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Eine Bürgerinitiative sorgt sich um den Erhalt der Herden in der Rieselfeldlandschaft Hobrechtsfelde

Wilde Pferde am Stadtrand

Sie pflegen die Landschaft, fördern dadurch nachweißlich den Artenreichtum und ziehen Touristen an: Wildpferde am nördlichen Berliner Stadtrand.
Sie pflegen die Landschaft, fördern dadurch nachweißlich den Artenreichtum und ziehen Touristen an: Wildpferde am nördlichen Berliner Stadtrand. © Foto: MOZ
Steffi Bey / 18.01.2017, 07:07 Uhr
Berlin (sb) Sie pflegen die Landschaft, fördern den Artenreichtum und ziehen obendrein auch noch Touristen an: die Wildpferde am nördlichen Berliner Rand. Dennoch befürchten engagierte Bürger das Aus der Weidehaltung und setzten sich für eine Fortführung des Projekts ein.

Es ist ein entspanntes Bild: Mitten auf einem winterlichen Feld vor den Toren Berlins, zwischen kahlen Eichen, stehen die robusten Wildpferde. Sie sind kaum eineinhalb Meter groß, haben graues Fell, eine zottelige Mähne und dunkle Augen. Axel Lüssow, Tierfotograf und Soziologe, besucht mehrmals in der Woche ihre Weideflächen, die sich zwischen den Karower Teichen, dem Bucher Forst, dem ehemaligen Berliner Stadtgut Hobrechtsfelde und der Schönower Heide erstrecken. "Ich bin fasziniert von den Konik-Wildpferden und davon, dass eben auch Stadtkinder das Sozialleben in einer Pferdeherde beobachten können", sagt er.

Natürlich gelten klare Regeln in der Weidelandschaft, die durch mehr als 50 Tore frei zugänglich ist. Dazu gehören: gebührend Abstand zu den Tieren halten, nicht füttern und Hunde an der Leine führen.

Wie viele Fotos Lüssow in den vergangenen Jahren in dem Gebiet gemacht hat, kann er nicht genau sagen. Auf jeden Fall sind es überwiegend schöne Aufnahmen. Sie zeigen, wie Fohlen, Stuten und Hengste gemeinsam fressen, umherspazieren, sich ausruhen. Aber der Pankower, der Mitglied bei den Grünen ist, hat auch andere Motive eingefangen. Kranke und verletzte Tiere sind darauf zu sehen oder Metallreste, die zu Verletzungen führen können.

Axel Lüssow berichtet auch von immer kleiner werdenden Herden, weil Hengste und Fohlen abtransportiert wurden, und von weniger Weideflächen. "Ich wollte mehr darüber wissen, suchte Verbindung zu Berliner Forsten, zum Eigentümer der Herden und zum Senat", berichtet der engagierte Tierschützer. Nur magere Auskünfte hätte er bekommen. Nun befürchtet er, dass die Wildpferde nach und nach aus dieser Landschaft verschwinden sollen oder zumindest nicht mehr in artgerechten Herden mit mehreren Generationen gehalten werden können.

"Das wäre fatal, denn durch eine wissenschaftliche Studie der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde (Barnim) wurde bestätigt, die Haltung der Koniks - einer Ponyrasse aus dem mittel- und osteuropäischen Raum - dient sowohl der Naherholung als auch dem Naturschutz und solle fortgeführt werden", zitiert Axel Lüssow.

Gestartet wurde das größte Waldweideprojekt Deutschlands vor mehr als fünf Jahren auf insgesamt 860 Hektar mit Rindern und Pferden - und dem Ziel, die ehemalige Rieselfeldlandschaft Hobrechstfelde zu einer artenreichen, strukturierten, halboffenen Waldlandschaft zu entwickeln. Beteiligt waren an dem bis 2015 geförderten Vorhaben unter anderem die Berliner Forsten, der Senat, der Naturpark Barnim und die Agrar GmbH Hobrechtsfelde als Beweidungsträger.

Die Berliner Forsten führen es seitdem weiter. Und die Konik-Fans, die sich Ende vergangenen Jahres zu einer länderübergreifenden Bürgerinitiative zusammenschlossen, fordern, dass dies so bleibt. Matthias Tang, Sprecher der Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz verspricht: "Bis 2020 soll eine weitgehende Kontinuität durch Beweidung mit Rindern und Pferden gewahrt werden." In den Jahren 2019/2020 erfolge dann eine wissenschaftliche Überprüfung, um das weitere Vorgehen zu planen, so der Sprecher.

Tang betont, nach vereinzelten Korrekturen vor allem im Bucher Hochwald und am Lietzengraben sollen die Weideflächen jetzt so erhalten werden. "Auch die Zahl der Weidetiere bleibt annähernd gleich."

Heinrich Bley, Herdeneigentümer und Chef der Agrar GmbH Gut Hobrechtsfelde, bestätigt das. Derzeit befänden sich 40 Pferde und 100 Rinder auf den Flächen. "Die Tiere dienen als Landschaftspfleger, eine Vermehrung bei den Koniks ist nicht gewollt, deshalb wurden die Hengste rausgenommen", sagt der Halter. Zwei festangestellte Mitarbeiter würden zudem täglich die Herden kontrollieren. Für Gespräche mit der Bürgerinitiative zeigt er sich offen.

Auch die Berliner Forsten begrüßen das Engagement interessierter Bürger und wollen in den kommenden Wochen das Gespräch mit ihnen suchen. Axel Lüssow nimmt das wohlwollend zur Kenntnis.

Um weitere Berliner und Brandenburger auf die Situation der Wildpferde am Stadtrand aufmerksam zu machen, haben die Konikfreunde den Kalender "Berliner Wildpferde" zusammengestellt. Für zwölf Euro kann er per E-Mail unter konikfreundeberlin@gmail.com bestellt werden. Der Erlös kommt dem Verein "Provieh - Respekt vor dem Pferd" zugute.

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