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Mit einer großen Portion Biss

Till Mette
Till Mette © Foto: privat
Ute Jahnke / 12.12.2016, 21:43 Uhr
Falkensee (MOZ) Am Sonntag gab es im Falkenseer "Kronprinz" wieder etwas zu lachen. Star-Cartoonist Til Mette, dessen bekannte Zeichnungen seit Jahren im "Stern" erscheinen, kam auf Einladung der Partei "Die PARTEI" zur Veranstaltung "Satire am Abend" und erläuterte einige seiner Tier-Cartoons, die in seinem neuesten Band zu finden sind, der den sehr langen, aber selbsterklärenden Titel "Til Mette erklärt die ganze bekloppte Welt am Beispiel von Tiercartoons" trägt. Da er Cartoons mit Tieren in seiner Laufbahn nur sehr selten gezeichnet hat, wird im Buch tatsächlich eine Ansammlung aus mehreren Jahrzehnten vereint.

Dass ein Cartoonist seine Werke "vorliest", ist auf den ersten Blick ungewöhnlich. Til Mette lernte dies 2015 in Berlin beim ersten Cartoon-Lese-Festival der Welt ("24H Cartoon") kennen und fand Gefallen daran. Vor Publikum liest er nicht einfach bloß die Sprechblasen vor, sondern erzählt auch noch die Vor- und Nachgeschichte der jeweiligen Zeichnung. Denn häufig greift er Geschehnisse aus den Tagesnachrichten auf und setzt diese - mal mehr, mal weniger direkt - um.

Als zum Beispiel ein Gefängnisausbruch in den Nachrichten war, zeichnete er einen Gefangenen, der von seinem Wellensittich im Flug über die Gefängnismauern getragen wird. Dass sich kinderlose Paare ein Haustier als Ersatz anschaffen, dreht Mette ins Lustige um: Zu einem Passanten sagte der Mann über seinen Hund: "Er ist adoptiert. Meine Frau kann keine Hunde bekommen." Und passend zur diesjährigen Wildschweinjagd im Havelland, die nicht jedes Mal so erfolgreich verläuft wie erhofft, zeigte er zwei Jäger, die gelangweilt ohne Beute dastanden und der eine sagt: "Ich hab' kein Bock mehr. Lass uns doch einfach den Hund abknallen."

Als Cartoonist muss man immer vorsichtig sein und überlegen, ob man mit einer eigentlich nur lustig gemeinten Szene eine Welle der Empörung auslösen könnte. Doch offensichtlich haben sich fremdenfeindliche Sachsen denjenigen Cartoon nicht vollständig angeschaut, auf dem ein Hund am Hosenbein eines Passanten schnuppert, und dessen Frau belanglos meint: "Er riecht wahrscheinlich noch den Brandbeschleuniger an seiner Hose", während im Hintergrund ein Schild mit der Aufschrift "Sachsen" sowie ein brennendes Gebäude zu sehen sind.

Dem Frankfurter Satire-Magazin "Titanic", dessen Redakteure die PARTEI gegründet haben, fühlt sich Til Mette schon lange "sehr verbunden". "Ich bin mit der "Titanic' groß geworden", sagte der Zeichner. Vor etwa dreißig Jahren wollte er seine Zeichnungen dort sogar gerne veröffentlichen, doch waren sie der damaligen Redaktion nicht bissig genug. Es folgten Zeiten bei der Bremer Taz, bevor Mette einen Exklusiv-Vertrag mit dem "Stern" abschloss.

Am Samstag, 14. Januar, um 19 Uhr geht die Satire am Abend weiter mit Gerhard Henschel und Wenzel Storch - mit dem ungewöhnlichen Titel "Ein Gottesdienst mit Heimorgel, Sex-Appeal und Rum-Cola". Infos: www.satire-am-abend.de.

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