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Mit Daten-Turbo ins weltweite Netz

Blick ins Innere eines Verteilers: Die Technik ist kompliziert. Glasfaserkabel sichern das schnelle Internet. Je dichter sie an den Hausanschluss rücken, desto besser ist die Verbindung
Blick ins Innere eines Verteilers: Die Technik ist kompliziert. Glasfaserkabel sichern das schnelle Internet. Je dichter sie an den Hausanschluss rücken, desto besser ist die Verbindung © Foto: picture alliance / dpa
Oliver Schwers / 30.11.2016, 06:55 Uhr
Angermünde/Schwedt (MOZ) Rund 41 Millionen Euro soll der Ausbau des Breitbandnetzes in der Uckermark kosten. Ziel ist es, die Internetgeschwindigkeit drastisch zu erhöhen. Bislang düsen nur 38,9 Prozent aller Haushalte auf der Überholspur. Damit liegt der Kreis unter dem Landesdurchschnitt.

Der bisherigen Ausbaustufen des Breitbandnetzes haben dafür gesorgt, dass die Uckermark kräftig auf der Datenautobahn aufholen konnte. Mindestens die Hälfte aller Haushalte kommen auf ein Tempo von rund 50 Megabit pro Sekunde im Download. Das klingt zwar schon gut, bleibt aber noch hinter dem Brandenburger Durchschnitt. Und die Ansprüche steigen jedes Jahr weiter. Fernsehen, einkaufen, arbeiten, Flüge bestellen, Tickets reservieren, telefonieren - alles geschieht übers Internet. Das Zeitalter der Kommunikation bringt ständig neue Anforderungen an die Netzleistung mit sich. Alles unter 30 Megabit pro Sekunde gilt daher schon als unterversorgt.

Durch eine besondere Bundesförderung ist es jetzt möglich geworden, eine Marktanalyse zu erstellen. Deren Ergebnisse liegen vor. Damit wissen die Fachleute, wo sich die weißen Flecken in der Uckermark befinden. Fazit: Überall verteilt. Einen besonders hohen Ausbaubedarf gibt es demnach im Schwedter Bereich, im Angermünder Umland, im Raum Templin sowie in den Ämtern Brüssow, Gerswalde und Gramzow. Doch auch in den Ämtern Oder-Welse, Gartz und Boitzenburger Land sind erhebliche Investitionen notwendig.

Einige Bereiche übernehmen private Netzbetreiber auf eigene Kosten. Das geschieht meist in den Bereichen, wo es sich wirtschaftlich rechnet - also in dicht besiedelten Stadtgebieten. Um das Umland nicht abzuhängen, hat der Bund ein Finanzpaket als Förderung für alle Kommunen geschnürt. Daran beteiligt sich die Uckermark mit insgesamt zwei Anträgen - einmal das Kreisgebiet und einmal das Schwedter Stadtgebiet. Der eigene Antrag des Amtes Gartz wurde in das Uckermark-Konzept integriert.

Insgesamt kommen die Ausbaupläne auf Investitionskosten von rund 41,5 Millionen Euro. Rund ein Viertel davon entfallen auf Schwedt. In Millionenhöhe dürften auch Angermünde und Templin mit ihren Umlandgemeinden von der Netzverbesserung profitieren.

Gefördert wird die sogenannte Wirtschaftlichkeitslücke, also nur die Gebiete, bei denen sich ein privater Ausbau nur schwer lohnt. Den Rest müssen die Betreiber selbst ausbauen. Damit verbleibt immerhin noch ein Förderbedarf von 38,5 Millionen Euro in der Uckermark.

Die Hälfte davon bezahlt der Bund. Knapp 16 Millionen Euro schießt das Land Brandenburg dazu. Nach Angaben von Kreisdezernent Karsten Stornowski gibt es bereits eine schriftliche Zusage für die Landesmittel. Die verbleibenden zehn Prozent teilen sich die Kommunen und der Landkreis je zur Hälfte. Dazu soll mit allen Gemeinden ein öffentlich-rechtlicher Vertrag geschlossen werden. Auf den Kreis würden 1,4 Millionen Euro Eigenanteil entfallen. Schwedt müsste 450 000 Euro aus der Stadtkasse zuschießen, Angermünde käme auf rund 215 000 Euro. Gemeinden mit Haushaltssicherungskonzept müssen gar nichts dazugeben. Hier springt ebenfalls das Land ein. Das würde zum Beispiel verschuldete Teile des Amtes Oder-Welse betreffen sowie die Gemeinde Boitzenburger Land oder die Stadt Lychen.

Die Planer haben jede einzelne Ortschaft unter die Lupe genommen. Ergebnis: Die technischen Schwierigkeiten sind größer als bisher angenommen. Das liegt an den bereits vorhandenen Netzen und an den Kabelverzweigern. Gemeint sind die überall an Straßen sichtbaren Schaltschränke. Je weiter ein Hausanschluss davon entfernt ist, desto geringer die Breitbandleistung. Steht also ein Verteiler am Ortseingang, was bei früheren Telefonanschlüssen kaum ins Gewicht fiel, dann haben die Häuser am anderen Ende des Dorfes das Nachsehen.

Die Marktanalyse hat nun ermittelt, welche Gebiete die sieben in der Uckermark existiererenden Netzbetreiber von sich aus in der nächsten Zeit ausbauen wollen. Dort fließen keine öffentlichen Zuschüsse. Was als weiße Flecken auf dem Breitbandatlas zu sehen ist, fällt in die Förderung. Nach gegenwärtigem Stand müssen im Landkreis - ohne das Schwedter Stadtgebiet - 157 neue Kabelverzweiger gebaut werden. 21 vorhandene lassen sich überbauen. Allein 26 sind im Templiner Raum notwendig, 17 in Angermünde, 11 in Gartz.

"Jede Gemeinde bekommt eine Zuarbeit, wo was gemacht wird", erläutert Karsten Stornowski. "Wir streben auch an, dass später in den Gewerbegebieten 100 Megabit pro Sekunde anliegen."

Die Kreisverwaltung geht davon aus, dass Mitte 2017 die öffentliche Ausschreibung der Bauleistungen starten kann. Eine Genehmigung könnte Ende des Jahres vorliegen, so der Zeitplan. Die Erdarbeiten und der Neubau der Schaltschränke dürften damit nicht vor 2018 beginnen. Das Schwedter Stadtgebiet soll dabei als ein gesondertes Baulos ausgeschrieben werden.

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