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Kampf um Schallschutz: Leben zwischen Start- und Landebahn

Andreas Wendt / 25.01.2017, 10:49 Uhr
Waltersdorf (MOZ) David gegen Goliath - so empfindet Monika Meier aus Waltersdorf (Dahme-Spreewald) den Kampf mit der Flughafengesellschaft um Schallschutz an ihrem Haus, das genau in der Mitte der BER-Start- und Landebahnen liegt. Streitpunkt: Ist das Wohnzimmer ein Wohnzimmer - oder ein Wintergarten?

Auf der Couch liegt das Fernglas, mit dem Monika Meier die Natur ganz nah in ihr Wohnzimmer holen kann: Die Rinder, die in einigen hundert Metern entfernt weiden, hier, wo sich am Rande von Waltersdorf Fuchs und Hase "Gute Nacht" sagen. Doch die Idylle trügt: Seit Monaten duelliert sich die 76-Jährige mit der schier übermächtigen Flughafengesellschaft Berlin-Brandenburg (FBB). Es geht um die Frage: Handelt es sich bei dem beheizten Zimmer, in dem die Rentnerin es sich gemütlich macht, um eine - wie sie behauptet - Wohnstube oder um einen Wintergarten, für den es keinen Lärmschutz geben würde?

Das zuständige Bauordnungsamt im Landkreis sagt: Der Raum ist zum Wohnen geeignet, und hat dies auch schriftlich für die Flughafengesellschaft festgehalten. Doch der FBB reicht das nicht, wie der Schallschutzbeauftragte Ralf Wagner am Montag im BER-Sonderausschuss des Landtages auf der Sitzung in Blankenfelde-Mahlow sagte. "Wir hatten eine Fertigstellungsanzeige, aber keine Baugenehmigung vorgelegt bekommen", rechtfertigt Wagner die vorerst versagte Unterstützung für die Anwohnerin. "Außerdem", ergänzt er, "ist dort nicht so gebaut worden wie beantragt". Der Landkreis müsse eigentlich die Nutzung untersagen oder einen Rückbau fordern.

Die Landespolitiker im Ausschuss bringen solche Aussagen auf die Palme. "Die Flughafengesellschaft hat nicht darüber zu entscheiden, ob der Wintergarten so gebaut worden ist wie geplant", erregt sich Rainer Genilke (CDU). Das sei allein Sache der Bauaufsicht - und die hatte sich nach Aussagen von Monika Meier Anfang 2015 den Anbau zu dritt angesehen.

Dass die Alarmglocken bei der Flughafengesellschaft schrillten, ist dem Antrag von Monika Meier auf Kostenerstattung geschuldet, in dem sie fälschlicherweise den umstrittenen Raum auf dem Grundriss mit "Wintergarten" betitelte. Anfangs schien die FBB sich daran nicht zu stören: In einer ersten Kostenerstattungsvereinbarung (KEV) gestand man der BER-Anwohnerin 33 490 Euro zu. Als Monika Meier gerade die Handwerker beauftragen wollte, kam das Oberverwaltungsgericht (OVG) 2013 zu dem Urteil, dass der Schallschutz am BER nachgebessert werden muss. Mit dem überraschenden Ergebnis, dass Monika Meiers Unterlagen noch einmal geprüft und ihr nur noch 8762 Euro - ein Drittel der Summe - zugestanden wurden. Die FBB erkannte plötzlich das Arbeitszimmer nicht mehr als Arbeitszimmer an, und in den Augen der Flughafenjuristen war der gut 20 Jahre alte, seitlich und vorn verglaste, beheizbare Anbau an das Wohnzimmer auf einmal ein Wintergarten.

"Aber es handelt sich einfach nur um das alte Wohnzimmer, das erweitert worden ist", springt Christine Dorn ihr zur Seite. Sie ist Vorstandsvorsitzende des Bürgervereins Brandenburg-Berlin (BVBB), der sich den Kampf gegen Billigschallschutz am BER auf die Fahnen geschrieben hat. Fälle wie Monika Meier kennt die Vereins-Chefin zur Genüge. "Angebliche Wintergärten, die in Wirklichkeit Wohnräume sind, angeblich zu kleine Zimmer und zu niedrige Raumhöhen sind die Punkte, mit denen die Betroffenen wegen abgewiesener Kostenerstattung zu uns kommen", zählt sie auf. Küchen, die kleiner als zehn Quadratmeter sind, seien aus Sicht der Flughafengesellschaft nicht schutzbedürftig, weil einem Schreiben der FBB vom März 2015 zufolge kleine Küchen nicht im Einklang mit gesunden Wohnverhältnissen und ausreichend Bewegungsraum stünden.

Ihr krassestes Beispiel für die Widersprüche in der Bewertung von Schallschutzmaßnahmen kommt aus einer Reihenhaussiedlung. "Alles der gleiche Haustyp. Gleiche Maße, gleiche Raumaufteilung", erzählt sie. Dennoch habe die Flughafengesellschaft den Anspruch auf Schallschutz manchen gewährt, anderen nicht. Erst als Christine Dorn den Fall öffentlich machte, ruderte die Flughafengesellschaft zurück und gewährte allen den gleichen Schutz.

Monika Meier hat nun zumindest die Zusage, dass ihre Unterlagen bis Ende des Monats erneut geprüft werden. Fällt das Urteil negativ aus, wird es mit BER-Start laut. Was an Lärm auf sie zukommt, hat sie schon 2015 erleben müssen, als während Sanierungsarbeiten an der Nordbahn die neue Südbahn für ein halbes Jahr in Betrieb genommen worden ist.

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