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Velten diskutiert über eigene Schulküche

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Roland Becker / 25.11.2016, 09:47 Uhr
Velten (HGA) Geht es nach Pro Velten, dann sollte die Stadt ihre eigenen Köche haben, um Kitas und Schulen mit Mittagessen zu versorgen. Die Wählergruppe hat im Sozialausschuss vorgeschlagen, ein Konzept für das Betreiben einer eigenen Schulküche zu erarbeiten.

Zuvor aber sollen die Eltern via Kita-Ausschüssen und Schulkonferenzen gefragt werden, ob sie ein solches Projekt befürworten. Dazu wird ein Fragebogen entwickelt. Im Sozialausschuss wurde dieses Prozedere mehrheitlich von Pro Velten und CDU empfohlen. SPD, Freie Wähler und Die Linke enthielten sich der Stimme.

"Das hört sich erstmal super an", räumte Bürgermeisterin Ines Hübner (SPD) ein, um sofort ein großes Aber hinterher zu schieben: "Man muss die Auswirkungen kennen." Sie wisse nicht, wo sie eine Schulküche bauen lassen sollte und wie teuer Gebäude, Einrichtung, Lieferwagen und Personal werden würden. In derselben Sitzung hatte sie aber von einem Neubau im Kita-Bereich gesprochen. Ob darin eine Schulküche integriert werden könnte, blieb unbeantwortet. Hübner gab auch zu bedenken: "Eine Schulküche muss nicht flexibler sein und besseres Essen als Sodexo haben." Dieser Essenversorger, von dem sich Velten vor einigen Jahren nach einem Skandal mit verdorbenen Erdbeeren trennte, versorgt mittlerweile wieder die Kitas und Grundschulen. Nachdem ein zwischenzeitlicher Anbieter pleite ging, musste die Stadt mangels Bewerbungen wieder auf Sodexo zurückgreifen. Die Firma liefert vorgekochtes Essen im Cock-&-Chill-Verfahren an.

Genau das hat Pro Veltens Fraktionschef Marcel Siegert im Visier. Im Gegensatz zu Sodexo könne vor Ort frisch gekochtes Essen serviert werden. "Es gibt kürzere Wege. Das Essen sollte gesünder und hochwertiger sein", argumentierte er im Sozialausschuss. Gegenüber dieser Zeitung sprach er auch den Aspekt an, möglichst viele Zutaten regional einzukaufen. Er räumte allerdings auch ein, dass die Eltern in ihre Entscheidung einbeziehen müssten, ob ihnen das Essen aus eigener Schulküche gegebenenfalls einen höheren Preis wert ist. Für die Linke hatte Elke Bielicke nämlich vermutet: "Da wird jedes Essen einen Euro teurer."

Das dem nicht so sein muss, beweist Nachbar Kremmen. Der in der dortigen Schulküche gekochte Mittagstisch kostet für Kita-Kinder 1,80 Euro, für Schulkinder 2,10 Euro. Velten verlangt für die Kleinen 1,83 Euro, für Grundschulkinder 2,31 Euro. Schon jetzt bezuschusst Velten das Essen, das eigentlich drei Euro kostet.

So räumt auch Kremmens Kämmerin Kathrin Schönrock ein, dass der verlangte Preis nicht kostendeckend ist. Eine zusätzliche Finanzierungsquelle sei mit dem offenen Mittagstisch für alle und dem Lieferdienst erschlossen worden. So gehen nochmals rund 90 000 Essen für 3,30 und 3,80 Euro über die Theke.

Küchenchef Sebastian Lemke entkräftet auch die Befürchtung, dass Kinder mit Allergien außen vor bleiben. Die Zahl derer, die dafür ein Attest nachweisen, sei verschwindend gering. Dagegen steht, dass er auf täglich 750 zumeist zufriedene Kunden verweisen könne. Sechs Mitarbeiter sorgten für frische Kost und pünktliche Lieferung. Als es am Donnerstag Püree gab, war das nicht aus der Tüte, sondern selbst gerieben. "Wir haben 140 Kilo Kartoffeln verarbeitet", so Lemke.

Auch in der Gemeinde Oberkämer wird mittlerweile auf eine lokale Versorgung der Kinder gesetzt. Und in der Kreisstadt Oranienburg hat eine Mutter gerade eine Internetpetition für eine Schulküche gestartet.

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