Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Drogenprobleme auch in Falkensee

FKS Caritas
FKS Caritas © Foto: MZV
Stephan Achilles / 22.10.2016, 14:09 Uhr
Falkensee (MOZ) Sucht hat vielfältige Erscheinungsformen. Nicht nur Alkohol und Drogen machen abhängig. Auch Medikamente, Glücksspiel, exzessiver PC- und Internetgebrauch, Essstörungen oder Nikotin können zur ernsthaften Krankheit werden. Betroffene wollen es oft nicht wahrhaben oder blenden es einfach aus.

Manchmal bemerken Freunde und Angehörige zuerst, dass etwas nicht stimmt. Aus der Sucht ergeben sich Probleme mit der Familie, der Arbeit oder der Schule. Das Geld geht aus und Schulden werden angehäuft. Die Suchtkranken geraten in einen Teufelskreis, aus dem sie allein nicht mehr herausfinden. Professionelle Hilfe ist dringend erforderlich. Sandra Schroeder und Volker Kreft kennen diese Probleme. Sie arbeiten in der Caritas Suchtberatungsstelle Falkensee. Beide sind studierte Sozialpädagogen mit mehr als zehn Jahren Berufserfahrung.

Am Anfang steht die Diagnosearbeit. "Suchterkrankungen gehen oft mit psychischen Störungen einher", erläutert Sandra Schroeder. "Zum Beispiel werden Alkohol und Medikamente oft zur Unterdrückung von Depressionen verwendet." Volker Kreft hat sich besonders intensiv mit Spielsüchtigen beschäftigt: "Angehörige dieser Gruppe habenin der Regel keine Probleme mit Drogen und erkennen ihre Abhängigkeit schwerer. Nicht selten wird der Kontakt zur Suchtberatung von Angehörigen oder engen Freunden hergestellt."

Bezogen auf die Einwohnerzahl, sind Sucht und Drogen in Falkensee in ähnlichem Maß vorhanden wie in Berlin, schätzen die Berater ein. Heroin und Crystal Meth seien zum Glück noch Ausnahmen. Probleme gäbe es aber mit Cannabis, Amphetaminen und Kokain. Sehr bedenklich sei der Cannabiskonsum von Jugendlichen. Gerade in diesem Alter ist das häufige Kiffen mit gesundheitlichen Schäden verbunden. In einer Studie des Max-Planck-Instituts für Hirnforschung zeigten sich bei Hirnstrommessungen deutliche Unterschiede der Hirnaktivität von jüngeren Jugendlichen und Erwachsenen. Verbunden mit einer vorübergehenden Phase der Destabilisierung strukturiert sich das Gehirn in dieser Wachstumsphase um, wobei körpereigene Substanzen mit denselben Rezeptoren im Gehirn andocken wie pflanzliche Cannabinoiden. Wird das Gehirn beim Kiffen immer wieder mit diesen Cannabinoiden überschwemmt, bleibt das nach Ansicht der Forscher nicht folgenlos.

Dass die Verfügbarkeit illegaler Drogen auch in Falkensee gegeben ist, betrachten die Caritas Suchtberater nicht als Geheimnis. In Falkensee werde zwar in der Regel nicht offen gedealt, es gäbe aber genügend Adressen und die seien in entsprechenden Netzwerken bekannt.

"Drogensucht ist auch in Falkensee und Umgebung ein gesellschaftliches Problem, dass wir nicht stigmatisieren dürfen. Wir merken das hier von Anfang an", meint Volker Kreft. Und er weiß, dass man diese Probleme nicht allein mit der Polizei und der Justiz lösen kann.

Zuerst brauchen die Betroffenen geschulte Ansprechpartner. In der Suchtberatungsstelle können Süchtige oder auch Angehörige kostenlose und diskrete Hilfe finden. Die Berater unterliegen nach Außen hin einer absoluten Schweigepflicht. Angeboten wird das gesamte Spektrum an Hilfeleistungen, vom Einzelgespräch über die Beratung und Beantragung von Therapiemaßnahmen bis hin zur Nachsorge. Für Gruppengespräche gibt es das "Contact Cafè", einen freundlich eingerichteten Raum im gleichen Haus.

Ebenfalls im Haus befindet sich das Büro der Caritas Schuldnerberatung, betreut von Brigitte Stanczak. Sie weiß, dass Suchtkranke sehr häufig Schulden haben und ihnen nicht zu helfen ist, bevor sie die Sucht losgeworden sind. "Manchmal aber kommen auch Schuldner und wir erkennen, dass es zusätzlich eine krankhafte Abhängigkeit gibt. In beiden Fällen ist die enge Zusammenarbeit mit der Suchtberatung erforderlich", stellt sie fest.

Die Sucht- und Schuldnerberatung in Falkensee bietet nicht nur den Falkenseern kostenlose und anonyme Hilfe an.

Betroffene und Angehörige können montags bis freitags von 9 bis 14 Uhr telefonischen Kontakt über 03322 234554 (Suchtberatung) oder 03322 234553 (Schuldnerberatung) aufnehmen. Donnerstags, zwischen 9 und 14 Uhr, kann man auch ohne Anmeldung mit seinen Problemen in die Beratungsstellen, Am Gutspark 1b, gegenüber vom Sportlereingang der Alten Stadthalle, kommen.

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
© 2020 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG