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Konservativ, links und grün: Bundestagstrio spricht mit Schülern über Politik.

Auf Wahlkampftour für die Demokratie

Die Bundestagsabgeordneten Martin Patzelt (v.l./CDU), Annalena Baerbock (Grüne) und Thomas Nord (Die Linke) diskutieren regelmäßig mit Frankfurter Schülern über Politik.
Die Bundestagsabgeordneten Martin Patzelt (v.l./CDU), Annalena Baerbock (Grüne) und Thomas Nord (Die Linke) diskutieren regelmäßig mit Frankfurter Schülern über Politik. © Foto: MOZ/Thomas Gutke
Thomas Gutke / 22.12.2016, 05:12 Uhr - Aktualisiert 22.12.2016, 10:21
Frankfurt (Oder) (MOZ) "Diese Zusammenarbeit ist bundesweit wohl einmalig", sagt Martin Patzelt. Und vermutlich hat er recht. Denn wo sonst gehen ein Christdemokrat, eine Grünen-Politikerin und ein Linker schon mal ein Bündnis ein? Doch Martin Patzelt, Annalena Baerbock und Thomas Nord sind nicht ohne Grund über ihren parteipolitischen Schatten gesprungen. Sie machen sich Sorgen um die Demokratie im Land. Um die politische Bildung insbesondere junger Menschen zu stärken, taten sich die Berufspolitiker aus der Region daher 2014 für ein Projekt zusammen. Im Fokus stand dabei zunächst Frankfurt, wo alle drei ein Büro haben.

Seitdem war das Bundestags-Trio mehrmals an Schulen in der Stadt zu Gast, zuletzt am Dienstag am Gauß-Gymnasium. Davor an der Hutten- sowie der Kleist-Oberschule und dem Liebknecht-Gymnasium. Im Gegenzug empfingen sie auch Klassen im Bundestag oder traten gemeinsam bei Bürgergesprächen und auf Podien auf. Nach gut zwei Jahren Zusammenarbeit zogen sie nun ein positives Zwischenfazit, denn das Projekt soll fortgeführt werden. "Unsere Idee war, das gemeinsam zu machen, weil es sonst wohl auch Bedenken bei den Lehrern gegeben hätte", erklärt die Grüne Annalena Baerbock das überfraktionelle Ansinnen. "Wir machen Wahlkampf für die Demokratie, nicht für uns", betont Patzelt.

Das Grundprinzip der Gesprächsrunden ist einfach: Die Schüler - in der Regel aus den 9. bis 13. Klassen - teilen sich in Gruppen auf und dürfen dann jeden Politiker einzeln mit dem löchern, was sie interessiert und bewegt: Egal ob Brexit, Schuldenkrise oder Globalisierung, aber auch persönliche Fragen wie: Warum wird man eigentlich Berufspolitiker? Und warum ausgerechnet bei der und der Partei? "Es gab ein breites Spektrum an Themen. Ein großer Schwerpunkt waren die Flüchtlingspolitik und die Auseinandersetzung mit der AfD", berichtet Thomas Nord. Gerade das Erstarken rechtspopulistischer Parteien sowie, damit einhergehend, antidemokratische Tendenzen in Europa seien ein Stück weit die Motivation für das Projekt gewesen. Darüber hinaus gehe es aber auch um eine Normalisierung im Umgang zwischen Bildungseinrichtungen und Politik, erklärt der Bundesschatzmeister der Linken. Viele Lehrer hätten das Angebot dankend angenommen, berichtet Annalena Baerbock. Eben weil die Schüler oft ganz am Anfang ihrer politischen Meinungsbildung stünden und eine Plattform, die den Austausch zu gesellschaftlich relevanten Fragen oder aktuellen Ereignissen ermöglicht, im Unterricht meist fehle.

Die drei Politiker betonen, dass sie in vielen Fragen grundverschiedener Meinung sein. "Aber deswegen muss man sich doch als Mensch nicht Feind sein", macht Thomas Nord deutlich. Martin Patzelt ergänzt: "Uns eint unser Verständnis von Demokratie". Dazu gehörten Dinge wie: Verantwortung zu übernehmen, die Grundfreiheiten zu achten oder die stete Suche nach einem Konsens abseits von politischen Extrempositionen.

Die Verbundenheit dürfte im kommenden Jahr indes auf eine Probe gestellt werden. Denn die Bundestagswahlen stehen an. Und neben Patzelt und Nord kandidiert im Wahlkreis Frankfurt-Oder-Spree auch Alexander Gauland von der AfD. "Eine Front gegen Gauland wird es mit uns nicht geben", kündigt der frühere Frankfurter OB Martin Patzelt bereits an. Statt also vereint gegen Gauland politisch zu Felde zu ziehen, und ihm damit womöglich eine Plattform zu bieten, wolle man lieber die eigenen Inhalte nach vorn tragen und "nicht über jedes Stöckchen springen, dass uns die AfD hinhält", erklärt Thomas Nord.

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