewöhnungsbedürftiger Anblick. Wie die Betrachter und die Künstlerin selbst, Antoinette, finden. Aber eine Symbiose, die "durchaus funktioniert". So jedenfalls das Urteil des Publikums bei der Vernissage am Freitagabend im Zentrum für erneuerbare Energien Hermann Scheer.

Für acht Wochen wird das Haus an der Brunnenstraße zur Großen Galerie, zur Temporären Kunsthalle, wie der Veranstalter sagt. Ein Ort, der erst gefunden werden musste (oder wollte). Denn für den Europa-Zyklus, gleichsam die erste Personal-Ausstellung Antoinettes in Eberswalde, und die Formate der Arbeiten ist die Kleine Galerie der Stadt zu klein. Viel zu klein.

So ungewöhnlich das Ambiente, so ungewöhnlich die Exposition selbst. "Mythos Europa - Woher wir kommen, wohin wir gehen" befasst sich mit einem höchst aktuellen Thema. Es geht um die Geschichte, die Gegenwart und die Zukunft eines Kontinents, auf dem die Demokratie entwickelt wurde. Europa, so drückt es Bürgermeister Friedhelm Boginski bei der Eröffnung aus, stehe für technischen Fortschritt, Kultur, Rechtsstaatlichkeit, für die Freiheit jedes Einzelnen. Es stehe aber auch für entsetzliches Unrecht. Es sei ein Ort, "von dem Kriege und unsägliches Leid ausgegangen sind, in dem Gewalt, Willkür und Ungerechtigkeit oftmals zu Hause waren", so das Eberswalder Stadtoberhaupt, "und deren Geister wir bis heute nicht von unserem Kontinent vertreiben konnten."

Seit mehr als 30 Jahren beschäftigt sich Antoinette mit all diesen Fragen, mit dem inneren Zustand des Kontinents und dem Bild, das er nach außen vermittelt. Die Malerin, Meisterschülerin bei Bernhard Heisig und Vertreterin der "Leipziger Schule", geht der Frage der europäischen Identität nach. Einer Frage, die mit Blick auf den Brexit, die Schuldenkrise oder den Flüchtlingszustrom, von großer Brisanz und eben Aktualität ist.

Antoinette liefert keine (fertigen) Antworten. Ihre Werke sind vielmehr als Denkanstöße, als ihre Sicht auf die Dinge zu verstehen. Sie taucht ein in die Mythologie, bedient sich bekannter und teils unbekannter, irritierender Symbole, stellt den Betrachter hier und da vor Rätsel. Weiß aber auch mit relativ klaren Botschaften wie im Zyklus "Schwimmen in Geld" zu überraschen.

Die monografische Schau, die Ölbilder, Acryl- und Pastellarbeiten ebenso wie Collagen, Zeichnungen und Skizzen vereint, zeigt einen Ausschnitt aus dem Schaffen Antoinettes zum Thema Europa - gleichsam den Bogen von den 1980er-Jahren bis 2016 spannend. "Nein, ich habe die Arbeiten für die Ausstellung nicht selbst ausgesucht", sagt die renommierte Künstlerin. Die Exposition wurde von Janina Dahlmanns kuratiert. Dieser Blick von außen sei ihr wichtig gewesen. "Ich sehe die Werke hier auch das erste Mal in dieser Zusammenstellung. Und die Ausstellung ist ja nichts Fertiges." Sie werde daran weiterarbeiten. Auch während der Exposition, kündigt sie an und gesteht gleichzeitig: Anfangs sei sie schon wegen der Kulisse etwas skeptisch gewesen. Und sie hätte sich hier und da einen neutraleren Hintergrund gewünscht. "Aber es geht. Am Ende ist es doch eine ganz gute Symbiose" zwischen ihrer Kunst und der Architektur - und in jedem Fall ein "wundervoller Ort", zeigt sie sich zufrieden.

Und was sagt der Hausherr? "Als die Anfrage kam, musste ich nur einen Moment überlegen", verrät Lothar Krüger, Vorsitzender des Vereins Eiche. Wenn er jetzt durch die Schau gehe, sehe er sich in der Zusage bestätigt. Vor allem aber müsse er an den Architekten Thomas Winkelbauer denken, der "das Haus für Ausstellungszwecke entworfen hat". Und Klimaschutz, so Krüger, ist schließlich auch ein sehr globales, europäisches Thema. "Es ist ein toller Raum", pflichtet ihm Ingrid Fischer bei. Für die Bilder brauche man aber viel mehr Zeit. "Wir haben schon eine Führung angemeldet."

"Mythos Europa" bis 5. November Di-So, 11-19 Uhr; Eintritt frei

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