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Bestatterjubiläum zum Totlachen

Julia Lehmann / 15.11.2016, 06:48 Uhr
Eberswalde (MOZ) Den Tod mit einer Party würdigen - was morbid klingt, hat die Veranstaltungsreihe "Malefiz" zum Konzept erklärt und mit einem Benefizgedanken verknüpft. Zum 25. Jubiläum ihres Bestattungsunternehmens hat Gabriele Haas die Veranstaltung nach Eberswalde geholt.

Dem Tod eine witzige Seite abringen und eine lebensbejahende Feier für jedermann - das hat sich Gabriele Haas vom "Malefiz" in Eberswalde erhofft. Für die Bestatterin ist das Experiment rundum ihr Firmenjubiläum am Sonnabend voll geglückt: "Es war total super", schwärmt die 48-Jährige noch am Montag.

"Malefiz - die todesmutige Party mit Programm" ist ein Projekt der Funus Stiftung, die ihren Sitz in Halle (Saale) hat. Die Erstauflage fand in diesem Jahr in Leipzig statt. Und dort ist Gabriele Haas darauf aufmerksam geworden.

"Das Thema Tod wird sonst eher aus der Gesellschaft ausgegrenzt. Wir wollen es mit einer unterhaltsamen Abendveranstaltung mehr nach außen tragen", erklärt Frank Pasic vom Vorstand der Stiftung, die Idee.

Die eingeladenen Künstler waren deshalb mit Bedacht gewählt. Unter den Teilnehmern am eigens für dafür erdachten "Death Slam" - abgeleitet von Poetry Slam, also einem Dichterwettstreit-, waren Leute wie Thorsten Benkel vom Lehrstuhl für Soziologie der Uni Passau.

Er brachte das Publikum mit einer Powerpoint-Präsentation an seine Grenzen. Zu sehen waren Fotos von Organen und Leichen, die er bei einem Besuch einer Pathologie gefertigt hat. Auf grausam-witzige Art ermöglichte er den Gästen mit halbierten Gehirnen und geöffneten Korpussen den "Blick ins Innere" und resümierte: "Der Tod hat seine eigene Schönheit, die manchmal im Verborgenen liegt - und das ist auch besser so." Das Publikum war begeistert. Zum Schreien komisch fand es auch den Beitrag von Matthias Meitzler.

Gemeinsam mit ihm betreibt Benkel soziologische Feldforschung auf Friedhöfen, um den gesellschaftlichen Umgang mit Tod und Sterben zu analysieren. Meitzels Vortrag beinhaltete 1000 Fotos von Grabsteinen mit unterschiedlichen Inschriften. Und alle hatte er humorvoll zu einer Geschichte verbunden. Meitzler war es auch, der als Sieger aus dem Death Slam hervorging. Abgestimmt hatte das Publikum. Lyrischer ging Christian von Aster das Thema an: In strengem Reimschema umschrieb er die fantasievolle Geschichte eines Narren, der dem Sensenmann begegnet und ihm hilft, ein Opfer zu wählen.

Das Duo, das Moderator "Donis" - selbst schon ein Showact für sich - als "sehr Kunst, sehr Pop, sehr sexy und sehr wave" ankündigte, waren "Die Meystersinger". Luci van Org und Roman Shamov, die beide ebenfalls einen Beitrag als Death Slamer leisteten, leiteten den Abend mit ihren hypnotisierenden Synthie-Sounds ein. In silberfarbenen Gewändern, begleitet von bunten, schnellen Projektionen sangen sie von Frieden und Ängsten.

Luci van Org - in den 1990er-Jahren als "Lucilectric" und ihrem Song "Mädchen" bekannt -, ist außerdem Schirmfrau des durch Spenden bedachten Bundesverbands verwaister Eltern und Geschwister (VEID). Insgesamt kamen 1286,50 Euro zusammen, die Gabriele Haas auf 1500 Euro aufgerundet hat. Zu gleichen Teilen werden damit VEID und das Eberswalde Hospiz am Drachenkopf e.V. unterstützt. Der caritative Zweck der Veranstaltung war ein Grund mehr für Haas, dieses ungewöhnliche Format zu wählen: "Ich wollte etwas zurückgeben."

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