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Internationale Blickwinkel von jungen Leuten

Lisa Mahlke / 22.11.2016, 19:22 Uhr
Potsdam (MOZ) Das Gesicht eines Mädchens ist umhüllt von Gummibärchen und Schokolade. Unter dem Foto steht "Ich mag Süßigkeiten aber nicht den Zahnarzt". Weiter hinten hängt ein Foto von einer Tür - man sieht die Klinke und das Türschloss von unten. Die Fotografin hat sich für die Aufnahme auf den Boden gelegt. Gegenüber sind Alltagsszenen zu finden: Hände, die einen Pizzateig kneten, eine Familie im Biergarten und Menschen im Fahrstuhl.

Die Ausstellung "See You", die momentan im Bildungsforum Potsdam zu sehen ist, zeigt eine ganze Bandbreite von Fotografien. Erstellt wurden sie von 30 Kindern und Jugendlichen aus Brandenburg, Syrien und Afghanistan. Sie bildet aber nur eine Auswahl von Fotos ab, die in einem vom Verband der Musik- und Kunstschulen Brandenburg (VDMK) initiierten Projekt entstanden sind. Seit dem Spätsommer trafen sich die Teilnehmer, um ihre Umgebung zu erkunden, sie fotografisch festzuhalten und um sich gegenseitig kennenzulernen.

Die Jugendlichen aus Syrien und Afghanistan sollten sich für das Projekt fragen: "Wie ist das, hier anzukommen? Wie sehe ich den Ort?", erklärt Tina Balla, Referentin für Bildende und Darstellende Kunst beim VDMK. Die Brandenburger Schüler bekamen den Auftrag, ihre alltägliche Lebensumgebung zu zeigen. Vier Kunstschulen nahmen teil: das Kunsthaus Templin, die Kunstschule Potsdam, der Offene Kunstverein Potsdam und die Jugendkunstschule Teltow.

Lea Rothaug aus Potsdam fotografierte schon vor dem Projekt gern. Ihr mache es Spaß, "Augenblicke einzufangen", erzählt sie. Nur die gute Kamera fehlte immer. "Es war spannend, mit Leuten aus anderen Ländern und Kulturen Kontakt zu knüpfen", sagt sie. Auch über das Projekt hinaus stehe sie mit den anderen Teilnehmern noch in Verbindung. So wie die 15-Jährige haben auch Ali Abo Baker und Abdalrahman Yousef über den Offenen Kunstverein Potsdam an dem Projekt teilgenommen. Die beiden 18 Jahre alten Syrer finden, dass sie jetzt mit einem anderen Blick durch die Straßen gehen. Deutsch Lernen mache in so einem Rahmen auch mehr Spaß. "Es war total schön mit den deutschen Jugendlichen zu arbeiten. Ich habe gelernt, dass man die vielen Seiten der gleichen Landschaft mit einer anderen Methode oder einem anderen System beim Fotografieren kennenlernen kann", beschreibt Abdalrahman Yousef seine Eindrücke vom Projekt. Einfach "zusammen quatschen" habe ihm allerdings auch gefallen.

Angélique Préau und Jalal Mando vom Offenen Kunstverein leiteten einige der Jugendlichen in Potsdam an. "Sie sollten nicht überall Fotos machen, ohne zu überlegen", erklärt Angélique Préau, "sondern sich fragen: Was will ich zeigen?" Dabei spielten sie mit Licht, Farben, Fokus und Perspektive. "Ihr müsst keine Kunstwerke machen", beruhigten die Französin und der Syrer ihre Gruppe. Doch ein Blick auf die Bilder verrät: In kurzer Zeit haben die Nachwuchsfotografen einiges gelernt.

In Teltow standen die Jugendlichen vor einer Herausforderung. Junge Teilnehmerinnen eines Fotokurses der Jugendkunstschule wollten gern bei dem Projekt des VDMK mitmachen, aber dabei nur mit Mädchen zusammenarbeiten. In einem Übergangswohnheim fanden sich zwar Interessierte, doch diese hatten Bedenken, sich auf Fotos zu zeigen. Deshalb entstanden Portraits, für die sich die Mädchen mit Materialien ihrer Wahl verhüllten und gegenseitig ablichteten. Neben Süßigkeiten verdecken zum Beispiel Muscheln, Gewürze und Federn Teile der Gesichter. "Muscheln erinnern mich an mein Heimatdorf in Syrien", erklärt die 13-jährige Seedra Marrey, warum sie dieses Material wählte. Eben diese Vielfalt der Bilder in der Ausstellung ist sehenswert.

Unterstützt wird das Projekt durch ein Förderprogramm zur Integration von Geflüchteten des Brandenburgischen Kulturministeriums und durch die Wilhelm-von-Türk-Stiftung.

Bis 10.12., Bildungsforum, Am Kanal 47, Potsdam, Mo-Fr 10-18 Uhr, Sa 10-14 Uhr, Eintritt frei, als Wanderausstellung konzipiert, unter Tel. 0331 20164726 Anmeldungen zu Gruppenführungen sowie Buchung der Ausstellung

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