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Imker kippen tote Bienen vor Firmensitz von Bayer

Mit Transparenten und Holzkreuzen: Ein Imker protestiert vor dem Berliner Firmensitz der Bayer AG
Mit Transparenten und Holzkreuzen: Ein Imker protestiert vor dem Berliner Firmensitz der Bayer AG © Foto: AFP
Henning Kraudzun / 18.01.2017, 19:58 Uhr
Berlin (MOZ) Brandenburger Bauern und Imker haben am Mittwoch vor dem Berliner Sitz des Chemiekonzerns Bayer gegen die Fusion mit dem Saatguthersteller Monsanto demonstriert. Dabei wurden Tausende tote Bienen aus Eimern auf den Bürgersteig gekippt. Mit der Aktion wollten Imker auf das verheerende Bienensterben aufmerksam machen, das nach ihrer Auffassung durch den großflächigen Einsatz von Pestiziden verursacht wird. Landwirte kritisierten eine zunehmende Marktkonzentration auf dem Agrarsektor. Die Veranstalter sprachen von rund 50 Teilnehmern.

"Die geplante Fusion bedroht die Existenz vieler Bauern", sagt Heinz Günther Klaas, dessen Betrieb in Wiesenhagen (Teltow-Fläming) sich auf Saatgutvermehrung spezialisiert hat. Der Landwirt beliefert Bioland-Handelsunternehmen. "Der Markt wird immer weiter eingeschränkt", kritisiert er. "Auch die Bio-Branche wird mittlerweile von einem zunehmenden Preisdruck geprägt." Die Megakonzerne versuchten nunmehr, Patente auf sämtliches Saatgut anzumelden, wodurch kleine Betriebe ins Aus gedrängt würden.

Imker dagegen fühlen sich der Übermacht der Agrarindustrie ausgeliefert. "Wenn Bienen schon vom Land in die Städte flüchten, dann läuft etwas gewaltig schief", sagt Günther Hesse, der Honig in Werneuchen (Barnim) produziert. Bayer und Monsanto würden nach ihrem Zusammenschluss den Pestizideinsatz vorantrieben. Seine Branche spüre zuerst die negativen Folgen dieser Strategie.

Die Befürchtungen werden durch eine vor wenigen Tagen veröffentlichten Studie der Umweltorganisation Greenpeace bestätigt. Demnach werden die in Pestiziden enthaltenen giftigen Neonicotinoide immer häufiger verwendet und können Insekten entweder direkt töten oder langfristig deren Nervensystem schädigen. Laut Greenpeace verschlimmerte sich die Situation dieser Tiere trotz eines EU-Gesetzes aus dem Jahr 2013, welches den Einsatz von Neonicotinoiden einschränkt hatte. "Kollegen haben in diese Winter schon ganze Völker verloren", berichtet Holger Ackermann, Sprecher des Brandenburger Imkerverbandes. Diese Entwicklung mache Angst. Auch nach dem Teilverbot von drei Neonicotinoiden sei keine Besserung zu spüren.

Derweil hat die Initiative "Wir haben es satt" am Sonnabend erneut zu einer Großdemonstration in Berlin aufgerufen. Erwartet würden bis zu 50000 Teilnehmer, sagt der Sprecher der Initiative, Christian Rollmann. Zu der Veranstaltung, die um 12 Uhr am Potsdamer Platz beginnt, haben sich Hunderte Landwirte angekündigt. Ein großer Konvoi von Traktoren soll den zum Brandenburger Tor führenden Demonstrationszug begleiten. "Wie viele tatsächlich kommen, hängt aber immer von der Situation auf den Höfen ab", sagt Rollmann.

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