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Begehrte Sitzschalen aus Fiberglas Oranienburger Norman Schwidder mit Stand auf der Design-Börse Berlin

Antje Jusepeitis / 21.01.2017, 17:42 Uhr
Seit November 2016 ist Norman Schwidder (27) Zur Designbörse präsentieren 85 internationale Händler und Galeristen aus Deutschland, Italien, Schweden, Österreich, Holland, Frankreich, Polen, Dänemark und private Sammler aus dem ganzen Bundesgebiet originale Möbel und Produktdesign aus den Bereichen Interieur, Lampen, Accessoires, Technik, Glas, Keramik, Metall und Schmuck im ehemaligen DDR Kaufhaus. Es bietet ein Setting für den Verkauf von Möbeln und Produktdesign der letzten 120 Jahre. Besonders hervorzuheben sind neben dem Stand 30 des Oranienburgers Norman Schwidder

• Expertenschätzung an Stand 37: Arthur Floss vom Auktionshaus Quittenbaum München steht am Sonnabend von 15 bis 18 Uhr für öffentliche Experten-Schätzung zur Verfügung.

• Ausstellung an Stand 97: DDR Designgeschichte, für die der Designexperte, Sammler, Buchautor und Ausstellungskurator Günter Höhne das Thema "Tafelgerät, Besteckmodelle und Gebrauchsglas-Kultur der Formgestaltungs-

Moderne" gewählt hat.

• Online Katalog

• Kulinarik: "Effie Biests" Espresso Bar, Wrap Lounge, Berlins "beste Kuchen", live DJ-Sets der "Weddingboys"

Zu finden ist die Börse im Stockwerk 4 der Galeria Kaufhof Ostbahnhof, Erich-Steinfurth-Straße in 10243 Berlin am Freitag, 27. Januar, 16 bis 20 Uhr, Samstag, 28. Januar, 12 bis 20Uhr, sowie Sonntag, 29. Januar, 13 bis 18 Uhr. Der Eintritt kostet am Freitag zum Open Preview zehn Euro, am Sonnabend und Sonntag je fünf Euro: ? (030) 509 93 82 ; www.design-boerse-berlin.de

Seit November 2016 ist Norman Schwidder mit seiner Firma Concept Modern im Oranienwerk an der Kremmener Straße 43 vor Ort. Hier in der alten Stanzerei des früheren Kaltwalzwerkes von Oranienburg arbeitet er vor allem Fiberglas Side- und Armchairs, insbesondere im Designs von Charles und Ray Eames, auf und verkauft diese in vielen verschiedenen Farben.

Dazu bietet er Shock Mounts und Ersatzteile für die Restauration der Designklassiker. Neben den besonderen Stühlen, die Schwidder vor allem aus den Vereinigten Staaten von Amerika bezieht, verkauft er so genannte Mid Century Planter samt Töpfen in verschiedenen Größen, Farben und Holzarten.

Die Gestelle zimmert der Fürstenberger Tischler Sven Heuer. "Er weiß genau, was ich brauche, hat selbst klasse Ideen", sagt Norman Schwidder. Er ist in Berlin, Leegebruch und Velten aufgewachsen, zog inzwischen von Berlin zurück nach Oberhavel, Oranienburg, absolvierte von 2009 bis 2012 eine Ausbildung als Assistent für Produktdesign an der Marcel Breuer Schule für Holztechnik, Glastechnik und Design in Berlin. Danach begann Schwidder ein Studium an der FH Potsdam im Bereich Produktdesign.

Während der Lehrzeit stieß er auf das Design von Charles und Ray Eames, begeisterte sich dafür, begann, Produkte dieses Stils zu sammeln. In seiner Berliner Wohnung stapelten sich irgendwann Fiberglasstühle. Er begann, damit zu handeln, zunächst als Kleingewerbler. Seit 2015 agiert er als selbstständiger

Unternehmer, zog im November 2016 endgültig mit seiner Firma ins Oranienwerk. Aktuell arbeitet er gemeinsam mit Tischler Sven Heuer an verschiedenen eigenen Stücken.

www.conceptmodern.de

Oranienburg. (mae) "Möbel mit Charakter für Menschen mit Charakter" lautet das Motto der diesjährigen Vintagemöbelschau, die Designklassiker, Stilikonen und seltene Originale der letzten 120 Jahre nach Berlin bringt. Norman Schwidder aus Oranienburg präsentiert sich auf der Börse vom 27. bis 29.Januar im 4. Stock der Galeria Kaufhof am Berliner Ostbahnhof an Stand 30 mit Fiberglas-Designer-Stühlen.

Fiele in New York jemandem ein Blumentopf auf den Kopf, könnte Norman Schwidder daran Schuld sein. Nicht, dass der 27-Jährige deshalb gerichtlich belangt werden könnte. Vielmehr stellt der Oranienburger die Rechnung dafür aus. Norman Schwidder handelt mit sogenannten Mid Century Planter. Übersetzt: Blumentöpfe in Anlehnung an den Stil der 1950er bis 1960er Jahre. M-, L-, XL- oder gar XXL-Modelle, mit tiefem (low) oder höherem (high) Gestell bietet er an. "Die Töpfe gehen vor allem in die USA. Mehr als 200 Stück hab' ich schon verkauft, auch nach Israel, Moskau, Vancouver. Am Dienstag kam eine Bestellung aus Tokio", ist Norman Schwidder selbst ein wenig überrascht von seinen Verkaufserfolgen. Dabei kostet ein Topf - schlicht weiß mit hölzernem Vier-Bein- Sockel - mindestens 80 Euro. Für größere Modelle zahlen Kunden mehr als 200 Euro. Summen, bei denen sich mancher, der den Wert echter Designerstücke nicht einzuschätzen vermag, vor Schreck vielleicht auf den Stuhl setzen müsste, möglicherweise einen Fiberglasstuhl, der ebenfalls seinen Preis von 250 bis zu 3000 Euro hat. Diese Sitzgelegenheiten wiederum aus so genannten Glasfasern mit verschiedenfarbigem Kunstharzüberzug, ebenfalls aus der Mitte des vergangenen Jahrhunderts, stehen ausreichend in Werkstatt und Firmenraum von Norman Schwidder.

Im November bezog er ein rund 30-Quadratmeter-Atelier in der ehemaligen Stanzerei des Kaltwalzwerkes Oranienburg, dem heutigen Oranienwerk. Ein Gebäudeensemble, das seit 2013 Künstler, kreativ Schaffende und Ideengeber vereint. Mit seiner Firma Concept Modern fügt sich Norman Schwidder optimal in die Standortidee ein. "Ich bin froh, dass ich hier Fuß fassen konnte und denke, ich passe ganz gut mit ins Gebäude." Der ausgebildete Produktdesign-Assistent arbeitet Vintage Möbel auf, entwirft eigene und handelt seit 2015 erfolgreich damit. "Eigentlich wollte ich schon viel weiter sein mit meinem Schauraum hier, Regale und einen großen Tisch drin haben, Eigenentwürfe." Doch das Onlinegeschäft hat den Jungunternehmer seit August überrollt. "Ich kann tatsächlich schon von meinen Einnahmen leben", erzählt er und verwundert damit seine einstigen Kommilitonen an der FH Potsdam.

Hier begann er 2012 ein Produktdesign-Studium. Entschloss sich jedoch 2015 dazu, in die Selbstständigkeit zu starten. Selbstständigkeit ist genau sein Ding, sagt er. Jemanden über sich zu haben, der ihm sagt, was er zu tun habe, das mag er nicht.

"Und du verkaufst immer noch Stühle und kommst zurecht?", fragen die Studentenkumpel regelmäßig. "Ja", lautet Norman Schwidders klare Antwort. 60 Stühle, im Fachjargon Sidechairs und Armchairs, aus der Produktion von Herman Miller oder Vitra hat er in den zurückliegenden zwei Wochen restauriert. Gerade erst kaufte er im Internet einen Schwung von 50 Fiberglasstühlen - olive-green dark - aus dem Entwurf von Charles und Ray Eames.

Sie stammen aus der Mobiliar-Auflösung einer Schule in Gießen. "Dass die Sachen aus Deutschland kommen ist eher ungewöhnlich. Wir beziehen unsere Designklassiker und Möbelstücke überwiegend aus den USA, Skandinavien oder den Niederlanden", erzählt der junge Mann, der schlichte Eleganz mit besonderen Akzenten bevorzugt. Mit Jeans, T-Shirt, Basecap - und Desigernturnschuh steht er in seinem Schauraum. Hier riecht es intensiv nach Klebstoff. "Zwei-Komponentenkleber. Ich habe vorhin in der Werkstatt hinten neue Shock Mounts, also eine Art Gummipuffer, fürs Gestell unter dem Stuhl angebracht." Norman Schwidder dreht eine der ockerfarbenen Sitzschalen auf dünnem Metall-Gestell um.

Für die Beine, die Basis oder Base, gibt es verschiedene Formen: H, X oder Eiffelturm oder Dowel Base - allerdings nur originale. Auf das Sitzmöbel gekommen ist Schwidder durch seine Ausbildung. "Ich musste einen Vortrag halten über Charles und Ray Eames." Deren Entwürfe faszinierten ihn. "Der Grundgedanke war, ein kostengünstiges Gebrauchsmöbelstück zu produzieren, dass schick aussieht." Er begann, Stücke zu sammeln. Fiberglasstühle stapelten sich in seinem Keller. Sechs gehören zur Wohnungsausstattung "Gelb, Blau, Dunkelgrün und Schwarz in der Küche und zwei, Seafoam Green und Schwarz mit Armlehnen, im Wohnzimmer am 1,20 mal 1,20 großen Couchtisch aus dem Entwurf von Paolo Piva - der "Alanda Table".

Das Faible für ausgewählte Vintage Designklassiker teilt er mit seiner Freundin, besuchte mit ihr in den zurückliegenden zwei Jahren die Designbörse in Berlin, um Schönes zu entdecken und sich zu informieren. "Warum meldest du dich nicht für einen Stand an?", schlug sie vor. Norman zögert, entschließt sich dann dazu, diesmal als Händler dabei zu sein. Stand 30 ist seiner auf Berlins einziger Möbelmesse für gebrauchte Designunikate, "auf der man sich drei Tage lang in die Exponate der 80 Vintagegalerien aus ganz Europa verlieben, sie ausprobieren und gleich mit nach Hause nehmen kann", wie die Ankündigung verspricht.

"Ich hab' keine Ahnung, was mich erwartet, ob geschäftlich irgendetwas geht." Auf jeden Fall hat er als New-Comer-Händler mit inzwischen einigem Standing ausreichend Stühle dabei, um verkaufen zu können. Die Abnehmer? "Oft Leute aus der Kreativbranche, manchmal andere Händler. Wer so etwas kauft, hat Ahnung davon oder sehr viel Geld, manchmal beides", stellt der Fachmann fest.

Er kennt die Preiswert-Varianten, nennt sie Asia-Replikate. Wodurch er sie von den echten Stücken unterscheiden kann?

"Die Original-Schalen bestehen aus Fiberglas, haben eine einzigartige Struktur und Stempel. Die die erste Produktionsgeneration erkennt man auch an den so genannte Rope Edge Armchairs."

Zur Design Börse vom 27. bis 29. Januar ist alles echt. Und Schwidder ist "echt gespannt, wie sie laufen wird."

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