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Anhaltender Aufschwung im Osthavelland

"Wie ist der Stand und wie soll es weitergehen mit der Gewerbe- und Wohnflächenentwicklung im östlichen Havelland?" Mit dieser Frage beschäftigten sich Vertreter von Kommunen und Unternehmen auf dem 10. Regionalforum Wirtschaft.
"Wie ist der Stand und wie soll es weitergehen mit der Gewerbe- und Wohnflächenentwicklung im östlichen Havelland?" Mit dieser Frage beschäftigten sich Vertreter von Kommunen und Unternehmen auf dem 10. Regionalforum Wirtschaft. © Foto: Achilles
Stephan Achilles / 30.11.2016, 20:51 Uhr
Dallgow-Döberitz (MOZ) Wegen seiner Lage im Herzen Europas und vor den Toren Berlins ist das Osthavelland in den letzten Jahren zu einer starken Wirtschaftsregion geworden. Bevölkerung und Wirtschaft wachsen überdurchschnittlich. Hier gibt es erstklassige Verkehrsanbindungen über Autobahnen, Schienenwege und Wasserstraßen, Flächen für Gewerbeansiedlungen und - besonders wichtig - gut ausgebildete, fleißige Menschen.

Um diese Entwicklung auf den richtigen Bahnen weiter voranzutreiben, haben sieben Städte und Gemeinden der Region zusammen mit dem Landkreis Havelland 2010 die "Kommunale Arbeitsgemeinschaft Wirtschaftsregion Osthavelland" gegründet. Gemeinsam suchen Falkensee, Ketzin, Nauen, Brieselang, Dallgow-Döberitz, Schönwalde-Glien, Wustermark und der Landkreis Havelland nach geeigneten Flächen für Gewerbegebiete, unterstützen Investitionsvorhaben und potenzielle Unternehmer.

Über Schwerpunkte wird auf Veranstaltungen, wie dem "10. Regionalforum Wirtschaft" am vergangenen Dienstag in Dallgow-Döberitz, informiert. Thema dieser Veranstaltung war die Entwicklung der Gewerbe- und Wohnflächen im Osthavelland. Etwa 55 Personen, darunter Vertreter der Städte- und Gemeindeverwaltungen sowie Unternehmer, insbesondere aus der Immobilienbranche, waren der Einladung des Landrats gefolgt.

In der Begrüßung verdeutlichte Landrat Roger Lewandowski die rasante Entwicklung der Region in Zahlen und Fakten. So sei die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten von 2008 bis 2015 um 27,4 Prozent auf 27.671 Personen gestiegen. Besonders hohe Zugewinne hätten Brieselang, Wustermark und Nauen wegen der Ansiedlung großer Unternehmen in den Güterverkehrszentren (GVZ) und der fast vollständigen Vermarktung des Gewerbegebiets Nauen Ost zu verzeichnen.

Während viele Regionen in Deutschland schrumpften, überträfe das Bevölkerungswachstum alle bisherigen Prognosen. "Bei einer Betrachtung der Bevölkerungsentwicklung von 1990 bis zum Jahr 2015 wird deutlich, dass die sieben Kommunen im östlichen Havelland um enorme 64,2% gewachsen sind, sprich von 64.061 auf nunmehr 105.207 Einwohner", führte Roger Lewandowski aus. Er verwies aber auch auf die damit verbundenen Herausforderungen durch Pendlerströme, Verkehrsprobleme, steigende Baulandpreise und der Verknappung von Gewerbeflächen.

Merten Klementz von der complan Kommunalberatung GmbH referierte über die Aussichten der Gewerbe- und Wohnflächenentwicklung im östlichen Havelland. Demnach wird ein weiterer Anstieg der Bevölkerungs- und Beschäftigtenzahlen erwartet. Das Wohnungsbaupotenzial sei aufgrund der vorhandenen Areale zwar groß, jedoch stünden kurzfristig zu wenig erschlossene Flächen zur Verfügung. In den zentralen Gewerbegebieten der Region sei ein Rückgang der verfügbaren Grundstücke von 23% in 2011 auf 14% in diesem Jahr festzustellen. Investorenanfragen könnten kaum noch bedient werden. Eine Erweiterung der Gewerbegebiete und mehr Wohnraum seien erforderlich.

Grundsätzliche Probleme bei der Wohnbauentwicklung erläuterte Tibor Desczyk von der Immobilienfirma Allancons. In den sehr allgemein gehaltenen Ausführungen gab es leider so gut wie keine Informationen über konkrete Wohnungsbauprojekte in der Region, woraufhin sich einige Besucher zum vorzeitigen Verlassen der Veranstaltung entschieden.

Über die aktuelle Gewerbeflächenentwicklung sprach Rüdiger Hage von der Infrastruktur- und Projektentwicklungsgesellschaft mbH. Im Fazit stellte auch er fest, dass sich die Region, insbesondere der Standort des GVZ, in den letzten Jahren sehr dynamisch entwickelt hat. In einem Ranking der größten und besten Logistikstandorte Europas stehe Wustermark derzeit auf Platz 17 und hätte gute Aussichten in den nächsten Jahren unter die TOP10 zu gelangen. Derzeit gelten im GVZ Berlin West Wustermark 3.400 Arbeitsplätze als gesichert, für den Endausbau würden 4.500 prognostiziert. Neben Rossmann hätte sich gerade ein weiterer großer Drogeriemarkt zur Ansiedlung für das I. oder II. Quartal 2017 entschlossen. Am Standort GVZ Berlin West Brieselang, der durch Betriebe wie Amazon, Zalando und Rigips geprägt ist, seien aktuell 2.800 bis 3.000, saisonal sogar bis 4.000 Arbeitsplätze möglich. Für die Entwicklung dieses Gewerbegebietes existieren noch verfügbare Freiflächen. Im Mosolf Technik- und Logistikzentrum Etzin, bisher ausschließlich durch die Mosolf-Gruppe selbst genutzt, gäbe es seit kurzem auf ca. acht Hektar eine Ansiedlung der Versandfirma Hermes. Der Blick in die Region zeige, dass auch die Gewerbegebiete in Nauen Ost, Zeestow Falkensee Süd, Elstal (DEMEX), Schönwalde-Glien (MAFZ und Perwenitz) gut ausgelastet seien und sich der Trend fortsetze, führte Rüdiger Hage aus.

Nach seiner Einschätzung gelte es jetzt, noch etwa 50 bis 70 Hektar Netto-Ansiedlungsfläche im Osthavelland zu schaffen und mit den erforderlichen Planungen umgehend zu beginnen. Hage verwies aber auch auf die erforderlichen Maßnahmen zur Sicherung der Standorte. Die Arbeitskräftebereitstellung bezeichnete er als wichtigste Zukunftsfrage. Bezahlbarer Wohnraum, Schulen, Kitas müssten von den Kommunen ausreichend bereitgestellt werden. Dazu sollten die Unternehmen in die soziale Infrastruktur der Kommunen eingebunden werden. Der Infrastrukturausbau, die Schaffung von Entlastungs- und Umgehungsstraßen müssen im Fokus der Kommunen und des Landkreises stehen.

In einer abschließenden Diskussionsrunde verwies Landrat Roger Lewandowski auf die Notwendigkeit der Zusammenarbeit der Kommunen und der Mitsprache der dort lebenden Bürger. Bei der rasanten Entwicklung gelte es, die Frage "Wo möchten wir hin und wie können wir das gemeinsam mit den Menschen in den Städten und Gemeinden erreichen?" immer im Auge zu behalten.

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