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Messe Venus: Lust im virtuellen Raum

Im Trend: Virtual-Reality-Brillen suggerieren dem Betrachter beim Sexfilmegucken, er sei live dabei.
Im Trend: Virtual-Reality-Brillen suggerieren dem Betrachter beim Sexfilmegucken, er sei live dabei. © Foto: dpa
Richard Rabensaat / 16.10.2016, 19:46 Uhr
Berlin (MOZ) Vom Spaßgemüse bis zur lebensechten Männerpuppe: Zum zwanzigsten Mal versammelte die Erotik Messe Venus am Wochenende in den Charlottenburger Messehallen alles, was sich derzeit im Geschäft mit der Erotik zu Geld machen lässt. Der letzte Schrei sind 3-D-Brillen, mit der Sex-Shows plastisch werden.

Nein, Queen Rocket arbeitet noch nicht vor der Webcam. "Bisher mache ich nur Table Dance oder Striptease", sagt sie. Knappes weißes T-Shirt, sehr knappes Höschen, hochhackige Schuhe und einen Packen Flyer in der Hand stolziert sie über die Venus-Messe. Schlank, groß, dunkle Haare, ein nettes Lächeln auf den Lippen. Auf der Erotik Messe arbeitet sie als Hostess für ein Webcam Portal. Mit den Flyern sucht das Studio Mitarbeiterinnen und verspricht Einnahmen von 3500 Euro im Monat. Eine Summe, die Frauen von anderen Portalen auf der Messe bestätigen.

Nahezu alle Frauen im Erotik-Gewerbe arbeiten unter Fantasienamen, sind aber bei den Portalen dann doch gestochen scharf bei allerlei Lust-simulierenden Verrichtungen gut sichtbar. "Camangel', lange blonde Haare, hoch gewachsen, sehr schön, gut gelaunt, wirbt für das gleichnamige Webcam Portal. "Ich mache das nur im Nebenberuf und auch nicht jeden Tag", sagt sie. Eigentlich sei sie Pferdewirtin. Aber sie mache den Job beim Portal gerne, nicht zuletzt weil er recht einträglich sei.

Drei Hallen sind bespielt und randvoll gepackt mit Ständen, Live-Shows und anderen Präsentationen. Ein visueller und akustischer Overkill. Hunderte Meter vor dem Eingang steht die Menschenschlange auf dem Parkplatz des Messegeländes. Pulsierende Musik bummert durch die Hallen, Blitzlichtgeflacker, Frauen mit und ohne Bekleidung. Männer- und Frauenkörper nach dem neuesten Stand der plastischen Chirurgie modelliert, flexibel handhabbares Genitalwerkzeug in allen denkbaren Ausführungen und Formen. Hobbyfotografen mit großkalibrigen Teleobjektiven lichten jeden Zentimeter nackte Haut bis in die kleinste Furche detailliert ab.

Eine Ladies Area gibt es auch. Der Bereich ist durch eine Wand abgetrennt. Auf der finden sich Fotos der Männer, die dort Live Shows zeigen. Waschbrettbauch, smartes Lächeln, braun gebrannt. Vor der Eingangstür drängeln sich Frauen genauso wie in den übrigen Hallen die Männer bei den Darbietungen der Akteurinnen.

Mit einem fröhlichen Lächeln und offensichtlich guter Laune signiert Antonia Sainz die Flyer von Reality Lovers. Zahlreiche Besucher drängeln sich an ihrem Stand. Virtual Reality, auch bei Elektronikmessen der letzte Schrei in Sachen künstlicher Wirklichkeitsgenerierung, ist auf der Venus gut vertreten. Mehrere Anbieter werben für die Mitgliedschaft bei ihren Portalen. Die Virtual Reality Brille gibt es gratis. Wer sich den unförmigen Klotz vor die Augen hängt, erhält tatsächlich eine visuelle Darbietung, die sich von Breitwand-Fernsehen und 3-D deutlich unterscheidet und zum Greifen plastisch ist. Besonders sinnlich wird der Eindruck allerdings auch durch die verblüffende Technik nicht.

Technisch überzeugend aber auch bemerkenswert steril sind RS-Puppen "der neuen Generation". "Wir lassen in China fertigen, um die Preise noch in erschwinglichem Rahmen zu halten", erklärt der Mitarbeiter am Stand. Aus bis zu 3000 Varianten lasse sich für jeden eine individuelle Puppe zusammenstellen. Die Glieder sind verstellbar. "Sie hat auch eine Stimme. Sie kann stöhnen", sagt der Mitarbeiter. Das Gesicht der männlichen Puppe sei noch etwas feminin ausgefallen, aber bald folge ein "richtig harter Kerl". Auch der Penis ist flexibel und austauschbar. Mit 17 oder 20 Zentimetern Länge und verschiedenen Breiten wird er angeboten. "Der hat einen Saugnapf und saugt sich dann in der Puppe fest. So bleibt er biegbar", erläutert der Mitarbeiter die Technik. Das sorge für lebensechten Sex.

Weit ab von aufgemotzter Sextechnik agiert Andrea Wetzel, die auch kein Problem damit hat, ihren Klarnamen zu nennen. "Sex ist eine schöne Sache und soll Spaß machen", sagt Wetzel. Dementsprechend heißt ihr Portal: Spaßgemüse. "Jedes Teil ist ein Unikat", versichert die sympathisch lächelnde Frau. Schlank geformtes Gemüse aller Art findet sich auf dem Präsentationstisch: Spargel, Bananen, Zucchini, Auberginen. Aus weichem, bieg- und dehnbarem Silikon sind die Stücke gegossen. Sie versprechen jedenfalls demjenigen Freude beim gemeinsamen Spiel, der Sex nicht für eine heimische Variante der Hochleistungsakrobatik hält.

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