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Schleusenstraße gibt Rauchzeichen

Pumpt Nebel in den Kanal: Lukas Häckel zeigt die sogenannte Blase. Sie wird in den Kanal gesteckt, per Druckluft aufgepumpt und verschließt so den Kanal. Über einen separaten Schlauch kommt Qualm in die Blase, der nur zu einer Seite entweichen kann.
Pumpt Nebel in den Kanal: Lukas Häckel zeigt die sogenannte Blase. Sie wird in den Kanal gesteckt, per Druckluft aufgepumpt und verschließt so den Kanal. Über einen separaten Schlauch kommt Qualm in die Blase, der nur zu einer Seite entweichen kann. © Foto: MOZ
Manja Wilde / 27.10.2016, 19:59 Uhr
Woltersdorf (MOZ) Quillt Qualm aus dem Schacht, ist das ein gutes Zeichen: Am Donnerstag hat die Gemeinde Woltersdorf die Regenwasserkanäle in der Schleusenstraße prüfen lassen. Dazu kam eine Nebelmaschine zum Einsatz. Die Kontrolle steht im Zusammenhang mit der geplanten Gleiserneuerung und dem Ausbau der Straße.

Neben einer Linde steigen feine Qualmwölkchen auf. Es ist ein Schachtdeckel des Regenwasserkanals, der Rauchzeichen in die Morgenluft entlässt. David Panitz hebt ihn an, und weißer Nebel quillt hinaus. Das Zeichen ist eindeutig: "Es besteht eine Verbindung", sagt der Mitarbeiter der Firma Meyer Kanal- und Rohrreinigung. Sein Kollege Lukas Häckel hat den Nebel rund 150 Meter entfernt in den Kanal hinein geblasen.

Mit der Methode hat die Gemeinde Woltersdorf das Kanalsystem prüfen lassen. "Es geht um eine Bestandsaufnahme", sagt Bauamtsleiterin Kerstin Marsand. Hintergrund ist der geplante Ausbau der Schleusenstraße. Auf die Tagesordnung kam das Millionenprojekt, weil die Straßenbahn dringend ihre Gleise erneuern muss. In diesem Zusammenhang muss eine neue Gleis-Entwässerung gebaut werden. Und wenn die holperige Straße schon mal aufgerissen ist, kann sie gleich nach den geltenden Standards ausgebaut werden - so jedenfalls lautete lange Zeit die Argumentation von Verwaltung, Planer und Fachausschuss.

Die Anwohner gingen auf die Barrikaden. Sie müssten bei einem Ausbau einen Großteil der Kosten zahlen. In einer Anliegerversammlung Ende August stellten sie die Planung infrage. Ein Kritikpunkt: der vorgesehene Neubau eines Regenwasserkanals. "Es gibt doch einen", hieß es. Die Verwaltung sicherte eine Prüfung zu. Und hielt Wort.

Bereits am 21. September gab es eine Kamerabefahrung des Kanalsystems. "Da sind wir aber durch keine Rohrleitung durchgekommen", sagt David Panitz. Der Nebeltest hingegen verlief erfolgreich. "Es ist alles frei", vermeldete der Fachmann für Rohr- und Kanalservice nach fünf Stunden. Sieben Schächte, von denen jeweils mehrere Kanäle abgehen, wurden geprüft.

Und nicht nur aus den Schachtdeckeln qualmte es, sondern auch von einigen Dächern. "Qualmt es aus der Regenrinne, hat jemand seine Dachentwässerung an unseren Kanal angeschlossen, qualmt es aus dem Entlüftungsrohr des Gebäudes, hat jemand sein Schmutzwasser angeschlossen", erklärt André Baehler, technischer Leiter des Wasserverbandes Strausberg-Erkner. Beides ist nicht legal. Zum einen läuft Regen- und Schmutzwasser in getrennten Kanälen. Zum anderen kostet es den Wasserverband Geld, wenn er das Regenwasser durch seine Rohre pumpen und reinigen lassen muss. In Gebieten, wo die illegale Einleitung überhand nimmt, beauftragt der WSE auch selbst mal Nebelprüfungen, sagt Baehler.

Am Donnerstag war das nur ein Nebenprodukt. Die Verwaltung will die Ergebnisse aus Nebelprüfung und Kamerabefahrung auswerten, um letztlich zu entschieden, ob der Kanal nur saniert oder erneuert werden muss, sagt Kerstin Marsand. Zudem sei eine rechtliche Prüfung in Auftrag gegeben, um zu klären, ob die Gemeinde gemeinsam mit der Straßenbahn bauen müsse.

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