Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Industriestadt Hennigsdorf

Stadtrundfahrt durch Hennigsdorf : mit Halt bei Bombardier und Bürokrom, hier im Innenhof der Druckerei.
Stadtrundfahrt durch Hennigsdorf : mit Halt bei Bombardier und Bürokrom, hier im Innenhof der Druckerei. © Foto: Julia Lehmann/MZV
Julia Lehmann / 27.07.2015, 09:53 Uhr
Hennigsdorf (MZV) Die von der Stadt organisierte Industrietour "Hinter den Kulissen" führte am Sonnabend während einer Bustour zu Hennigsdorfer Unternehmen. Die Produktionsstätte von Bombardier und die Druckerei Bürokom öffneten ihre Türen für die Teilnehmer.

Die Hennigsdorfer kennen und lieben ihre Stadt. Einige der Teilnehmer der Stadtrundfahrt am Sonnabendvormittag sind dort aufgewachsen und haben zu DDR-Zeiten in den Hallen der Lokomotivbau-Elektrotechnische Werke (LEW) gearbeitet. Sie nutzen die Fahrt, um einen Blick in die dort nun ansässige Produktion von Bombardier, einer der führenden Hersteller von Bahntechnik, zu werfen. "Man kommt ja sonst nicht rein", sagt Evelyn van Oel. Die 63-Jährige lebt seit 15 Jahren in Hennigsdorf. Auch Winfried Müller ist neugierig. Der 76-jährige Alt-Hennigsdorfer hat bei LEW und später bei Bombardier in der Kundenbetreuung gearbeitet. "Ich bin gespannt, wie sich die Technik inzwischen verändert hat", sagt er. Demnach handelt es sich um ein anspruchsvolles Publikum, wenn es um die eigene Heimat geht.

Das bekommt Claudia Wende an diesem Sonnabend vollends zu spüren. Die Tourismuskauffrau führt die Gruppe an, informiert an wesentlichen Punkten über Geschichte und interessante Fakten. Es geht durch das Gewerbegebiet Nord, wo unter anderem Unternehmen wie Riva Stahl, Die Blechprofis oder Rheinzink ansässig sind. Hennigsdorf ist ein Industriestandort. Auch städtebaulich spiegelt sich das in den Siedlungen für die einstigen Werktätigen zu Beginn des 20. Jahrhunderts wider. Davon zeugt die heute sanierte Aktivistensiedlung in der Marwitzer Straße, 1926/27 gebaut, in der früher Stahlarbeiter lebten. Oder die Heimstättensiedlung, 1922 erbaut, in der oberschlesische, kinderreiche Familien untergebracht waren. "Diese Siedlung wird auch Eimersiedlung genannt, wegen der damals fehlenden Toiletten", informiert Claudia Wende. Doch schnell wird deutlich: Den Teilnehmern sind die Informationen, die die 26-jährige Berlinerin liefert, zu dürftig. "Man könnte noch so viel erzählen. Das kriegt sie nicht auf die Reihe", sagt eine Dame.

Bei Bombardier angekommen, dem Hauptsitz und Produktionsstandort der Region Zentral- und Osteuropa, beruhigen sich die Gemüter. Jörg Bischof, Pressesprecher, und Volkmar Pohl, stellvertretender Betriebsratsvorsitzender, stellen den Gästen den Standort des kanadischen Konzerns vor. Etwa 700 Mitarbeiter gibt es im Bereich Fertigung, etwa 1800 Ingenieure. Aktuell fertigt das Unternehmen unter anderem Straßenbahnen für Berlin. Im Auftrag der Deutschen Bahn (DB) entstehen dort außerdem Kopf- und Mittelwagen des neuen ICx, der Arbeitstitel für den neuen Hochgeschwindigkeitszug. In einer Halle sind zwei aufgebockte, noch hohle Wagenkästen zu sehen. Momentan entsteht erst die Vorserie, die ein Jahr lang auf Fehler und Mängel getestet wird, berichtet Jörg Bischof. "Meist sind es Software-Probleme", sagt der 33-Jährige. Vorab eine Vorserie zu fertigen, bei der zunächst zehn Züge produziert werden, sei zwar teurer, habe aber den Vorteil, dass Fehler in der Hauptserie korrigiert werden können, so Bischof. Je nach aktuellen Bedarf der DB werden anschließend 130 bis 300 neue Züge gebaut.

Das Problem mit den immer mal wieder versagenden Klimaanlagen in ICE-Zügen interessiert auch einige. "Das Temperaturspektrum wird beim ICx deutlich größer sein", sagt Bischof. Somit bewältigen die Anlagen auch besonders hohe und tiefe Temperaturen. Nach einiger Fachsimpelei mit den ehemaligen LEW-Mitarbeitern geht es zu den Räumen von Bürokom.

Der Büroausstatter befindet sich im denkmalgeschützten Gebäude der alten AEG-Feuerwache in der Neuendorfstraße, das 1917/18 entstand. Wolfgang Hammer, einer der Geschäftsführer, berichtet über die Geschichte der Räumlichkeiten. Auf Peter Behrens, Architekt des Gebäudes, gehen auch die Logos der AEG zurück. Im Laufe der Jahre haben sich diese sichtlich verändert.

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2018 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG