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Neue Perspektive statt Verfall

Fairmast-Vorhaben vorgestellt: Bürgermeister Frank Schütz (r.) und Odega-Chef Detlef Brauer hatten eingeladen.
Fairmast-Vorhaben vorgestellt: Bürgermeister Frank Schütz (r.) und Odega-Chef Detlef Brauer hatten eingeladen. © Foto: MOZ/Ulf Grieger
Ulf Grieger / 14.01.2017, 07:07 Uhr
Golzow (MOZ) Die Golzower Betriebs GmbH der Odega-Gruppe will die ehemaligen Kuhställe in der Genschmarer Straße zur Geflügelmastanlage nach dem Fairmast-Prinzip umbauen. 72 350 Tierplätze werden in fünf Ställen geschaffen. Der Investor informierte am Donnerstag die Einwohner über das Vorhaben.

Golzows Bürgermeister Frank Schütz hatte die Initiative zu der Informationsveranstaltung ergriffen, als bekannt wurde, dass die Odega-Gruppe in seiner Gemeinde eine in Deutschland völlig neuartige Tierhaltung realisieren will. Anders als in Sachsendorf, wo eine Berliner Tierschutzorganisation es übernommen hatte, die Bürger zu informieren und das Ganze auch gleich zu kommentieren, war es diesmal der Landwirtschaftsbetrieb selbst, der die Aufklärung und Argumentation übernahm. Odega-Chef Detlef Brauer bekannte auch, dass man die Situation in Sachsendorf falsch eingeschätzt und das Feld anderen überlassen hatte. "Wir werden aber auch noch auf die Sachsendorfer zugehen", so Brauer. In Sachsendorf werden ebenfalls alte Kuhställe zur Fairmastanlagen umgebaut. Die Gemeindevertreter hatten allerdings ihr gemeindliches Einvernehmen versagt.

Das mit dem Tierschutzverein "Vier Pfoten" entwickelte Fairmast-Verfahren erläuterte der Vertreter des Frukon-Konzerns Erlend Beltman. Der Niederländer informierte , dass die Hähnchen mehr Platz bekommen haben (elf statt 39 kg/m2), 56 statt 36 Lebenstage in den Wintergärten und auf Strohballen Möglichkeiten zu natürlicher Bewegung und Verhalten bekommen. Das werde durch "Vier Pfoten" unabhängig kontrolliert. Das somit erzeugte höherwertige Fleisch werde mit einem Siegel versehen und soll etwas teurer sein als Hühnerfleisch aus konventioneller Produktion. 98 Prozent des Geflügels soll jedoch ohne Antibiotika auskommen.

In Golzow hatten vor allem die Altbürgermeister Christian Dorn und Heinz Riedel die Befürchtungen einiger Golzower zum Ausdruck gebracht. Heinz Riedel bekannte dabei ganz offen, dass es ihm weniger darauf ankomme, ob es den Tieren mit der Fairmast-Methode besser ergehe als mit der konventionellen Mastmethode, sondern in wie weit die Golzower davon belästigt werden.

Darauf gab es ganz klare Antworten. Patrick Gerlach vom Planungsbüro SFI stellte die Belastung aus der jahrzehntelangen Milchproduktion der aus der geplanten Fairmast gegenüber. Geplant sei, dass der Stall 1, der dem Ort am nächsten liegt, leer bleibt. So kommt auch die Differenz zur erst angedachten Tierzahl zu Stande. Die drei Ställe entlang der Genschmarer Straße erhalten Wintergärten. Jeweils 13 223 Tiere werden dort gemästet. An die beiden größeren Ställe im rückwärtigen Bereich der Anlage werden ebenfalls Wintergärten gebaut. Dort werden jeweils 16 246 Tiere gemästet. Im Vergleich zu der Milchproduktion verringert sich die Zahl der Großvieheinheiten (500 kg) von 905,8 auf künftig 151,9. Die Zahl der Fahrten mit Lieferfahrzeugen verringert sich von jährlich 2053 auf 426. Die Masse an Einstreu sinkt von 7000 Tonnen auf 658, die von Festmist von 9000 auf 1520 Tonnen, wobei der Mist in der Zeit, da er nicht als Dünger genutzt werden darf, in der Biogasanlage Neuhardenberg zu Erdgas verwandelt wird. Die Ammoniakbelastung sinkt auf ein Zehntel und die Maßgaben für Feinstaubbelastung unterschreiten im Bereich der Wohnbebauung (Gartenstraße, Genschmarer Straße, Ausbauten) die Irrelevanz-Werte deutlich. Christian Dorn verwies indes auf den schlechten Ruf, den Massentierhaltung hat. Er befürchtet, dass sich der Wert seines Hauses durch das Vorhaben halbieren werde: "Wer ersetzt mir den Schaden?"

Das war der Punkt, an dem Dieter Rauer, Zechins Bürgermeister und langjähriger Leiter erst der Zechiner LPG, dann der AGO Zechin eine grundsätzliche Frage stellte: "Braucht der ländliche Raum die Landwirtschaftsbetriebe?" Und er beantwortete sie auch gleich selbst: "Wir brauchen die Landwirtschaft, um unseren Raum, das Oderbruch, weiter zu gestalten." Ob jemand Tierschützer ist, weil er in Berlin drei Hunde und zwei Katzen hält, versah er mit Fragezeichen. Es sei wichtig, dass Landwirtschaftsbetriebe im Dorf etwas entwickeln, was den Menschen berufliche Perspektiven bringt.

Drei bis vier Arbeitsplätze schafft die Fairmast-Anlage in Golzow, erklärte Detlef Brauer auf Nachfrage. Man habe den Tierwirten, die ihre Arbeit durch das Aus der Milchproduktion verloren hatten, zugesagt, dass sie dafür berücksichtigt werden. Zudem sei der Gesamtproduktionsprozess zu sehen. Sämtliche Arbeitsplätze im Zusammenhang mit den Fairmastanlagen bleiben in der Region: Denn geschlachtet werden die Tiere im nahen Storkow. Und auch Kraftfahrer und andere technische Kräfte werden beschäftigt.

Neben Frank Schütz sprach sich auch Gemeindevertreter Steffen Paulus für das Projekt aus: "Als die Milchproduktion schloss, wurde auf Odega eingeprügelt. Ich finde es gut, dass ein Verfall verhindert und zugleich eine Perspektive eröffnet wird."

Im Gemeindezentrum Golzow informiert eine Ausstellung über das Fairmast-Vorhaben. Sie kann dienstags bis freitags von 10 bis 16 und am Wochenende von 11 bis 16 Uhr besichtigt werden. Zugleich ist die Bibliothek offen.

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