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Anwohner wollen Krummen See retten

Zugefroren: Der Krumme See in Vogelsdorf liegt derzeit unter einer dicken Eisschicht. Im Sommer sah es mit dem Wasserstand in den zurückliegenden Jahren schlecht aus. Die Anwohner wollen für den See kämpfen. Die Gemeinde sucht nach kostengünstigen Maßnahm
Zugefroren: Der Krumme See in Vogelsdorf liegt derzeit unter einer dicken Eisschicht. Im Sommer sah es mit dem Wasserstand in den zurückliegenden Jahren schlecht aus. Die Anwohner wollen für den See kämpfen. Die Gemeinde sucht nach kostengünstigen Maßnahm © Foto: MOZ/Gerd Markert
Irina Voigt / 02.02.2017, 19:25 Uhr
Fredersdorf-Vogelsdorf (MOZ) Im vergangenen Jahr spielte der sinkende Wasserstand des Krummen Sees in Vogelsdorf im Bauausschuss des Öfteren eine Rolle. Nunmehr lagen den Gemeindevertretern Informationen nach Untersuchungen vor. Derweil gründete sich im Ortsteil die Bürgerinitiative "Rettet den Krummen See".

Großartiges Biotop. Treffpunkt für die Nachbarn. Versammlungsort in Vogelsdorf. Naturoase... Johannes Heyn als Sprecher der neuen Bürgerinitiative "Rettet den Krummen See" hat viele solcher Bezeichnungen für das Gewässer parat. Er warb bei den Gemeindevertretern auf deren jüngster Sitzung um Unterstützung. Dass er nicht allein steht, beweist die Tatsache, dass die Gruppe innerhalb kürzester Zeit fast 1000 Unterschriften sammeln konnte. Alle wollen, dass Maßnahmen ergriffen werden, die den See retten.

Den Gemeindevertretern lagen nun Schlussfolgerungen vor, die die Verwaltung aus den beauftragten Untersuchungen ableiteten. Der Gutachter hatte die Idee der Anwohner, durch einen Tiefbrunnen den See aufzufüllen, abgelehnt. Die beriefen sich auf Erfahrungen aus anderen Orten mit ähnlichen See-Problemen wie in Zeuthen. Man stellte für Vogelsdorf dar, dass das in den See gepumpte Wasser direkt wieder versickern würde. Auch würde die Leistung einer Pumpe nicht ausreichen, um den Wasserverlust im nötigen Maße zu kompensieren.

Die Kritik der Anwohner richtet sich an den Gutachter. "Das ist ein rein theoretisches Gutachten und wird von uns angezweifelt", erklärte Heyn. Zumal auch kein Lösungsansatz zu erkennen wäre. "Die einzige Möglichkeit, den See zu retten, wird hier mit Zahlen zunichte gemacht", stellte er fest. Aber die haben es in sich, obwohl schon mehrere Abstriche gemacht wurden. Für die Installation einer Pumpe veranschlagt die Verwaltung rund 70 000 Euro. Hinzu kämen Stromkosten von rund 20 000 Euro, wenn die Pumpe im Jahr drei Monate laufen würde.

In dem Fall, so hält die Bürgerinitiative dagegen, könne man eine Pumpe doch auch mit Solarenergie betreiben und im Ortsteil selbst gebe es Fachleute, die man hinzuziehen könne. Man sei in Vogelsdorf bereit, sich an den Kosten und der praktisch-technischen Umsetzung zu beteiligen, erklärte Heyn namens seiner Nachbarn.

Zur Nutzung des Krummen Sees hieß es hingegen im Gutachten, dass er schließlich gar kein Badesee sei. Denn er erfülle nicht die Voraussetzungen der Brandenburger Badeseeverordnung, sondern sei ein Naherholungs- und verpachtetes Angelgewässer.

Zudem seien 70 Prozent der rund 1600 Meter Uferlinie in Privatbesitz und nur 500 Meter öffentlich zugänglich. "Profiteure der Investition von Steuergeldern in Maßnahmen zur dauerhaften Wassersicherung des Krummen Sees wären vor allem private Anlieger und der Angelverein, erst in zweiter Linie die sonstigen Einwohner Vogelsdorfs", wird von der Verwaltung argumentiert.

Die Bürgerinitiative hat allerdings noch einen anderen Vorschlag parat. Sie bezweifelt, dass der See vom oberen Grundwasserleiter gespeist wird, da der "deutlich tiefer als der Seegrund liegt", wie Heyn erklärte. Ihre Idee: Sie würden probehalber das Wehr schließen und abwarten, was passiert. "Nach dem Gutachten müsste das Wasser in den Grundwasserleiter abfließen - aber das Gutachten geht da nur theoretisch ran", stellte Heyn dar, denn konkrete Messstände habe man nicht vorgelegt.

Wolle man nach einem weiteren Vorschlag Wasser aus dem zweiten Grundwasserleiter entnehmen, müsse man dafür nach dem Wasserhaushaltsgesetz eine wasserrechtliche Erlaubnis haben, geben Gutachter und Verwaltung in diesem Fall zu bedenken. Die sei dafür einzuholen.

Zu einer Debatte über die Argumente des Gutachters, der Verwaltung beziehungsweise der Vorschläge aus der Bürgerinitiative oder einem anschließenden Beschluss kam es auf der Gemeindevertretersitzung noch nicht.

Bürgermeister Thomas Krieger zog die Vorlage zurück und verwies sie in den Fachausschuss. Als Aufgabe für die Verwaltung steht demnach nun auch, eine freiwillige finanzielle Beteiligung der Bevölkerung an den Kosten zu prüfen.

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