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Superangebot: 2000 Euro für Kinderwagen

Gestohlen, gefälscht, gefährlich: Mit diesem Scheck über 2000 Euro sollte eine Schwedterin von Internetbetrügern ausgetrickst werden. Angeblich ein Engländer wollte damit einen Kinderwagen be- und sich die Restsumme auszahlen lassen.
Gestohlen, gefälscht, gefährlich: Mit diesem Scheck über 2000 Euro sollte eine Schwedterin von Internetbetrügern ausgetrickst werden. Angeblich ein Engländer wollte damit einen Kinderwagen be- und sich die Restsumme auszahlen lassen. © Foto: MOZ/Oliver Voigt
Dietmar Rietz / 02.02.2017, 07:05 Uhr
Schwedt (MOZ) Die Freuden des Internets hat Gisela Kuntz* aus Schwedt für sich entdeckt. Aber als sie jetzt auf einem Onlineportal einen Kinderwagen verkaufen wollte, wurde sie fast Opfer eines Warenscheck-Betrügers.

Private Verkaufsanzeigen im Internet sind zum Volkssport geworden. Sie erfreuen sich großer Beliebtheit, haben jahrelang jedoch auch immer wieder Betrüger auf den Plan gerufen. Einer ihrer Tricks: Der Interessent schickt dem Verkäufer einen Verrechnungsscheck, welcher mit einem wesentlich höheren Betrag gezeichnet ist, als der verhandelte Kaufpreis. Der Verkäufer wird gebeten, den überzeichneten Differenzbetrag zurück zu überweisen oder einem Boten mit der Ware auszuhändigen.

Kaum ist das Inserat "Kinderwagen zu verkaufen" von Gisela Kuntz auf dem Internetverkaufsportal erschienen, meldet sich Stefan Lee per Mail bei Gisela Kuntz. Der angebliche Engländer fordert persönlich Daten von der Schwedterin: Name, Wohnort, Telefonnummer und die letzte Preisvorstellung. "Sobald der Scheck eingelöst ist, wird mein zuverlässiger Absender zu ihrem Standort kommen für die Abholen, ohne dass Sie jeden Stress geben." Die fehlerhafte Rechtschreibung und Grammatik stören die Schwedterin anfangs nicht. Sie hat ihren Kinderwagen verkauft - per Internet!

Eines Tages liegt ein Scheck der Citigroup Global Markets über 2000 Euro (Nummer "069993185" und der Bankleitzahl (50210900) in ihrem Briefkasten. Die dort eingeschriebene Summe ist zehnmal so hoch wie der für den Kinderwagen geforderte Kaufpreis.

Als die Schwedterin den Scheck auf der Bank einlösen will, erfährt sie entgeistert, "dass keine Auslandsschecks mehr angenommen werden". Sie fordert den Käufer per Mail auf, "das Geld auf mein Konto (zu) überweisen oder durch ihren Kurier bezahlen (zu) lassen".

Noch stutziger wird sie, nachdem sich der E-Mailverkehr mit dem Käufer über mehrere Tage immer drängender und unerfreulicher entwickelt: "Ich erwarte Ihre dringende Antwort." - "Ich möchte, dass Sie den Scheck in Ihrem Konto einzahlen..."

Gisela Kuntz zieht die Notbremse. "Hallo, Herr Lee, Sie wollen doch keine 2000 Euro für den Kinderwagen zahlen. Ergo könnte ich den Scheck gar nicht einlösen." Die Schwedterin denkt weiter nach, recherchiert im Internet über Fälle von Scheckbetrug. Dort erfährt sie von einem anderen Betrugsversuchsopfer. Auch er wurde mit einem Scheck der Citigroup mit der Nummer "0699246" geködert. Von der Polizei hatte dieser erfahren "Eine Schecksendung ist auf dem Postweg "verloren" gegangen. Und die darin enthaltenen Schecks werden nun für solche Betrügereien eingesetzt."

Gisela Kuntz ist jetzt mehr als beunruhigt: "Mich beschlich der Verdacht, da ist Betrügerei im Spiel. Ich habe den Scheck nicht eingereicht, das wäre sonst vielleicht noch Beihilfe zur Geldwäscherei geworden. Damit will ich nichts zu tun haben." Die Kinderwagen-Verkäuferin lässt sich bei ihrer Bank beraten, meldet sich bei der Polizei und geht mit ihrer Geschichte vom versuchten Differenzbetrug des Scheckausstellers an die Öffentlichkeit.

Die Polizei warnt eindringlich davor, die Anweisungen der Käufer zu befolgen. Der zugesandte Verrechnungsscheck platzt, wird von der Bank des Verkäufers nicht eingelöst, der Verkäufer verliert die verkaufte Ware und den zurückgezahlten Differenzbetrag. Da die Täter vom Ausland aus agieren - auf dem afrikanischen Kontinent, aus dem südeuropäischen oder englischen Raum -, sind Ermittlungen nur selten von Erfolg gekrönt. Gerald Pillkuhn, Sprecher der Polizeiinspektion Uckermark : "Das sind mit Sicherheit keine Einzeltäter und nicht die klassischen Internetportal-Betrüger, die dann und wann mal Ware nicht bezahlen. In 99 Prozent der Fälle sind da Betrüger am Werk. Die Schwedterin hat richtig reagiert. Im Zweifelsfall immer Anzeige bei der Polizei erstatten und kein Geld überweisen. "

*Der Name der Verkäuferin wurde von der Redaktion geändert.

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