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"Bei 300 haben wir aufgehört zu zählen"

Jede Menge ehrenamtliche Arbeit war notwendig bis zu diesem Foto: der offiziellen Eröffnung des Werkstatttreffs gegenüber des Brücker Bahnhofs am vergangenen Wochenende.
Jede Menge ehrenamtliche Arbeit war notwendig bis zu diesem Foto: der offiziellen Eröffnung des Werkstatttreffs gegenüber des Brücker Bahnhofs am vergangenen Wochenende. © Foto: MZV
Rainer Marschel / 16.10.2016, 10:37 Uhr
Brück (MZV) Weit über 300 gespendete Fahrräder aus Brück, Borkheide, Borkwalde und Umgebung - sogar aus Potsdam und Berlin - sind durch die Vermittlung von "Brück hilft" schon durch seine Hände gegangen, berichtet Trebitzer Daniel Lindwedel (43) am Wochenende nicht ohne Stolz. Anlass war die offizielle Eröffnung der Fahrrad-Selbsthilfewerkstatt gegenüber des Bahnhofs: "Bei 300 haben wir dann einfach aufgehört zu zählen", meint er. Das unter Hinweis auf die Räder, die nicht sofort alle verkehrssicher waren und durch Mitglieder der "Fahrradgruppe", unter anderem auch durch Fred Shepard, in Beteiligung der Flüchtlinge repariert wurden. Wer nicht selbst Hand anlegen kann oder will, macht sich bei der Renovierung der Werkstatt oder in den Außenanlagen nützlich.

Dass sich die Rahmenbedingungen für die Radreparaturen nachhaltig verbessert haben, ist neben dem ehrenamtlichen Engagement der Flüchtlingshelfer auch weiteren zu danken. Dazu zählt der Landkreis Potsdam-Mittelmark ebenso, wie die Sparkassenstiftung, die das ehrgeizige Projekt unterstützte. Ein Teil des Geldes wird nach wie vor für den Ankauf notwendiger Ersatzteile verwendet. Überhaupt hat man bei "Brück hilft" großen Wert darauf gelegt, sämtliche Materialien in den Firmen und Baumärkten der Region einzukaufen, damit auch sie wiederum von dem Projekt profitieren.

Nicht zuletzt hat auch die Evangelische Kirche einen entscheidenden Anteil daran. Sie mietete das sehr zentral gelegene Areal zunächst einmal für das entscheidende erste Jahr. Wie es danach weitergeht, steht zunächst noch in den Sternen. Vielleicht wäre es ja eine überlegenswerte Idee, den mittlerweile vielfältigen Dank der Kommune durch das Einstellen des Projekts in den städtischen Haushalt mit Fakten zu untersetzen. Zumal sich die Selbsthilfewerkstatt praktisch vom Start weg auch zu einem Dreh- und Angelpunkt für bedürftige Sozialhilfeempfänger gemausert hat. Dort werden bekanntlich einmal wöchentlich, an jedem Mittwochvormittag, gespendete Nahrungsmittel zu einem symbolischen Preis abgegeben. Eine Offerte, die auch überregional auf eine sehr gute Resonanz stößt.

Etwa im März 2015 kamen die ersten Flüchtlinge nach Brück. Bereits eine Woche später nahmen Daniel Lindwedel und Fred Shepard die Arbeit auf und reparierten zunächst noch sporadisch gespendete Fahrräder direkt am Flüchtlingsheim im Gewerbegebiet. Später passierte das mehr oder weniger unter freiem Himmel in der Gömnigker Alten Mühle. Insofern sind die jetzigen Bedingungen mit der beheizbaren und in Eigenregie renovierten kleinen Werkstatt nicht mehr mit den Anfängen noch vor wenigen Monaten zu vergleichen. Auch ist der Kreis der Akteure in der Fahrradgruppe von "Brück hilft" angewachsen.

Das ist auch gut so, meinte am Wochenende Katrin Pieske: "Man muss sich mal vorstellen, dass wir manchmal mit zehn Fahrrädern im Asylbewerberheim ankamen, auf die dann 200 Flüchtlinge warteten. Da war die Verteilung dann ungewöhnlich schwierig." Ausnahmslos alle Fahrräder werden - egal mit welchem Kosten- und Zeitaufwand sie repariert wurden - kostenlos an die Flüchtlinge abgegeben. Und zwar immer montags zwischen 15.00 und 17.00 Uhr oder nach vorheriger Vereinbarung.

Unter den Gästen bei der kleinen Einweihungsfeier auch der amtierende Brücker Bürgermeister, Dr. Michael Klenke (SPD), der sich von "Brück hilft" im Allgemeinen und der Selbsthilfewerkstatt im Besonderen sehr angetan zeigte: "Dass die Brücker die Flüchtlinge hier so gut aufgenommen haben, war zunächst nicht zu erwarten. Als Stadt würde es uns natürlich freuen, wenn auch die Einheimischen die neue Offerte mehr nutzen würden damit hier auch ein direkter Austausch erfolgen kann." Die hiesige Flüchtlingsinitiative habe den entscheidenden Anteil daran, dass Willkommenskultur in der Stadt keine leere Worthülse geblieben ist, im Gegenteil. "Wir haben allen Grund, dankbar über dieses ungewöhnliche ehrenamtliche Engagement zu sein", so das amtierende Stadtoberhaupt und Mitglied des Kreistages Potsdam-Mittelmark.

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