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Kritik am Sparplan für den Fahrplan

Bald ausgedünnt? Der Schwedter Stadtlinie drohen spürbare Einschnitte, weil der Landkreis 500 000 Kilometer Fahrleistung im Jahr einsparen will. Geplant ist, frühe und späte Busfahrten zu streichen und den Fahrtakt in den Abendstunden zu verringern. Die S
Bald ausgedünnt? Der Schwedter Stadtlinie drohen spürbare Einschnitte, weil der Landkreis 500 000 Kilometer Fahrleistung im Jahr einsparen will. Geplant ist, frühe und späte Busfahrten zu streichen und den Fahrtakt in den Abendstunden zu verringern. Die S © Foto: MOZ/Oliver Voigt
Michael Dietrich / 03.11.2016, 06:48 Uhr
Schwedt (MOZ) Die Schwedter Stadtverordneten und Bürgermeister Jürgen Polzehl haben in einem Brief an alle Kreistagsabgeordneten vor den geplanten Einschnitten im öffentlichen Nahverkehr gewarnt. Sie sehen eine große Gefahr, dass dieser bis zur Bedeutungslosigkeit ausgedünnt werde.

Die Wortwahl im Brief verrät, wie ernst den Stadtverordneten die Sache ist. Das Einsparziel von 500000 Kilometer, das der Kreis beschlossen hatte, sei nur der erste Schritt, den ÖPNV in die Bedeutungslosigkeit zu führen. Kürzungen der Verkehrsleistungen und Personalabbau seien zu befürchten. Von einer Abwärtsspirale ist die Rede und davon, dass die Bevölkerung vom öffentlichen Leben abgehängt und der ÖPNV so unattraktiv wird, dass die Bürger gezwungen würden, Alternativen zu nutzen.

Die Uckermärkische Verkehrsgesellschaft (UVG) hat bereits erste Sparvorschläge mit dem Landkreis, seinem Gesellschafter und Auftraggeber, erörtert. Die Sparvorschläge (siehe Infokasten) beinhalten Kürzungen von frühen und späten Fahrten auf den Stadtlinien oder dem Überlandbus nach Berkholz-Meyenburg. Das träfe zum Beispiel den Berufsverkehr für Schichtarbeiter von PCK, Leipa, Klinikum.

Vor allem aber befürchtet die Schwedter Politik, dass der Schritt in Richtung Sparfahrplan nur ein Einstieg in eine Abwärtsspirale sei, die nicht mehr aufzuhalten ist. Das will Schwedt nicht akzeptieren. Im Gegenteil, im Brief regen die Schreiber an, zu überlegen, ob das Angebot nicht vielmehr auszubauen oder zu ergänzen sei, um als Region attraktiv zu bleiben. Das schaffe man nicht mit Mindeststandards , sondern mit einem leistungsfähigen, zukunftsorientierten ÖPNV.

Schwedt hat mit Abstand das größte und eins der effektivsten Stadtlinennetze in der Uckermark. 1,1 Millionen Fahrgäste nutzen es im Jahr, Die Busse legen hier 710 000 Kilometer pro Jahr zurück, deutlich besser ausgelastet als andernorts.

Der ÖPNV-Dienstleister UVG befördert in der gesamten Uckermark im Jahr rund 6 Millionen Fahrgäste über 6,9 Kilometer. Das bezahlt zu 40 Prozent der Fahrgast, zu 60 Prozent der Steuerzahler über Landes- oder Kreiszuschüsse. An der Finanzierung ist zu einem großen Anteil auch Schwedt beteiligt. Wie jede Kommune zahlt die Stadt eine Kreisumlage, mit der Aufgaben wie der ÖPNV bestritten werden. Allerdings nur auf dem vom Kreis festgelegen Standard.

Schon jetzt zahlt Schwedt mehr als 70 000 Euro pro Jahr drauf, um die Stadtlinie so attraktiv zu halten, wie sie heute ist. Außerdem zahlt die Stadt 50 000 Euro im Jahr für das Schwedt-Ticket, das Fahrgäste aus Orts- und Stadtteilen gleichstellt. Obendrein ist Schwedt mit 25 Prozent an der UVG beteiligt, trägt also die Verluste der Gesellschaft zum Teil mit, zuletzt 200 000 bis 300 000 Euro im Jahr.

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Armin Rohde 03.11.2016 - 20:13:11

Ja endlich !

Das Schwedt das so nicht billigen würde war eigentlich zu erwarten! Und eine intelligente Ausweitung und Vernetzung ein guter Gedanke den sich die Kreistagsabgeordneten des roten Spektrum die für eine Streichung sind noch einmal durch den Kopf gehen lassen sollten! Denn die gestrichenen Kilometer werden nie mehr wieder kommen! Noch mehr Landflucht wäre die Folge und für die verbliebene Landbevölkerung und dann wieder für den Landkreis wird die Infrastruktur immer teurer. Man muss schon Mut aufbringen wenn man so eine Entscheidung treffen muss.Jetzt scheint der Weg für intelligente Weichenstellungen verbaut zu sein weil der Sparhammer über allem schwingt und alles bis zum Fahrplanwechsel geschehen soll. So kann man so etwas eigentlich nicht angehen!

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