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Der "Hasenkopp" kann klappern

Rund um den Apfel: Autorin Cathy Schernus (r.) und ihre Mutter Claudia (4.v.l.) waren am Donnerstagabend in der Stadtbibliothek Beeskow umringt von Fragenden
Rund um den Apfel: Autorin Cathy Schernus (r.) und ihre Mutter Claudia (4.v.l.) waren am Donnerstagabend in der Stadtbibliothek Beeskow umringt von Fragenden © Foto: Buder
Ruth Buder / 16.09.2016, 20:10 Uhr
Beeskow (MOZ) Einen kurzweiligen Abend rund um den Apfel boten am Donnerstagabend in der Stadtbibliothek die Autorin Cathy Schernus und ihre Mutter Claudia. Das Interesse an der "2. Brandenburger Lesung" war riesig.

Ein leichter Duft von Äpfeln liegt in der Luft. Eine breite Auswahl der grün, gelb, roten Früchte der Saison hat Cathy Schernus auf den beiden Tischen vor dem Publikum drapiert. Die Autorin, die in Frankfurt aufgewachsen ist und in Berlin-Schöneberg eine Apfelgalerie hat, ist gekommen, um aus ihrem 2013 erschienen "Apfelbuch" zu lesen. Dieses erzählt illustrierte Geschichten, die sich um die heimischen Apfelsorten ranken und es bietet Variationen klassischer Apfelrezepte (siehe Kasten).

Doch zuerst wirft Cathy Schernus einen Blick auf die diesjährige Apfelernte. "Im Frühjahr sah es ja noch gut aus, wenige Blüten sind erfroren, aber die spätsommerliche Hitze hat den Früchten zugesetzt. Sie werden am Baum weich und fallen herunter." Sogleich dürfen die Gäste einen Apfel mit "Sonnenbrand" herumreichen - nicht mehr zu genießen. Aber dann können wunderbare, in Spalten geschnittene Äpfel probiert werden. Ja, der Gravensteiner, von denen es zig Ableger gibt, trifft den Geschmack aller. Der "Hasenkopp" darf auch geschüttelt werden. Und zum ersten Mal bemerken einige, dass man das Klappern seiner Kerne hören kann. Auch Äpfel mit so mythologischen Namen wie Alkmene (Cathhy Schernus Lieblingsapfel) und Appollo lernen die Besucher kennen. Äpfel erhalten ihre Namen aber auch nach Personen wie Bismarck, Kaiser Wilhelm und Geheimrat Breuhahn oder auch nach Landstrichen wie der Schöne aus Bath oder die Werdersche Wachsrenette. "Es gibt auch lustige Namen. Ich freue mich, wenn meine Kundschaft was zu lachen haben, wenn Schafsnase, Pommerscher Krumstil oder Musikdirektor Riedel an den Obstkisten steht", erzählt Cathy Schernus.

Insgesamt soll es 2000 Apfelsorten auf der Welt geben, in Brandenburg spricht man von 40. "Leider hat sich die Marktwirtschaft auf sechs, sieben gängige Sorten eingestellt", bedauert die Apfelexpertin, die in ihrem Berliner Laden auch selten gewordene Sorten verkauft.

Als sie die Frage in den Raum stellt, wo Äpfel denn eigentlich ihren Ursprung haben, wissen die wenigsten Bescheid. Im Hochgebirge Tian Shan in Kasachstan sollen vermutlich vor 165 Millionen Jahren die ersten Apfelbäume der Erde gewachsen sein. "Auch heute gibt es dort noch große Apfelwälder", weiß Cathy Schernus. Auf jeden Fall soll Kasachstan die Heimat des Asiatischen Wildapfels "Malus sieversii" sein.

Nur wenigen Experten ist es gegeben, die Apfelsorte nach Aussehen und Geschmack zu bestimmen. Ein solcher Experte war der bereits verstorbene Frankfurter Heinz Griesbach. Darüber hat Claudia Schernus in dem "Apfelbuch" ihrer Tochter berichtet: Bei einer Apfelbestimmung kaute Griesbach mit geschlossenen Augen lange und genüsslich auf einem Apfel bis zum Stil herum, ohne das Rätsel zu lüften. Die Besucher erwarteten mit Spannung seine Antwort: "Wie der Apfel heißt, weiß ich nicht, aber jut jeschmeckt hat er."

¦ Zutaten: 750 g säuerliche Äpfel, 200 g Zucker, 500 g Mehl, 1/2 Päckchen Backpulver, 250 g Rosinen, getrocknete, klein geschnittene Aprikosen, Feigen und Pflaumen nach Geschmack, 1 Esslöffel Kakao, 1 Messerspitze gemahlene Nelken, 1 Teelöffel Zimt, 125 Gramm Haselnüsse, Butter und Semmelbrösel zum Einfetten der Form.

¦ Zubereitung: Geschälte Äpfel in kleine Würfel schneiden, mit dem Zucker vermischen und über Nacht im Kühlschrank ziehen lassen. Die Apfel-Zucker-Mischung mit den übrigen Zutaten mit einem Rührgerät verkneten. Teigmasse auf einem tiefen, gefetteten Blech oder in einer flachen Auflaufform zirka 45 Minuten bei 175 Grad backen.

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