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"Angermünde muss klagen"

Angermünder Perspektive: Die Bürgerinitiative Crussow malt das Zukunftsbild des Erholungsortes.
Angermünder Perspektive: Die Bürgerinitiative Crussow malt das Zukunftsbild des Erholungsortes. © Foto: Rainer Ebeling
Daniela Windolff / 08.11.2016, 06:00 Uhr
Angermünde (MOZ) Der Fund von sechs toten Kranichen unter einer Hochspannungsleitung hat die Diskussion um die Verträglichkeit von Windenergieausbau und damit auch den notwendig werdenden Ausbau von Netzkapazitäten neu entfacht.

Jeweils sechs Stunden lang haben betroffene Bürger, Vertreter von Fachgremien und Genehmigungsbehörde zusammengesessen, um zu den geplanten Windfeldern Mürow und Kerkow/Welsow Einwände aus der Öffentlichkeitsbeteiligung zu erörtern. Von Seiten der betroffenen Bürger war es vor allem die Bürgerinitiative Crussow, die stellvertretend für viele Einwohner dort einen ganzen Fragen- und Argumentekatalog vortrug. Rainer Ebeling, Sprecher der Bürgerinitiative, hatte an beiden Anhörungen teilgenommen, Einwände erläutert, immer wieder nachgehakt und ist enttäuscht. "Nein zufrieden bin ich nicht, es gibt insgesamt zu viele Ungereimtheiten bei dem gesamten Verfahren von Regionalplanung bis Genehmigungsverfahren", erklärt Rainer Ebeling.

So werde aus seiner Sicht der ortskonkrete Belang "staatlich anerkannter Erholungsort" der Kommune völlig unterbewertet. "Für Angermünde sehe ich fast die Pflicht, gegen den Regionalplan zu klagen, weil eben die Belange der Kommune unzureichend abgewogen wurden und nicht mal mehr geprüft werden sollen. Dabei gibt es genügend begründete Argumente für den staatlich anerkannten Erholungsort", meint Ebeling. Er hatte vorgeschlagen, einen 3000-Meter-Schutzgürtel um die Erholungsortkulisse zu gewähren, wie es in anderen Bundesländern bei Kurorten gehandhabt werde. Doch das wurde schon im Erörterungstermin abgelehnt. Das Argument Erholungsort spielt nun keine Rolle mehr im Genehmigungsverfahren, weil es bereits in der Regionalplanung abschließend behandelt wurde.Allerdings ohne Erfolg für Angermünde. "Auf meine Frage, ob es denn im Bundes-Emmissionsschutz-Gesetz überhaupt irgendwelche ortskonkrete Belange gäbe, wurde dies verneint. Für eine Kommune, die auf Tourismus setzt, ist es das Todesurteil", kritisiert Ebeling.

Auch das Thema Artenschutz sei aus Sicht der Bürgerinitiative unbefriedigend. "Das Kollisionsrisiko wird an Windkraftanlagen nicht so hoch eingeschätzt wie an Stromleitungen, weil diese sich ja drehen und eher wahrgenommen werden", schildert Ebeling die Aussagen in der Erörterung. In Mürow sollen zumindest vier Windkraftanlagen zum Schutz von Fledermäusen zeitweilig abgeschaltet werden. Zu den nachgewiesenen Flugrouten von Gänsen im Windfeld Welsow wurde geäußert, dass die Vögel um das Windfeld drumherum fliegen sollen.

Unberücksichtigt in der Erörterung blieben die Einwendungen betroffener Bürger zum Thema Infraschall und möglicher gesundheitlicher Folgen. Die Grenzwerte würden eingehalten und seien nicht wahrnehmbar. Auch Fragen zur Netzkapazität seien nicht Gegenstand des Genehmigungsverfahrens, es wurde jedoch bestätigt, dass das Umspannwerk an seine Grenzen stößt.

"Windkraftanlagen werden abgeschaltet wegen Fledermäusen, Schall, Schattenwurf, fehlende Verwertung des Stroms ... Dann sollte man sie gar nicht erst bauen", meint Ebeling. Gemeinsam mit der Volksinitiative "Rettet Brandenburg" wolle die Bürgerinitiative weiter zum Thema Windkraft aufklären und Änderungen der landespolitischen Vorgaben fordern. Außerdem werde man eine Klage prüfen. "Der Mensch zählt bei dem gesamten Verfahren leider überhaupt nicht, obwohl natürlich alle Gesetze eingehalten werden", resümiert Rainer Ebeling.

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