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Heiner Klemp will grüner Bürgermeister werden

Macht keine halbe Sachen: Heiner Klemp will neuer Bürgermeister von Oranienburg werden.
Macht keine halbe Sachen: Heiner Klemp will neuer Bürgermeister von Oranienburg werden. © Foto: MZV/Klaus D. Grote
Klaus D. Grote / 15.12.2016, 07:35 Uhr
Oranienburg (OGA) Heiner Klemp möchte der erste hauptamtliche Bürgermeister der Grünen in Brandenburg werden. Am Mittwochabend hat ihn seine Partei zum Kandidaten nominiert. Im September tritt der 53-Jährige parallel zur Bundestagswahl an.

Am zweiten Adventswochenende fiel die Entscheidung. "Ich habe lange überlegt, ob ich es machen soll", sagt Heiner Klemp. "Wenn ich etwas mache, dann nicht nur halb, sondern richtig." Seine Frau Petra nickt zustimmend, als er das sagt. Heiner Klemp steht am Mittwochabend in der Gaststätte "Kaffeetante" vor seinen versammelten Parteifreunden. Auch zwei Piraten sind gekommen. Sie sagen Klemp später ihre Unterstützung zu - wenn er denn wolle.

Seine Kandidatur sei ein Angebot an seine Partei und an die Stadt, in der er sich seit 22 Jahren wohl fühlt, sagt Klemp. Er wolle eine "lebenswerte und bürgernahe Stadt für alle". Seine Bewerbungsrede ist strukturiert und gut durchdacht, typisch grün ist sie nicht. Klemp fordert weder Veggie-Days noch Fahrverbote, sondern spricht über Bürgerbeteiligung, eine effiziente Verwaltung, Transparenz, Wirtschaft, Verkehr und Wohnungsbau. Zur geplanten Legehennenanlage in Zehlendorf, gegen die eine Bürgerinitiative mobil macht, sagt Klemp nichts.

Zuerst erklärt der Vater zweier erwachsener Kinder, der mit seiner Frau 1994 von Reinickendorf nach Lehnitz zog, seinen Bündnisgrünen, warum er Bürgermeister werden will. Das Stadtoberhaupt müsse ein "Allrounder" sein, sich in allen Themen auskennen und sich zutrauen, eine Verwaltung mit 600 Beschäftigen zu führen. "Ich traue mir das zu", sagt Klemp. In seinem jetzigen Beruf berät der Informatiker Firmen zur Optimierung ihrer Verwaltungssoftware. Seinem Chef in Berlin müsse er noch erklären, dass er sich um ein neues Amt bemühe. In seiner Arbeitszeit sei er flexibel genug, um Zeit für den bevorstehenden Wahlkampf zu finden.

Er trete für eine lebenswerte Stadt ein, sagt Klemp wiederholt. Wichtig sei ihm vor allem, dass es mehr Bürgerbeteiligung gebe. Das viel gelobte Jugendforum sei nur einmal durchgeführt und dann nicht fortgesetzt worden. "Es wurden auch keine Beschlüsse umgesetzt", kritisiert Klemp. Für die Beteiligten sei das enttäuschend.

Klemp will eine eigene Stelle im Rathaus schaffen, die aktive Bürgerbeteiligung kontinuierlich sicherstellt. Wie das genau geschehen soll, erklärt er zwar nicht. Er sagt aber, was im Rathaus derzeit aus seiner Sicht schief läuft. So sei das Konzept zur sozialen Infrastruktur im "stillen Kämmerlein" entstanden, um es dann als "alternativlos durch die Ausschüsse zu peitschen". "Die Verwaltung muss uns sagen, wie etwas geht, statt zu sagen, dass etwas nicht geht", fordert Klemp.

Den Ämtern der Stadt will der Grüne mehr Effizienz verordnen. Manche Satzung sei zu kompliziert, mancher Verwaltungsvorgang zu umständlich, findet Klemp. Tatsächlich sei die Verwaltung die wichtigste Aufgabe eines Stadtoberhauptes. Investitionen würden schließlich von den Stadtverordneten beschlossen, nicht vom Bürgermeister. Dennoch hat Klemp auch eine erste Idee. Oranienburg brauche ein Gründerzentrum, in dem neue Dienstleistungsunternehmen gefördert werden könnten. Er will lieber viele kleine, als wenige große Unternehmen. Denn die Kommunen müssten ihre Abhängigkeit von Großunternehmen reduzieren. Klemp sagt dies mit Blick auf die Entwicklung von Bombardier in Hennigsdorf. Außerdem würden Oranienburg langsam die Flächen für die Ansiedlung großer Unternehmen ausgehen.

Klemp spricht mit Blick auf die Entwicklung Oranienburgs auch von einer "Stadt für alle". "Wir müssen Vorsorge schaffen und dürfen nicht abwarten, was passiert." Erforderlich seien hohe Investitionen in günstige Wohnungen. Die städtische Woba könne das allerdings nicht alleine stemmen. Klemp fordert, dass "endlich der Verkehrsentwicklungsplan beschlossen wird". Dazu gehöre auch ein Stadtbus, der die Kernstadt und die Ortsteile erschließt. Er wolle an dem Thema dran bleiben, verspricht er tags darauf seinem Parteifreund Hennig Schluß, der in einer Online-Petition die Verlängerung der 824-er-Buslinie zur Gedenkstätte Sachsenhausen fordert. Aus Sicht der Grünen sei natürlich der Radverkehr zu fördern, wichtig sei aber auch der Fußgängerverkehr. Klemp will "Angsträume" abschaffen, damit sich Fußgänger sicherer fühlen.

Der Kreistagsabgeordnete Andreas Wiersma sagt schließlich, Oranienburg habe einen grünen Bürgermeister verdient. Immerhin eins der anwesenden Parteimitglieder sieht das anders und stimmt gegen Klemp. Der extra angereiste Grünen-Landesvorsitzende Clemens Rostock schüttelt Klemp nach der Wahl als Erster die Hand. Dann werden Fotos geschossen.

Nach der SPD, die ihre Kandidatin Jennifer Collin schon im Juni nominierte, der Linken (Enrico Rossius) und der CDU (Kerstin Kausche) kürten die Grünen ihren Kandidaten als bislang einzige Partei öffentlich. Klemp rechnet mit weiteren Bewerbern. Die Bürgermeisterwahl soll parallel zur Bundestagwahl im September stattfinden.

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