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Boomtown Falkensee am Scheideweg

"Falkensee boomt": Die Diskussionsveranstaltung mit Infrastrukturministerin Kathrin Schneider war gut besucht.
"Falkensee boomt": Die Diskussionsveranstaltung mit Infrastrukturministerin Kathrin Schneider war gut besucht. © Foto: Schulz
Silke Schulz / 18.11.2016, 22:11 Uhr
Falkensee (MOZ) Bezahlbarer Wohnraum, mehr Kitas, angepasste Verkehrsalternativen, bedarfsdeckende Gesundheits- und Kulturpolitik: Zu einer Diskussion über konkrete Vorstellungen der Falkenseer hatte die SPD-nahe Friedrich-Ebert-Stiftung am Donnerstagabend geladen. Auf dem Podium gaben neben Bürgermeister Heiko Müller (SPD) die Ministerin für Infrastruktur und Landesplanung Kathrin Schneider (SPD) sowie der Landtagsabgeordnete Udo Folgart (SPD) informative und inspirierende Impulsstatements.

Gutes Stehvermögen war angezeigt auf der Veranstaltung in der Stadthalle, denn die auf 80 Plätze beschränkte Bestuhlung bot längst nicht jedem der zahlreich erschienenen Teilnehmer eine Sitzgelegenheit. Gleichwohl wollte trotz des vielversprechenden Titels "Falkensee boomt - aber wo wollen wir hin?" ein produktiver Meinungsaustausch zu den Kernthemen nicht so recht in Gang kommen.

Mit dem Landesentwicklungsplan, der Mobilitätsstrategie 2030 einschließlich der Korridoruntersuchungen sowie der Ausarbeitung einer Strategie Stadtentwicklung und Wohnen stellte Infrastrukturministerin Kathrin Schneider drei für die Region wichtige Vorhaben vor.

Verschiedene Studien prognostizieren, dass in absehbarer Zeit 40 Prozent der Brandenburger auf 10 Prozent der Fläche des Landes leben werden, größtenteils rund um Berlin.

Im Gegensatz zu anderen Metropolen wächst Berlin jedoch nicht gleichförmig in das Berliner Umland. Die Ausbreitung von Siedlungen geschieht vielmehr durch eine gesteuerte Planung, die im Landesentwicklungsplan zwischen Berlin und Brandenburg festgehalten ist. Neue Wohngebiete dürfen danach nur entlang der Schienenstränge entstehen. Die übrigen Gebiete sollen als Freiräume und weniger verdichtet erhalten bleiben. "Der Siedlungsstern stammt aus den 20er Jahren und ist ein Geschenk der Geschichte, denn er ist ein Entwicklungsmodell von hoher Qualität", so Schneider. Für eine Gestaltung des Wachstums sprach sich ebenfalls Udo Folgart aus: "Mit einem Integrierten Stadtentwicklungskonzept sollten die Kommunen selbst die entsprechenden Voraussetzungen schaffen."

Ein Integriertes Stadtentwicklungskonzept, kurz INSEK, ist in Falkensee derzeit in Arbeit. "Wir beschäftigen uns intensiv damit, es stellt die Klammer über allen Teilbereichen dar", so Bürgermeister Heiko Müller. Für Diskussionen sorge vor allem das Thema Verkehr auf Schiene und Straße, Stichwort Ortsumgehung. Die Kreuzung am Rathaus Falkensee sei an der Kapazitätsgrenze, die Spandauer Straße könne ein Fußgänger kaum noch gefahrlos überqueren. Wie ein Damoklesschwert sei der schlechte Zustand der Schönwalder Allee in Spandau zu betrachten, weil bei einer etwaigen Sperrung dieser Durchfahrt nach Schönwalde auch dieser Fahrzeugverkehr noch durch Falkensee fließen würde.

Zum Thema Wohnungsbau vertrat Müller die Auffassung, dass ein Verzicht auf diesen einen Verdrängungseffekt durch Zuzügler zur Folge haben könnte.Stadtverordneter Wolfgang Jähnichen (SPD) schlug hierzu vor, mit der wohnungspolitischen Umsetzungsstrategie zunächst im Stadtzentrum zu beginnen, bevor dann die weitere Entwicklung in Angriff genommen werde. Von den Teilnehmern der Diskussionsveranstaltung kamen teils originelle Vorschläge. So meinte etwa ein Bewohner des Ortsteils Seegefeld zu den Kapazitätsproblemen der Bahn für Pendler: "Was machen eigentlich all die Leute in Berlin, was sie nicht auch woanders machen könnten?" Und: "Es sollten wieder Straßenbahnen eingeführt werden."

Die tatsächlich häufig für Unmut sorgenden überfüllten Züge sind nach Ansicht von Ministerin Kathrin Schneider ein Effekt der Qualitätssteigerung: "Wir sind Opfer unseres eigenen Erfolgs geworden." Eine schnelle Lösung, wie von einzelnen Teilnehmern gefordert, werde es nicht geben. Eine gemeinsame Zielsetzung mit dem Land Berlin sollte erarbeitet und dem Bund vorgelegt werden.

Hinsichtlich der Stadtentwicklung empfiehlt die Ministerin die Aufstellung eines Grundkonzepts, das zunächst keineswegs jede einzelne Detailfrage behandeln müsse. Unterschiedliche Interessen sollten diskutiert werden, das Konzept Schritt für Schritt fortgeschrieben werden. "Ich nehme eine lebhafte Diskussion wahr - von "das Boot ist voll' bis "wir wollen weiter wachsen'."

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