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Steinkauz in Brandenburg: Rückkehr eines Sympathieträgers

Mit großen Augen: Peter Koch zeigt einen Kauz, der in der Voliere nahe dem Naturparkzentrum für Nachwuchs sorgt.
Mit großen Augen: Peter Koch zeigt einen Kauz, der in der Voliere nahe dem Naturparkzentrum für Nachwuchs sorgt. © Foto: MOZ/Harriet Stürmer
Harriet Stürmer / 07.01.2017, 08:38 Uhr
Blankensee (MOZ) Südwestlich von Potsdam kümmert sich ein Förderverein seit einigen Jahren um die Wiederansiedlung des Steinkauzes in Brandenburg. Mittlerweile wurden einige Jungvögel erfolgreich im Naturpark Nuthe-Nieplitz ausgewildert, erste Brutpaare haben ihre Reviere besetzt.

Bislang lässt sich der Steinkauz in den Weiten des Naturparks Nuthe-Nieplitz (Potsdam-Mittelmark) eher selten blicken. Doch zum heimlichen Star ist er dort trotzdem schon avanciert. Viele Besucher würden sich vor allem für die kleine Eule interessieren, berichtet Elisabeth Hofmann, Leiterin des Naturparkzentrums in Blankensee. "Der Steinkauz ist eben ein echter Sympathieträger." Wohl, weil er so putzig aussieht, vermutet Hofmann - mit seinem gedrungenen Körperbau, dem runden Kopf, den dunklen Knopfaugen und dem flauschigen Gefieder.

Das Naturparkzentrum wird vom Landschafts-Förderverein Nuthe-Nieplitz-Niederung betreut. Seit seiner Gründung kurz nach der Wende kümmert sich der Verein um den Schutz naturnaher Flächen in der Niederung, dem Herzstück im Norden des 600 Quadratkilometer großen Parks. Dort rasten und brüten auf Überflutungswiesen und in Bruchwäldern zahlreiche Vogelarten wie Kiebitz oder Kranich.

Bis Mitte der 1980er-Jahre war auch der Steinkauz in der Region heimisch. Noch 1989 wurden einzelne Vögel beobachtet. Allerdings waren die von den kleinen Eulen bevorzugten Lebensräume schon damals nicht mehr ausreichend vorhanden. Letztlich habe wohl die intensiv betriebene Landwirtschaft dazu geführt, dass der Steinkauz nicht mehr genügend Nahrung fand und verschwand, meint Vereinsmitarbeiter Peter Koch. Auf den riesigen Ackerflächen sei kein Platz mehr für Hecken, Sträucher, Baumreihen oder Obstwiesen gewesen. Die Tiere bräuchten aber eine klein gegliederte Landschaft. Überdies habe der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln und Insektenvernichtern dazu geführt, dass es immer weniger Insekten, Mäuse oder Regenwürmer gab, die aber ganz oben auf der Speisekarte des Kauzes stehen.

Ein Naturschutzgroßprojekt brachte die Kehrtwende. Im Zuge des von Bund und Land geförderten Projektes kaufte der Verein zwischen 1992 und 2004 in der Nuthe-Nieplitz-Niederung 3000 Hektar Land und Seen, schaffte Feuchtgebiete, pflanzte Bäume und Sträucher und etablierte eine naturverträgliche Landwirtschaft.

Vor einigen Jahren habe sich schließlich ein Vogelexperte gemeldet und darauf hingewiesen, dass die Lebensbedingungen für Steinkäuze in der Nuthe-Nieplitz-Region nun wieder hervorragend sein dürften, berichtet Vereinsmitarbeiter Koch. Daraufhin habe man 2010 ein Wiederansiedlungsprojekt ins Leben gerufen. Seit Ende 2011 wird das Vorhaben vom Land Brandenburg und der Europäischen Union finanziell gefördert.

In Deutschland gehört der Steinkauz zu den bedrohten Vogelarten. Erwähnenswerte frei lebende Populationen gibt es nur in Nordrhein-Westfalen und Hessen. Allerdings sind diese Gebiete viel zu weit entfernt für die natürliche Rückkehr der Eule nach Brandenburg. Eine Ansiedlung auf natürlichem Wege ist hierzulande in absehbarer Zeit also praktisch ausgeschlossen.

Stattdessen bemühen sich ehrenamtliche Züchter um die Nachzucht der seltenen Vögel, die später an geeigneten Standorten im einige Kilometer südwestlich von Potsdam gelegenen Naturpark ausgewildert werden. Bis es soweit ist, werden die Jungvögel in Volieren auf das Leben in Freiheit vorbereitet. Ein dreiviertel Jahr lang bleibt der Nachwuchs dort in der Obhut der Vereinsmitglieder. Die großen Käfige bleiben offen. So können sich die Käuze von dort aus ihr im Schnitt einen Quadratkilometer großes Revier erobern.

Bisher hat der Verein zehn Volieren auf einer Fläche von rund 300 Quadratkilometern errichtet. Demnächst sollen ebenso viele auf einer gleichgroßen Fläche im Rest des Naturparks folgen. Auch mobile Volieren sind geplant, sagt Peter Koch.

Bislang läuft das Projekt erfolgreich. Zur Brutsaison im Frühjahr 2016 haben die Vereinsmitglieder 15 Brutpaare gezählt, berichtet Koch. Dazu mussten alle 250 im Park verteilten Nisthilfen kontrolliert werden. Koch geht aber davon aus, dass die Population tatsächlich schon etwas größer ist und auch einige Junggesellen unterwegs sind, die erst noch ein Revier finden müssen. Ziel sei eine stabile Population mit 150 Brutpaaren, sagt er.

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