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Rathaus-Projekt kommt auf den Prüfstand

Sabine Rakitin / 17.09.2016, 08:00 Uhr
Bernau (MOZ) Der geplante Rathausneubau kommt noch einmal auf den Prüfstand. Das haben die Stadtverordneten am Donnerstagabend vereinbart. Nach jetzt vorliegenden Berechnungen würde das Verwaltungsgebäude am Standort Bürgermeisterstraße 25 rund 15,8 Millionen Euro kosten. Zu teuer, sagen viele.

Die Unabhängigen haben es schon immer gewusst. Am 22. Mai 2014, drei Tage vor der Kommunalwahl, hätten sie bereits gesagt, dass der damals angegebene Kostenansatz für das neue Rathaus in Höhe von 9,8 Millionen Euro zu niedrig sei, erinnerte er seine Stadtverordnetenkollegen am Donnerstagabend. Nun habe sich ihre Skepsis bestätigt. Und mehr noch: "machen wir uns nichts vor: Bei den knapp 16 Millionen Euro, die jetzt zur Debatte stehen, wird es nicht bleiben", ist Vida überzeugt. "Alles läuft auf 20 Millionen Euro raus. Das ist für Bernau zu teuer!"

Vida und seine Fraktion gehörten 2014 zu denjenigen, die einen anderen Standort für das neue Rathaus wollten - das Gelände um den jetzigen Parkplatz am Krankenhaus. Auch heute, zwei Jahre später, halten sie nichts von der Bürgermeisterstraße 25, weil die Immobilie mit 1,4 Millionen Euro von der Stadt viel zu teuer erworben worden war und das darauf befindliche Gebäude nun auch noch abgerissen werden soll.

Bürgermeister André Stahl (Linke) war an den Entscheidungen von damals noch nicht beteiligt. Dennoch bekannte er am Donnerstag: "Ich halte den Standort am Marktplatz für richtig, weil er die Innenstadt als politisches und Verwaltungszentrum stärkt".

Die 15,8 Millionen Euro seien "der derzeitige Kostenstand, so wie ihn die Verwaltung ermittelt hat", erläuterte Stahl. Auf entsprechende Fragen der Bündnisgrünen, wie es dazu kommen konnte, dass ursprünglich von knapp zehn Millionen Euro die Rede gewesen sei, antwortete er: Sicher hat das Architekturbüro die Kosten nicht richtig eingeschätzt und die Plausibilitätsprüfung nicht in die Tiefe geführt".Doch eines steht für Stahl fest: "Es ist sehr unwahrscheinlich, dass Sie für 9,8 Millionen Euro vor fünf Jahren ein Rathaus hätten bauen können", sagte er den Abgeordneten. Und er verwies auf Rathausbauten in anderen Gemeinden. Hohen Neuendorf (Oberhavel) baue für 14,2 Millionen Euro und habe weit weniger Einwohner als Bernau, führte der Bürgermeister als Beispiel an. Auch die Barnimer Kreisstadt Eberswalde habe gerade beschlossen, ihr altes Rathaus zu sanieren und umzubauen - für immerhin zehn Millionen Euro.

Den Verweis auf teure Bauten in anderen Kommunen wollten Stadtverordnete wie der Bündnisgrüne Thomas Dyhr nicht so ohne Weiteres gelten lassen. Auch Stahls Argument, die Stadt habe bereits in zwei Wettbewerbe und die Planungen viel Geld investiert, sei kein Grund, nicht innezuhalten. Mit solchen Argumenten sei auch der BER-Flughafen zum Milliardengrab geworden, hielt Dyhr dem Stadtoberhaupt entgegen.

"Die Linksfraktion steht weiterhin zum Rathaus-Neubau", erklärte hingegen deren Fraktionsvorsitzende Dagmar Enkelmann. "Auch wir waren entsetzt, als wir von der massiven Kostensteigerung beim Neuen Rathaus erfahren haben. Der noch unter Hubert Handke durchgeführte zweite Wettbewerb ging von deutlich zu geringen Baukosten aus. Das rächt sich nun, darf aber nicht dazu führen, das Neubau-Projekt in Frage zu stellen", sagte sie. Auch auf Seiten von SPD, CDU und Bündnis für Bernau steht fest, dass die Stadt dringend ein neues Rathaus braucht. Immerhin ist die Verwaltung zurzeit auf neun Standorte verteilt. Ein Zustand, der nicht mehr länger anhalten soll.

"Wir sind noch im Bereich der Vorplanung. Die nunmehr vorliegenden Mehrkosten müssen genau unter die Lupe genommen werden", forderte Dagmar Enkelmann. Othmar Nickel, der CDU-Fraktionschef, plädierte dafür, ein Gremium zu schaffen, das ohne Scheuklappen noch einmal den gesamten Rathausbau auf den Prüfstand stellt, vor allem aber auch Alternativen diskutiert. In einer gemeinsamen Sondersitzung von Hauptausschuss und Stadtentwicklungsausschuss im Oktober sollen nun Projektsteuerer und Architektenbüro eingeladen werden, um Einsparpotenziale auszuloten.

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Dieter Sauer 17.09.2016 - 09:04:45

Es ist unstrittig, ein neues Rathaus muss her!

Es ist unstrittig, ein neues Rathaus muss her! Wer die beengten Verhältnisse unserer Stadtverwaltung kennt, wird dies bestätigen. Ein Rathaus ist in erster Linie ein Verwaltungsgebäude und kein Parlamentsgebäude. Eine eigene Gastronomie erscheint bei der geforderten Innenstadtlage entbehrlich und sichert nebenbei den in der Stadt vorhandenen Gaststätten ein gewisses Einkommen. Ein überdimensionierter Sitzungssaal ist m. E. nicht erforderlich, denn tägliche „Fahnenappelle“ der gesamten Verwaltung werden voraussichtlich nicht stattfinden. Die SVV kann nach wie vor in der Stadthalle tagen, die man weiter modernisieren sollte, um auch der Bevölkerung bessere Bedingungen bei öffentlichen Veranstaltungen zu bieten. Fraktionsräume der Stadtverordneten sind ebenfalls zu hinterfragen, denn die politischen Gremien sollten nicht unter Aufsicht der Stadt tagen sondern eigene Rückzugsmöglichkeiten haben. Wichtig sind gute Arbeitsbedingungen für die Mitarbeiter! Im Zuge der fortschreitenden Digitalisierung werden künftig viele Angelegenheiten online erledigt, so dass sich der Besucherverkehr im Rathaus auch bei stetig wachsender Bevölkerungszahl nicht wesentlich erhöhen wird. Unter diesen Aspekten und dem Gebot der Sparsamkeit sollte auf den Abriss des Bestandsgebäudes verzichtet und dieses, wie im ersten Wettbewerb vorgesehen, in den Neubau einbezogen werden. Das neue Gebäude kann durch an das Stadtbild angepasste Fassaden durchaus eine moderne Architektur erhalten. Bei barocken Nachbauten geht es doch auch.

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