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"Jetzt bin ich Niederfinower"

Angekommen: In der alten Schule Niederfinow hat René Cadena Ayala ein neues Zuhause gefunden. Ein ehemaliges Klassenzimmer ist sein Atelier. Dort bietet er auch Malkurse an. Gerade bereitet der Künstler seine erste Ausstellung für den Ort vor.
Angekommen: In der alten Schule Niederfinow hat René Cadena Ayala ein neues Zuhause gefunden. Ein ehemaliges Klassenzimmer ist sein Atelier. Dort bietet er auch Malkurse an. Gerade bereitet der Künstler seine erste Ausstellung für den Ort vor. © Foto: Andreas Gora
Viola Petersson / 14.09.2016, 06:40 Uhr
Niederfinow (MOZ) Er wurde in einer Schule geboren. Jetzt lebt und arbeitet er wieder in einer Schule. Einer ehemaligen Schule. Tausende Kilometer von der Heimat entfernt. Und doch fühlt sich René Cadena Ayala im Barnim heimisch. Gerade bereitet er seine erste Ausstellung für die Wahl-Heimat vor.

Wer den Ortseingang von Niederfinow passiert, lernt sogleich René Cadena Ayala kennen. Oder vielmehr sein künstlerisches Schaffen. Denn die Begrüßungstafel des Dorfes ist sein Werk - und eine Art Visitenkarte. Seit drei Jahren lebt der aus dem Hochland Boliviens stammende Maler und Grafiker nun schon im Hebewerkdorf. In der früheren Schule. Dort hat er auch sein Atelier.

Ein ehemaliger Klassenraum ist seine Werkstatt. Ein paar Utensilien erinnern noch an die einstige Nutzung. Eine Unterrichtskarte mit Farbkreisen etwa. "Ich muss mich immer noch an die Größe und die Helligkeit hier gewöhnen", sagt der 52-jährige Maler und Grafiker. In Berlin, wo er zuvor viele Jahre lang lebte, habe er nur "ein winziges Atelier unterm Dach" gehabt. Ein Arbeitsplatz, so groß, dass er sich gerade mal umdrehen konnte. Umso mehr genieße er die neue Freiheit in Niederfinow. Ein Ort, eine Landschaft "zum Entdecken", wie Cadena Ayala sagt. "Eine wirkliche Bereicherung."

Erfahrungen, Emotionen, Inspiration, von denen wiederum der Ort profitiert. Nicht nur in Gestalt der Begrüßungstafeln an den Eingängen. René Cadena Ayala lädt zu einer kleinen Führung durch die alte Schule ein, zeigt die Küche, die die Bewohner gemeinsam nutzen, die Flure, die einer Galerie gleichen - an den Wänden hängen Werke von ihm, die die Vielfältigkeit in seinem Schaffen verdeutlichen. Figürliches neben Abstraktem, Bezüge zu seiner Heimat. Farbintensives neben Pastellhaftem.

Einerseits fühle er sich als Gast auf dieser Welt, sagt der Maler und gerät ein wenig ins Philosophieren. Gemessen an der Geschichte seien es nur Momente, die man da sei. Aber diese Augenblicke, die wolle er "gut machen". Andererseits sei er angekommen. Dank auch der intensiveren Beschäftigung mit dem Ort könne er sagen: "Jetzt bin ich Niederfinower." Er spricht von einer glücklichen Fügung: "Ich wurde nämlich in einer Schule geboren. Und nun bin ich wieder in einer Schule."

In seiner Heimat habe er Kunstpädagogik studiert und als Kunstlehrer gearbeitet. "Malen und Zeichnen waren schon als Kind mein Metier", erzählt der 52-Jährige. "Nebenbei" war er für die WHO und für Unicef tätig, habe Illustrationen eingereicht, "die in Paris veröffentlicht wurden". Über ein Stipendium der Unesco kam Cadena Ayala 1988 schließlich aus 4000 Metern Höhe, dem Hochland Boliviens, wo sein Vater als Landlehrer arbeitete, und einer jahrtausende alten Kultur, in die DDR - an die Ingenieurschule Glauchau in Sachsen. Er lernte die deutsche Sprache. "Das war eine wunderbare Zeit. Ich wurde gewissermaßen das zweite Mal geboren", sagt er in der Rückschau. Dann die Wende. Cadena Ayala nahm ein Design-Studium in Potsdam auf. Und wurde Kommunikationsdesigner. Zunächst als Angestellter, später freischaffend. Er gründete seine eigene Firma: Jamuri. Ein Begriff aus seiner Muttersprache Aymara. "Jamuri - das ist jemand, der visualisieren kann", erklärt der Künstler. Und genau darum ginge es bei dieser Arbeit. Er setze Konzepte in Bilder um. Aufträge erhielte er von großen, zum Teil international agierenden Firmen. Für Messeauftritte, von der Autoindustrie, für Agenturen weltweit, auch für Opernhäuser oder fürs Fernsehen war er schon tätig. Eine digitale Arbeit, Werke, die am Rechner entstehen. Vorher aber im Kopf. Kunst und Design - "das ist eine Geschichte des Beobachtens, des Erlebens". Ein lebenslanger Prozess, wie der kreative Kopf sagt. "Und wenn ein Auftrag kommt, dann sortieren sich die Dinge." Linien formieren sich zu Bildern mit erstaunlichen, verblüffenden Effekten. Sie fangen Farbe, Licht und emotionale Stimmungen ein.

Gleichwohl betont René Cadena Ayala: "Meine Leidenschaft sind Malen und Zeichnen." In der Kunst müsse man sich trauen, gleichzeitig brauche es Vertrauen. In die Menschen, in die eigene Kraft. Cadena Ayala war unter anderem in der Galerie im Parlament in Berlin im Rahmen der Ausstellung "Vertraute Fremde" mit Werken vertreten und er hat einen Buddy Bären für das internationale Kunst-Projekt "United Buddy Bears" als Zeichen der Toleranz und Völkerverständigung gestaltet.

Ausstellung: Malerei und Grafik von René Cadena Ayala in der Kirche Niederfinow, Vernissage am Sonnabend um 15 Uhr

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