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Ortsbeiratsmitglied ruft zur Gründung einer Bürgerinitiative auf / Frust über Entscheidungen der Gemeinde Steinhöfel wächst

Für ein unabhängiges Heinersdorf

Annemarie Diehr / 02.11.2017, 07:44 Uhr
Heinersdorf (MOZ) Der zur Gemeinde Steinhöfel gehörende Ortsteil Heinersdorf möchte wieder eigenständig werden - so jedenfalls lautet der provokante Aufhänger zur Gründung einer Bürgerinitiative. Dazu ruft Ortsbeiratsmitglied Steffen Adam im Internet auf.

Es sei ein bisschen wie in einer Ehe: Irgendwann komme der Punkt, an dem man überlege, ob man noch miteinander könne oder nicht. Für Steffen Adam, Mitglied im Heinersdorfer Ortsbeirat, ist dieser Punkt erreicht. "Im vergangenen halben Jahr bis Jahr haben sich viele Sachen aufgestaut", sagt er, "jetzt ist es Zeit, zu handeln."

Am 9. November soll es im Jugendclub Heinersdorf so weit sein - ab 19 Uhr sind dorthin Menschen eingeladen, die, wie es auf der Heinersdorfer Internetseite des sozialen Netzwerks Facebook heißt, "Interesse und Mut haben, konstruktiv nach Lösungen zu suchen, die die Eigenständigkeit des Ortsteils Heinersdorf fördern und ermöglichen". Steffen Adam ruft zur Gründung einer Bürgerinitiative auf. Ihr Ziel: maximale Unabhängigkeit von der Gemeinde erlangen.

Von dieser nämlich fühlten sich viele Heinersdorfer nicht wahrgenommen. Die künftige Übernahme der Jugendarbeiter-Stelle durch die Gemeinde, auch die seit Jahren in der Debatte stehende Sanierung des Herrenhauses würden laut Steffen Adam die Frage aufwerfen, wie generell in der Gemeindevertretung mit unterschiedlichen Meinungen umgegangen werde. "Ich akzeptiere demokratisch getroffene Entscheidungen, frage mich aber, ob die auf Grundlage von Abwägung des Für und Wider getroffen werden oder nicht eher aufgrund von Vorurteilen"

Mit seinem Milchkombinat galt Heinersdorf einst als DDR-Musterdorf. Dies sei laut Adam die Ursache für die Abneigung der Gemeinde gegenüber dem Ort: Nach dem Zusammenschluss der eigenständigen Gemeinde Heinersdorf mit Steinhöfel und weiteren im Zuge der Gemeindeneugliederung 2002 habe sich das Verständnis durchgesetzt, dass nun auch die anderen Orte ihren Teil vom Kuchen abhaben wollen. Hinzu kommt: Damals vertraglich vereinbarte Sanierungs- und Baumaßnahmen in Heinersdorf, etwa das Herrenhaus und den Sportplatz betreffend, ließen bis heute auf sich warten.

Gegen den Vorwurf, die Verwaltung investiere vor allem in Maßnahmen in den anderen elf Ortsteilen, wehrt sich Bürgermeisterin Renate Wels: "Ich kann nicht bestätigen, dass Heinersdorf gegenüber anderen Orten zurückgeblieben ist. Im Gegenteil, wir haben dort viel angeschoben." So seien in der Vergangenheit die Grundschule samt Hof sowie die Kita im mit 1000 Einwohnern größten Ortsteil saniert worden, zurzeit erhalte die Straße zwischen Heinersdorf und Behlendorf eine neue Deckschicht. "Im Übrigen achten wir darauf, dass sich alle Ortsteile entwickeln, unabhängig von der Einwohnerzahl", sagt Renate Wels, die über Kollegen von der geplanten Bürgerinitiative erfahren habe. Sie stehe dem Vorhaben prinzipiell offen gegenüber, sei zu Gesprächen bereit. Sorgen um den Zusammenhalt in der Gemeinde mache sie sich nicht.

Die Gemeindefusion hat Renate Wels, die seit 2011 Bürgermeisterin ist, damals noch als Kämmerin begleitet. Die nächste Gebietsreform stand ihr, zumindest bis zu deren Stopp durch Ministerpräsident Dietmar Woidke am Mittwoch, kurz bevor. Weil die Enquete-Kommission laut Adam eine Soll-Mindest-Einwohnerzahl von 8000 in ländlichen Kommunen vorsehe, hätte Steinhöfel mit nur gut 4000 Einwohnern ab 2019 mit anderen Gemeinden fusionieren müssen. Auch dazu befragt er auf Facebook Sympathisanten der Heinersdorfer Bürgerinitiative; die Mehrheit spricht sich bei einer Abstimmung für die Eingemeindung in die Stadt Fürstenwalde aus.

"Die Leute reden darüber", sagt Heinersdorfs Ortsvorsteherin Jane Gersdorf. Sie sieht in dem Vorstoß zur Gründung einer Bürgerinitiative die Absicht, Anwohner über die Konsequenzen der bislang geplanten Verwaltungsstrukturreform zu informieren, um so eine Diskussion anzustoßen. Denn die Verwaltung, sagt Jane Gersdorf, rede mit den Heinersdorfern nicht über ihre Pläne. "Tatsächlich müsste jeder Ort überlegen, was für ihn am besten ist", sagt die Ortsvorsteherin über die auf Eis gelegte Kreisgebietsreform. Je nachdem wohin die Reise ginge, änderten sich auch die Strukturen innerhalb der Dörfer.

"Mir ist bewusst, dass es kaum möglich ist, Heinersdorf aus der Gemeinde herauszulösen", sagt Adam. Durch finanzielle Unabhängigkeit ließe sich aber überlegen, Vorhaben umzusetzen, die von der Gemeinde nicht beachtet würden. Für seinen Vorstoß erntet er nicht nur Zustimmung: "Viele Heinersdorfer sind kritisch und befürchten, dass die Situation nur schlimmer wird", weiß er. Der Ausgang, sagt Adam, sei offen.

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