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Familiengeschichte im Wald

Zum Gedenken an die Verstorbenen: Anneliese und Hermann Krüger säuberten auf dem Försterfriedhof die Gräber der Familien Frank und Wollermann. Pauline und Robert Frank sind ihre Großeltern, Albertine und Heinrich Wollermann ihre Urgroßeltern.
Zum Gedenken an die Verstorbenen: Anneliese und Hermann Krüger säuberten auf dem Försterfriedhof die Gräber der Familien Frank und Wollermann. Pauline und Robert Frank sind ihre Großeltern, Albertine und Heinrich Wollermann ihre Urgroßeltern. © Foto: MOZ/Gerrit Freitag
Ralf Loock / 09.11.2016, 07:50 Uhr - Aktualisiert 10.11.2016, 14:02
Siehdichum (MOZ) Rund zehn freiwillige Helfer der Heimatgruppe Schernsdorf säuberten am Dienstag den Försterfriedhof Siehdichum. Am 20. November, dem Ewigkeitssonntag, wird in den evangelischen Kirchen der Verstorbenen gedacht. Gepflegt wurden jetzt in Siehdichum auch Gräber der Waldarbeiter.

"Sie hat immer so wunderbaren Streuselkuchen gemacht. Mit viel Zucker", so beschrieb Anneliese Krüger aus Schernsdorf ihre Erinnerungen an ihre Oma Pauline Frank (1882-1961). Jetzt säuberte die Schlaubetalerin mit ihrem Mann Hermann Krüger das Grab der Großeltern, "ich bin eine geborene Frank." An den Großvater Robert Frank (1881-1947) könne sie sich noch erinnern, der Waldarbeiter ging jeden Morgen zur Arbeit und hatte als Mittagsmahl einen Topf warme Rührkartoffeln dabei. Viel intensivere Erlebnisse gab es natürlich zwischen Anneliese Krüger, Jahrgang 1936, und Pauline Frank. "Als sie starb, war ich bereits eine junge Frau." Neben diesem Grab liegt der Begräbnis-Platz von Albertine (1859-1928) und Heinrich Wollermann (1859-1935). "Das ist eine traurige Geschichte. Meine Urgroßeltern mussten nach dem verlorenen Ersten Weltkrieg ihre Heimat in Posen-Westpreußen verlassen. Sie wurden vor die Wahl gestellt, entweder die polnische Staatsangehörigkeit anzunehmen oder zu gehen", schilderte Anneliese Krüger die Familiengeschichte. Die meisten Flüchtlinge mussten sich damals weitgehend alleine um Quartier und Arbeit kümmern.

Herbstputz auf dem Förster-Friedhof am Forsthaus Siehdichum durch Mitglieder der Heimatgruppe Schernsdorf.
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Herbstputz auf dem Försterfriedhof

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Die Oberförsterei Siehdichum ließ mehrere Waldarbeiterhäuser bei Dreitannen und am Hammersee errichten. Die Bauten, die 1922 bezugsfertig waren, wurden an Familien aus Westpreußen und Posen vermietet. Heinrich Wollermann war in seiner Heimat bereits als Waldarbeiter tätig, so kam die Familie ins Schlaubetal. Wenn die armen Aussiedler nach dem polnischen Grenzbahnhof Bentschen die deutsche Bahnstation Neu-Bentschen erreicht hatten, dann endete ihr Leidensweg. "Ich habe noch alte Unterlagen meiner Familie zu Hause", berichtete Anneliese Krüger. Die jüngste Tochter der Wollermanns sei auf einem Abschnitt dieser Flucht in einem Kleiderschrank auf einem Pferdegespann zur Welt gekommen sein.

Die Steine für die Waldarbeiterhäuser, die noch heute stehen, stammen aus einer Ziegelei, die einst nördlich von Schernsdorf stand, weiß Gudrun Hänschen von der Heimatgruppe zu berichten. Sie kümmert sich schon seit Jahren sehr engagiert um die Erforschung der Schlaubetaler Geschichte. Nach etwas mehr als einer Stunde war der Arbeitseinsatz beendet.

Der Friedhof war 2005 von der Heimatgruppe mit Hilfe des Bauhofs neu gestaltet worden. Das Zentrum des Platzes bilden die Gräber des königlichen Forstmeisters Wilhelm Reuter (1836-1913) und seiner ersten Frau Marie (1841-1891). Für sie hat er den Friedhof überhaupt erst anlegen lassen. Wilhelm Reuter wurde am 10. Mai 1836 in Garbe in der Altmark geboren. Er studierte Forstwissenschaften in Eberswalde und wurde, nachdem er das forstliche Staatsexamen im Jahre 1864 bestanden hatte, 1870 als Königlicher Oberförster in Siehdichum angestellt. 1913 wurde er zur letzten Ruhe an der Seite seiner Frau gebettet. Der Försterfriedhof wurde später zum Begräbnisplatz für alle verstorbenen Beschäftigten der Oberförsterei erweitert.

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