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Ortsvorsteher Heinz Ließke (Freie Wähler) zieht es in den Bundestag

Sein bisheriges Reich zählt tausend Einwohner: Seit drei Jahren ist Heinz Ließke Ortsvorsteher von Wensickendorf. Nun will er politisch ganz nach oben.
Sein bisheriges Reich zählt tausend Einwohner: Seit drei Jahren ist Heinz Ließke Ortsvorsteher von Wensickendorf. Nun will er politisch ganz nach oben. © Foto: MZV
Tilman Trebs / 19.09.2017, 09:32 Uhr
Wensickendorf (OGA) Rechts, links? Für die Freien Wähler ist die politische Topografie nicht interessant. "Wir haben Konservative, Liberale und Linke in unsren Reihen. Gemeinsam wollen wir etwas für die Bürger erreichen", sagt Heinz Ließke. Bislang ist er Ortsvorsteher in Wensickendorf. Am Sonntag steht er für den Bundestag zur Wahl.

Wer auf der Suche nach einer funktionierenden Demokratie ist, wird in Wensickendorf fündig. Ungefähr tausend Einwohner zählt der Oranienburger Ortsteil. Wenn dort der Ortsbeirat tagt, ist der Saal des Seniorenclubs in aller Regel voll. Was besprochen werden muss, wird besprochen. Was offen bleibt, schreibt sich Ortsvorsteher Heinz Ließke (Freie Wähler) auf, reicht die Fragen an die zuständigen Stellen weiter, erklärt in der nächsten Sitzung, was er und seine zwei Ortsbeiräte in der Zwischenzeit erreicht oder auch nicht erreicht haben. Manche Themen, wie der noch immer nicht gebaute Radweg nach Wandlitz oder die miserable Internetversorgung im Dorf ziehen sich wie ein roter Faden durch die inzwischen dreijährige Amtszeit des Ortsvorstehers. "Wichtig ist doch, sich mit den Wünschen der Bürger zu beschäftigen, sie ernst zu nehmen und mit ihnen offen darüber zu reden, was machbar ist und was nicht." Genau das erwartet der 63-Jährige, der in der DDR Mitglied der SED und danach parteilos war, auch von den Bundespolitikern. Jetzt stellt er sich selbst zur Wahl, für die Freien Wähler, bei denen er sich seit 2008 engagiert.

Seine Chancen sind überschaubar. Das weiß Ließke. In Umfragen haben die Freien Wähler bislang keine nennenswerte Rolle gespielt. "Trotzdem treten wir in Brandenburg mit Direktkandidaten an. Schon, um zu zeigen, dass wir eine anständige Alternative sein können", sagt der Wensickendorfer. Sein Thema ist die innere Sicherheit. Kein Wunder. Zeit seines Lebens stand Ließke im Dienste der Polizei. Seit drei Jahren genießt er seinen Ruhestand. Ließke fordert mehr Polizeipräsenz - auch auf den Dörfern. "Straftäter werden immer noch von Ermittlern gefasst und nicht von Computern. Die Bürger müssen endlich wieder spüren, dass sich die Polizei mit Einbrüchen beschäftigt und nicht nur die Versicherung." Es dürfe nicht sein, dass die Politik in vermeintlich friedlichen und ruhigen Zeiten Stellen bei der Polizei abbaut. Überlegungen, wonach die kommunalen Behörden der Polizei Aufgaben abnehmen könnten - zum Beispiel bei Ruhestörungen oder Verkehrsunfällen -, sieht der Wensickendorfer kritisch. "Das Gewaltmonopol liegt bei der Polizei. Die Ordnungsämter sind technisch und personell gar nicht ausgestattet, für die Polizei einzuspringen." Was Ließke außer der Personalnot bei der Polizei unter den Nägeln brennt, ist der unzureichende Informationsaustausch zwischen den jeweilen Bundesländern. "Es ist immer noch so, dass die eine Landespolizei nicht auf die Information der anderen zugreifen kann, weil alle mit unterschiedlichen EDV-Systemen arbeiten. Das muss vereinheitlicht werden", fordert der Ex-Polizist. Auch müssen relevante Daten über Terrorverdächtige allen ermittelnden Behörden zur Verfügung gestellt werden. Bei der Terrorbekämpfung solle die Polizei enger mit Nachrichtendiensten zusammenarbeiten.

Zudem spricht sich Ließke dafür aus, dem Thema Videoüberwachung offener gegenüber zu stehen. "Natürlich verhindert sie nicht unbedingt Straftaten, aber sie hilft, Straftaten aufzuklären. Und an öffentlichen Plätzen kann sie auch für mehr Sicherheit sorgen, wenn wir Straftätern nicht andauernd signalisieren, dass wir sie nicht filmen wollen." Den Datenschutz hält Ließke zwar für ein hohes Gut. "Es ist aber merkwürdig, dass Facebook und Google mehr über den Bürger wissen dürfen, als die staatlichen Organe. Da stimmt etwas nicht."

Was den Bundestagswahlkampf in Oberhavel und dem östlichen Havelland betrifft, hat Ließke vor allem den öffentlichen Nahverkehr im Blick. "Wir müssen mehr Pendler auf die Schiene bringen. Die Belastung von Autobahnen und Bundesstraßen ist zu hoch." Priorität habe die Reaktivierung der S-Bahn nach Velten und der Heidekrautbahn auf ihrer Stammstrecke. "Beide Verbindungen wiederherzustellen ist wirtschaftlich und technisch ohne große Probleme machbar." Wichtig sei, dass die Züge und Busse auch zu später Stunde für Schichtarbeiter erreichbar sind. Einsetzen will sich Ließke für dezentrale Lösungen bei der Abwasserenstorgung und für einen besseren Breitbandausbau. In Wensickendorf sind Übertragungsraten von vier Megabit pro Sekunde zurzeit das höchste der Gefühle. "Das ist ein absolutes Problem und ein Standortnachteil für unsere Unternehmen. Sie können ja kaum eine E-Mail mit einem größeren Anhang verschicken." Überhaupt die kleinen Firmen. Ließke findet, dass sie mit viel zu vielen bürokratischen Aufgaben belastet werden. "Das ist nicht nötig. Die Berichtspflichten können drastisch reduziert werden", meint er.

Wie immer die Wahl am Sonntag ausgeht, der Vater von zwei leiblichen und zwei angeheirateten Kindern sowie Opa von sechs Enkeln will in jedem Fall Ortsvorsteher in Wensickendorf bleiben. Den Wahlausgang verfolgt er im Urlaub in Österreich.

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