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Konsequenzen für Fischer gefordert

Übergabe: Dik de Boef, Horst Seferens und Günter Morsch (v.l.) brachten der OVG 14 127 Unterschriften. Kurz darauf öffnete sich die Bürotür von OVG-Chef Klaus-Peter Fischer.
Übergabe: Dik de Boef, Horst Seferens und Günter Morsch (v.l.) brachten der OVG 14 127 Unterschriften. Kurz darauf öffnete sich die Bürotür von OVG-Chef Klaus-Peter Fischer. © Foto: MZV/Klaus D. Grote
Klaus D. Grote / 30.11.2016, 10:26 Uhr - Aktualisiert 30.11.2016, 13:22
Oranienburg (OGA) Die Abweisung von Vertretern der Gedenkstätte Sachsenhausen durch OVG-Geschäftsführer Klaus-Peter Fischer hat am Dienstag hohe Wellen geschlagen. Abgeordnete verlangten Konsequenzen. Der Landrat fordert zum Gespräch auf.

Er bedauere, dass Fischer die von Direktor Günter Morsch überbrachten rund 14 000 Unterschriften für eine bessere Busverbindung der Gedenkstätte nicht persönlich in Empfang genommen habe, sagte Landrat Ludger Weskamp (SPD). Er kritisierte den Ton, mit dem Fischer die Besucher abgefertigt hatte. Der Chef der Oberhavel Verkehrsgesellschaft hatte wörtlich gesagt: "Ich freue mich nicht über ihren Besuch." Morsch war in Begleitung von Dik de Boef, Generalsekretär des Internationalen Sachsenhausen Komitees, gekommen. Weskamp forderte Fischer auf, mit der Gedenkstättenleitung zu reden.

Tatsächlich rief Fischer noch am selben Tag dort an, um einen Termin zu vereinbaren. Entschuldigt habe er sich nicht, sagte Morsch. Er gehe aber davon aus, nun in einen konstruktiven Dialog treten zu können. Die Gedenkstätte fordere seit zehn Jahren eine bessere Busanbindung. "Die Unterschriftenaktion war unserer Not geschuldet", sagte Morsch. In diesem Jahr werden 700 000 Besucher ins ehemalige KZ Sachsenhausen kommen. Der Ort ist damit die wichtigste Gedenkstätte Brandenburgs und landesweit einer der am meisten besuchten Orte.

Die Grünen-Landtagsfraktion forderte Konsequenzen. Es könne nicht sein, dass der Chef eines lokalen Verkehrsbetriebs der Gedenkstättenleitung die Tür vor der Nase zuschlage, sagte die kulturpolitische Sprecherin Marie Luise von Halem. Sie sprach von einem "ungeheuerlichen Vorgang".

Die Linke-Fraktion des Kreistags warf Fischer fehlendes Taktgefühl und mangelndes Geschichtsbewusstsein vor und wies darauf hin, dass sie mehrfach eine bessere Busanbindung gefordert habe, dabei aber jedes mal auf "taube Ohren" beim Landrat und der Kreistagsmehrheit gestoßen sei. (Seite 3)

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Piefke Saga 02.12.2016 - 23:05:11

Mal ein bißchen um die Ecke gedacht ...

Wer weiß, vielleicht ist ein einfacher und zügiger Transport der Besucher hin zur Gedenkstätte und zum Bahnhof zurück gar nicht gewollt? Wenn die Touristen, die Besucher kommen und zu Fuß zur Gedenkstätte gehen, es ist heiß, die Sonne sticht herunter, die Leute sollen auch was sehen von der Stadt ... Weiß zwar nicht, was soll toll zu sehen wäre, aber, links und rechts des Weges sind Gaststätten, Imbißstuben u.a.m. Touristen sind/werden durstig, hungrig, wollen ein Eis schlecken und und und Touristen sollen Geld zurücklassen. Rein in den Bus am Bahnhof, raus aus dem Bus an der Gedenkstätte und umgekehrt. Kein Verweilen auf der Strecke bei einem Bierchen, bei 'ner Currywurst , bei 'nem Eis, keiner verdient was. ... vielleicht die, die sich an/bei der Gedenkstätte um das leibliche Wohl der Besucher kümmern. „Honi soit qui mal y pense“.

Benno Koch 01.12.2016 - 22:26:28

Gedenkstätten: Der unbekannte Tourismus in Brandenburg

„In diesem Jahr werden 700.000 Besucher ins ehemalige KZ Sachsenhausen kommen. Der Ort ist damit die wichtigste Gedenkstätte Brandenburgs und landesweit einer der am meisten besuchten Orte“ - und die Tourismus Marketing Brandenburg zählt diese Besucher als „Touristen“ und machte in der Studie zum „Ausflugsverhalten der Berliner“ die Stadt Oranienburg jahrelang zum „Ausflugsziel“ Nummer 1 in Brandenburg. Ganz richtig war das schon damals nicht. Der Gedenkstätten-Tourismus ist in Brandenburg einer der wichtigsten Umsatzbringer. Das gilt nicht nur für Oranienburg, sondern auch für Fürstenberg (Havel). Auch dort sind die Mehrzahl der Touristen keine „Wassersportfreunde“, sondern Besucher des ehemaligen KZ Ravensbrück. Und es sind Massen von jungen Leuten aus aller Welt, die mit dem Regionalexpress RE5 von Berlin nach Oranienburg oder nach Fürstenberg pendeln. Ein Nahverkehrskonzept mit Bus und Bahn kann ich bei beiden Gedenkstätten nicht erkennen. Im konkreten Fall Oranienburg liegt das Problem auch noch darin, dass der Bus 804 vom Bahnhof Oranienburg zum ehemaligen KZ Sachsenhausen mit dem Ziel „Malz“ beschriftet ist – das interessiert 99 Prozent der Bus-Fahrgäste leider gar nicht. Und dann fährt der Bus vom Bahnhof Oranienburg zunächst auch noch in Richtung Süden, obwohl Sachsenhausen im Norden liegt – das versteht vor Ort keiner und ich werde oft danach gefragt, wo der Bus nach Sachsenhausen abfährt. Ganz zufällig fährt jener Bus 804 auch noch fast zeitgleich vom Bahnhof Oranienburg in Richtung Norden zur Rewestraße. Und nicht zuletzt ist der Abfahrtsort vom Bus 804 in der VBB-App mit „Gl. 3“ angegeben - „Gleis“ ist schon nicht das richtige Wort für eine Bushaltestelle und „3“ stimmt leider auch nicht, sondern gegenüber. Im Ergebnis saß ich in diesem Bus 804 nach Malz in diesem Jahr schon mehrfach fast alleine. Wo liegt also das Problem? Leider fahren Leute wie der OVG-Geschäftsführer Klaus-Peter Fischer oder die Entscheider des VBB in der Realität privat nicht ÖPNV – falls es anders wäre, würden sie viele kleine Probleme jeden Tag bemerken und in den meisten Fällen kostenneutral sofort selbst lösen. Weil es gerade aktuell ist: Ich habe mir gerade mal das ehemalige KZ Auschwitz angesehen. Auch dort kommen Millionen Gäste aus aller Welt zum Gedenken hin. Und auch in Auschwitz sind es überraschenderweise sehr wenige Deutsche. Wie mir eine Verkäuferin im Buchladen der Gedenkstätte meinen Eindruck bestätigte. Aber anders als in Brandenburg pendeln zwischen den Gedenkstätten in und um Auschwitz und aus Krakow nach Auschwitz jeden Tag vermutlich hunderte Busse im Linienverkehr manchmal im Minutentakt. Brandenburg sollte sich endlich zum ÖPNV und Bus- und Bahn mit Taten bekennen und nicht noch 80 Millionen Euro pro Jahr aus den Regionalisierungsmitteln des Bundes in diesem Fall vom Schienenverkehr wegnehmen. Und die Landkreise in Brandenburg müssen Busverkehre endlich als Ergänzung des Schienenverkehrs und nicht als ungetakteter Parallelverkehr mit Zufalls-Charakter verstehen. Dann würde im Fall von Oranienburg der Bus 804 im 20 Minutentakt an jede S-Bahn in Oranienburg Anschluss haben. Und durch mehr Fahrgäste würde sich die Neuorganisation der Busverkehre in Brandenburg in vielen Fällen sogar selbst durch höhere Fahrgeldeinnahmen tragen. Daran haben die lokalen Busunternehmen aber ganz offensichtlich kein Interesse – siehe meist leere Überlandbusse, aber die Fahrradmitnahme wird fast immer verweigert.

Piefke Saga 01.12.2016 - 16:27:45

Ich würde gerne wissen, warum Herr Fischer sich so verhalten hat.

Warum ist man bis heute nicht auf die Forderung einer besseren Busverbindung eingegangen? ... bitte die Gründe, der Artikel hängt irgendwie in Luft, ist eigentlich nichtssagend, leider. Ich könnte mir z.B. vorstellen, dass man wenigstens während der Sommerzeit, also wenn die meisten Gäste kommen, eine für alle Gäste auffällig sichtbare Anlaufstelle am/im Oranienburger Bahnhof als Erstbetreuung einrichtet. Jedes Jahr sehe ich immer wieder Reisende, die verschiedenste Probleme haben, Orientierungsprobleme, einfach ... wie geht's weiter?, irgendwie gesundheitlich nicht so fit sind usw. u.s.f. ... es sind nun mal viele ältere Gäste, Besucher unter ihnen. Ich denke, so manche Probleme betreffend der Busverbindung sind dadurch verursacht, weil die Leute, nachdem sie aus dem Zug ausgestiegen sind, gerne jemanden hätten, der ihnen kurz zeigt wie es weitergeht, der sich um sie kümmert, wenn es Problemchen gibt. So manches kleine Chaos und Missverständnisse könnten dadurch vermieden werden.

Andreas Henze 01.12.2016 - 09:36:30

Herzlich willkommen

Ich finde, dass es schon sehr beschämend ist, wie wir mit unseren Gästen umgehen. Unsere Stadt ist nicht in der Lage eine vernünftige Lösung für eine ordentliche Verkehrsanbindung zu sorgen. Viele Besucher vieler Nationen tragen es in die Welt hinaus, wie Gastfreundlich die Stadt Oranienburg ist - TOLL. Sicher soll der Geschäftsführer einmal Stellung zu seinem Verhalten nehmen und vernünftige Worte zu seiner Rechtfertigung finden, ansonsten ist er in dieser Vergesellschafte wohl Fehl am Platze! Aber in aller erster Linie ist doch wohl unsere Politik gefragt!!! Um allen Schickimicki wird ein Drama gemacht! Nur nicht um das wesentliche! Vielleicht sollten die Schilder an den Ortseingängen demontiert werden, die unsere Gäste begrüßen und Partnerschaften darstellen, denn diese Aussagen sind ja wohl gelogen.

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