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"Drei Chronöre" für Horst Tomayer

Die drei "Chronöre" und ihr Gastgeber - (v.l.) Regisseur Fritz Tietz, Redakteurin Marit Hofmann, Politiker Lars Krause, Schauspieler Christoph Hofrichter.
Die drei "Chronöre" und ihr Gastgeber - (v.l.) Regisseur Fritz Tietz, Redakteurin Marit Hofmann, Politiker Lars Krause, Schauspieler Christoph Hofrichter. © Foto: Jahnke
Ute Jahnke / 27.09.2016, 19:08 Uhr - Aktualisiert 28.09.2016, 07:25
Falkensee (MOZ) Drei Weggefährten des 2013 verstorbenen Satirikers, Dichters, Schauspielers und passionierten Radfahrers Horst Tomayer haben am vergangenen Sonntag im Falkenseer "Kronprinz" erstmals dessen Werke in Wort, Bild und Ton wiedergegeben. Dieser Auftakt der zweiten Lesungs-Saison von "Satire am Abend" bot amüsante und abwechslungsreiche Unterhaltung.

"Wir wollen Hottes Wort auf Erden verkünden", erklärte Marit Hofmann, Redakteurin bei der Zeitschrift "konkret", und Fritz Tietz , Tomayers Leib-Regisseur, ergänzte, dass er fest von dessen Wiederauferstehung ausgehe. Unterstützt von Schauspiel-Kollege Christoph Hofrichter boten sie eine professionelle Darbietung unter dem Titel "Herzmerci, Hotte!"

1989 hatten Tomayer und Tietz in Hamburg anlässlich des evangelischen Kirchentags einen Kurzfilm über die Jesus-Prozession gedreht - mit Tomayer in der Titelrolle. Der Regisseur erinnert sich, dass Tomayer "zwei Drehtage lang ein zentnerschweres Holzkreuz durch die Gegend schleppen musste." Dieses war ausgestattet "gemäß der Straßenverkehrsordnung mit einem Laufrad, das die Fahrbahndecke schone, und einem Seitenspiegel zur Beobachtung des rückwärtigen Verkehrs. Wohl weil die Stadt während des Kirchentags eh voller Irrer war, störte sich niemand weiter an dem seltsamen Anblick. Mit christlicher Nachsicht ließ man ihn selbst bei dichtestem Autoverkehr gewähren." Nach Drehschluss stand Tomayer dann nur noch mit einem Dornenkranz bekleidet auf einem stark frequentierten Platz, wo er den Passanten "in Zeige-Freude den wahren Heiland präsentierte", erinnert sich Tietz. Als Produktionsverantwortlichem schien es ihm dann aber doch ratsam, "unserem Jesus den Jogginganzug zuzuwerfen und ihm die Bedeckung seines SACK-raments" nahezulegen.

Tomayer besaß kein Auto und fuhr stattdessen leidenschaftlich gerne Fahrrad. Pro Jahr legte er auf diese Weise durchschnittlich 12.000 Kilometer zurück. Am 12. Oktober 1976 unternahm er als erster Bundesbürger jemals den Versuch, die DDR-Transitstrecke von West-Berlin nach Hamburg (rund 270 Kilometer) mit dem Fahrrad zu bewältigen, was nicht einfach war, da Transitreisende die DDR noch am selben Tag wieder verlassen mussten. Von 2005 bis 2012 wiederholte "Hotte" jährlich diesen eintägigen "Fahrradthon", zuletzt im Alter von 73 Jahren. Seit 2014 unternehmen seine Anhänger jährliche Tomayer-Gedenkfahrten auf dieser Strecke - allerdings verteilt auf zwei Tage. Wer mitmachen will, wendet sich am besten per Email an die "konkret"-Redaktion (redaktion@konkret-magazin.de).

Derweil lädt der Brandenburger PARTEI-Chef Lars Krause bereits am 8. Oktober wieder zur Satire-Lesung in den "Kronprinz", diesmal mit dem amtierenden Chefredakteur des Satire-Magazins "Titanic", Tim Wolff. Infos unter www.satire-am-abend.de.

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