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Blaue Kreuze für freie Ufer

Wollen gern Ufer für weitere Generationen frei halten: Mit blauen Kreuzen versuchen Horst Ehrlich, Editha Höpfner und Horst Brüssow (v.l.), Aufmerksamkeit fürs Thema zu wecken.
Wollen gern Ufer für weitere Generationen frei halten: Mit blauen Kreuzen versuchen Horst Ehrlich, Editha Höpfner und Horst Brüssow (v.l.), Aufmerksamkeit fürs Thema zu wecken. © Foto: MOZ/Jörn Tornow
Annika Bischof / 12.11.2016, 06:59 Uhr
Trebatsch (MOZ) Übergroß stehen sie am Straßenrand, vor Hauseinfahrten, am Gartenzaun - blaue Kreuze signalisieren zwischen Pfaffendorf und Trebatsch, dass Bürgern etwas bitter aufstößt. Es geht um die Freihaltung von Ufern für die Allgemeinheit. Ein Wunsch, der nicht einfach umzusetzen ist.

Als Editha Höpfner noch ein Kind war, da konnte sie etwas, was ihren Enkeln heute nicht mehr möglich ist. "Hier entlang des Wassers gab es einen Weg, dort konnte man ungehindert langlaufen", sagt die Rentnerin und zeigt in Richtung Trebatsch am Rocher Mühlenfließ. Doch mit dem Verkauf von drei Grundstücken an Privatpersonen vor einigen Jahren wurde dieser Weg abgeschnitten. Eine Hecke, die bis zum Uferbereich reicht, macht ein Durchkommen heute unmöglich.

"Warum sollen nur einige Leute Zugang zu Ufern haben?", fragt Horst Ehrlich, der Gewässer als Allgemeingut versteht, die allen Bürgern zugänglich sein sollten. Der 79-Jährige wohnt nahe der Trebatscher Spreebrücke, sein Grundstück liegt nicht direkt am Fluss an, es gibt einen breiten Streifen, der von allen genutzt werden kann: Anglern, Bootsbesitzern, Spaziergängern - sie alle haben Zugang zum Wasser und das wünscht sich die Trebatscher Initiative "Ufer frei" auch für den Bereich Rocher Mühlenfließ. "Man könnte den Weg vielleicht Ludwig-Leichhardt-Treidelweg nennen", schlägt Editha Höpfner vor, die wenig Verständnis dafür hat, dass die Gemeinde Tauche die Grundstücke ohne Einschränkung für die Ufernutzung einst verkauft hat. Denn jetzt fällt die Einigung mit den neuen Grundstücksbesitzern umso schwerer.

"Hier könnte man nur mit einer neuen Satzung agieren", weiß Bürgermeister Gerd Mai. Doch um diese zu schaffen, bedarf es die Zustimmung der Gemeindevertretung. Insgesamt sei das jedoch ein langwieriger und schwieriger Prozess, wie auch Annerose Trippens, Leiterin des Umweltamtes vom Landkreis Oder-Spree, bestätigt. "Hier einen Bebauungsplan zu schaffen, ist im Nachhinein sehr schwierig", spricht sie aus Erfahrung, da nicht zuletzt auch die Grundstücksbesitzer berücksichtigt werden müssen und seitens der Kommune ein Bedarf erkennbar sein muss.

Die Trebatscher Initiative "Ufer frei" hat deshalb vor einigen Jahren schon eine Befragung im Ort gemacht, doch die große Zustimmung und Unterstützung blieb aus. "Einige haben ja schon Zugänge zum Wasser und sehen jetzt nicht die Notwendigkeit, dies auch für unseren Teil des Dorfes zu fordern", bedauert Editha Höpfner. Dabei sieht sie in der Uferfreiheit entlang des ehemaligen Treidelpfads auch eine Aufwertung des Ortes und der Gemeinde Tauche insgesamt. "Aus touristischer Sicht ist das doch sehr attraktiv, wenn man hier ungestört entlang des Wassers laufen könnte", argumentiert sie. Dafür müsste jedoch die Gemeinde Tauche ein Konzept haben, das eine touristische Erschließung von Ufern erkennen ließe. Das wiederum würde ihr Planungsrecht entscheidend untermauern, käme man mit den jetzigen Privateigentümern für einen Rückkauf der Uferflächen ins Gespräch.

Hanna Gläsmer, Dezernentin für Kreisentwicklung, Umwelt und Bauen in der Kreisverwaltung von LOS, weist darauf hin, dass solch eine Entscheidung nicht ohne Folgen wäre. "Die Unterhaltung von Wegen ist eine Mammutaufgabe", weiß sie zu berichten und zählt auf, welche Kosten mit der Instandhaltung verbunden seien. So müsse auf den Baumschnitt geachtet, Sturmschäden beseitigt und der Weg stets frei gehalten werden. Jörg Thoma, Sachgebietsleiter für Kreisentwicklung und Investitionsförderung im LOS, ergänzt: "Wichtig ist auch zu klären, wie hoch das öffentliche Interesse ist und welche Alternativen bereits vorhanden sind." Denn letztere gibt es im Raum Trebatsch. Parallel zum Rocher Mühlenfließ verläuft eine Fahrradstraße und weitere Wanderwege gibt es durch nahe gelegene Wälder. "Nicht jedes Gewässer ist erschließbar", bedauert Hanna Gläsmer.

Das sehen die Initiatoren von "Ufer frei" aber anders. "Es geht schließlich auch um nachkommende Generationen, die nicht vor verbauten Ufern stehen sollen", sagt Editha Höpfner, die im Trebatscher Fall nur den Anfang allen Übels sieht. "Ein Paddler aus Hessen hat einmal zu mir gesagt, bewahrt euch eure Ufer, bei uns hat man schon alles zugebaut", nennt ihr Bruder, Horst Brüssow, eine Episode, die ihm zum Weitermachen motiviert. In umliegenden Dörfern, aber auch in Beeskow und bis nach Pfaffendorf, haben die Trebatscher Sympathisanten für ihre Initiative gefunden. "Rund 20 blaue Kreuze wurden schon aufgestellt", freut sich Editha Höpfner.

Trotz behördlicher Hürden lässt sich die Gruppe nicht entmutigen, denn manchmal gibt es auch Hoffnung. Wie im Fall von Grünheide vor Kurzem, wo es der Gemeinde gelungen ist, für einen Uferbereich einen Bebauungsplan aufzustellen und Grundstücke zurückzukaufen.

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